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Bei Kindern die Freude am Lesen wecken

Artikel drucken Über veränderte Lesegewohnheiten (Christoph Hurnaus)

Die deutsche Buchbranche hat in den Jahren zwischen 2013 und 2017 insgesamt 20% ihrer Buchkunden verloren, das sind in Zahlen 6,4 Millionen Käufer. Am stärksten wirkt sich der Rückgang in der Altersgruppe zwischen 20 und 50 Jahren aus. Auch die Erwartungen in das E-Book, das auf Bildschirmen lesbare Buch, haben sich nicht erfüllt. Während in den USA jedes dritte verkaufte Buch ein digitales ist, liegt der An­teil im deutschsprachigen Raum noch immer unter 5%.
Meiner eigenen Erfahrung nach ist der größte Verkaufsrückgang im Segment Kinderbuch festzustellen. Obwohl ich im eigenen Bereich über keine genauen Zahlen verfüge, würde ich den Rückgang bei Kinderbüchern in der Altersgruppe der  zwei- bis 12-Jährigen innerhalb der letzten zehn Jahre auf etwa 60 - 70 % schätzen. Spätestens mit dem Erhalt des ersten Smartphones ist es bei den allermeisten Kindern mit dem Lesen vorbei. Ohne die bewusste Leseförderung durch Eltern und Erzieher wird Lesen für Kinder ein weitgehend unentdecktes Land bleiben.
Bereiten den Buchhändlern diese Entwicklungen nicht schon genügend Probleme, so haben sie in den vergangenen Jahren mit Amazon eine Konkurrenz erhalten, die jeder Buchhandlung, egal ob stationär oder im Versandhandel tätig, gewaltige Probleme bereitet. Dem Kunden ist es oft nicht bewusst, was ein einfacher Klick im Internet auf längere Sicht für den Buchhandel und die Entwicklung des Lesens im Allgemeinen bedeutet. Der Buchkunde wird sich einfach die Frage stellen müssen, ob er in Zukunft immer mächtigere multinationale Konzerne unterstützen will, die das Ladensterben in unseren Städten in rasanter Weise beschleunigen, oder doch lieber örtliche Angebote am Leben erhalten sollte.
Da es im gesamten deutschen Sprachraum glücklicherweise noch immer gebundene Ladenpreise gibt, fällt hier auch das Preisargument für den Versandhandel vom Tisch. Solange es einen relativ bunten Büchermarkt gibt, werden die großen Giganten auch religiöse Produkte in ihrem Sortiment anbieten. Hat jedoch die letzte christliche Buchhandlung geschlossen, bestimmen alleine sie, welche weltanschaulichen Angebote es in Zukunft noch geben wird.
Wer diese Entwicklung verhindern will, sollte bei seinen Kaufentscheidungen auch diese Aspekte mit einschließen. Die zunehmende Digitalisierung unseres Lebens ist sicherlich nicht aufzuhalten, trotzdem haben wir es selber in der Hand, uns den gefährlichen Entwicklungen entgegenzustellen, die eine jahrhundertelange Lesetradition und Kultur zerstören.



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