VISION 20004/2017
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Den Mann hat Gott gesandt

Artikel drucken Lebensrettende Begegnung vor der Abtreibungsklinik

..Er ist mein Feind! Er versteht mich nicht!“ Das war mein erster Gedanke, als mich der große Mann ansprach. Seine Stimme und sein Blick waren zwar sehr freundlich, aber um keinen Preis wollte ich mich von ihm in ein Gespräch verwickeln lassen. 

So ging ich schnurstracks durch die große Glastür. Anders meine Übersetzerin und mein Freund: Sie sprachen sehr interessiert mit dem Mann und zeigten mir dann im Ärztehaus das Flugblatt mit der Entwicklung des Kindes sowie vielen Hilfsangeboten und ein Babymodell aus Plastik. Ich fing an zu weinen. Dann fiel mir der Moment wieder ein, als ich morgens aufwachte. Ich hatte gebetet: „Gott, in der Tiefe meines Herzens will ich gar nicht abtreiben, aber meine Lage ist so hoffnungslos... Wenn es irgendeinen Ausweg gibt, dann gib mir ein Zeichen...“ War dieser Mann das Zeichen? Es war ein seltsames Gefühl... ein Hin- und Hergerissensein zwischen der Sehnsucht einerseits, ein klares „ JA! “ für mein Kind zu finden und andererseits: Ich sah absolut keine Chance, das zu bewältigen. Mit einem unehelichen Kind kann ich als Muslimin niemals mehr in mein Heimatland zurückkehren! Also gingen wir in die Abtreibungspraxis hoch. An der Anmeldung erfuhren wir, dass der komplette Preis sofort entrichtet werden muss. Mein Freund diskutierte mit der Dame über eine Anzahlung – keine Chance! Oh nein... Das Ganze nochmal von vorn... Oh, nein!! Meine Übersetzerin meinte, dass man mit diesem Geld eine Menge Babysachen kaufen könnte... Und wieder dachte ich an mein Aufwachgebet – und meine Gefühle fuhren Achterbahn!

Wir gingen wieder nach draussen. Der große Mann sprach mich erneut freundlich an. Seinen Blick werde ich nie vergessen – er hatte wohl Mitgefühl, aber auch er wusste nichts über den Ernst meiner Lage. Aber ich sagte mir: „Fasse Vertrauen, Awa, diesen Mann hat Gott geschickt. Er ist das Zeichen, um das Du gebeten hast!“ Ich war überrascht, als er sagte: „Tu Dir das nicht an! Es wird Dir später leid tun – und dann sehr, sehr weh!“ Ich spürte, dem geht es nicht nur um das Kind! Dem geht es auch um mich!

Kurz darauf saßen wir im Auto und fuhren in das Lebenszentrum. Dort hat mich Frau Ursula Metsch hervorragend beraten und mir auch sofort eine Bleibe vermittelt, denn eigentlich war ich in München nur zu Besuch und bei meinem Freund wohnen wollte und konnte ich nicht, weil diese Beziehung keine Zukunft hat. 

Inzwischen bin ich schon im sechsten Monat, weiß aber noch nicht, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist. Wolfgang, mit dem ich inzwischen viele gute Gespräche und Gebete hatte, kam auf die Idee, das Kind vorerst Andrea zu nennen, denn das ist im Italienischen sowohl ein Mädchen- als auch ein Jungenname.

Seit sich das Kind bewegt, geschieht etwas Erstaunliches: Wenn Wolfgang in der Nähe ist, fängt das Kind an, sich zu bewegen und wenn er „Hallo, Andrea!“ sagt, hüpft das Kind sogar manchmal! Er spürt auch oft, wann es schläft. Die beiden haben eine echte Kommunikation miteinander. Am Anfang konnte ich das gar nicht fassen! Aber immer mehr verstehe ich, dass ich ein Wunder der Schöpfung in meinem Leib trage! Ich bin so glücklich über meine Entscheidung.

Obwohl ich immer noch nicht weiß, wie es wann und wo weitergeht, habe ich eines begriffen: Gott hat mich vor dem größten Fehler meines Lebens bewahrt. Er hat mein Flehen in hoffnungsloser Lage erhört.

Und Gott wird mich und mein Kind auch weiterhin beschützen und in eine gute Zukunft leiten! Ich bin von Herzen dankbar für alle Menschen, die für uns gebetet und uns geholfen haben.

Zeugnis aus einer Aussendung des Lebenszentrums München

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