VISION 20005/2018
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Atheistin wird Missionarin Christi

Artikel drucken Jyotsna Paul: vom Kommunismus über den Buddhismus zur Freiheit der Kinder Gottes in Jesus (Von Alexa Gaspari)

Glaube kann nicht nur Berge versetzen, sondern auch Menschen aus ganz unterschiedlichen Kulturen, die tausende Kilometer voneinander entfernt leben, zu Freunden machen. So ist es mir dieser Tage mit Jyotsna Paul, einer strahlenden, herzlichen Inderin aus Neu-Delhi ergangen. Sie war von Immanuel Vision eingeladen worden, Zeugnis von ihrer Bekehrung zum Glauben zu geben.  Die Zuhörer hat sie mit ihrer be­rührenden, eindringlichen, aber auch humorvollen Art  im Bann gehalten. Beim Interview, einer gemeinsamen Wien­-Erkundung und einem  Kaffeetratsch in Heiligenkreuz wurden wir Freunde.  Wie gesagt: ein gemeinsamer Glaube kennt keine Grenzen.
Geboren wurde Jyotsna 1964 in Neu-Delhi als zweites von drei Kindern. Der Vater ist Atheist aus einer Hindufamilie, die Mutter christlich-orthodox. Ihr Mann erlaubt ihr nicht, ihren Glauben zu leben oder gar an die Kinder weiterzugeben, obwohl er bei der Eheschließung zugestimmt hatte, getauft zu werden. Damals bekam er den Namen Paul. Trotzdem lehnt er jede Art von Glauben ab. Zu Hause gibt es keine Bilder von Jesus, dafür Büsten und Bilder von Marx und Lenin, denn der Vater – ein Angestellter der russischen Botschaft – ist aktiv engagiert in der kommunistischen Partei... In diesem atheistisch kommunistischen „Glauben“ werden die Kinder erzogen.
Finanziell geht es der Familie gut. Jyotsna ist eine erfolgreiche Schülerin, sportlich und athletisch: Bergsteigen, Klettern und Karate gehören zu ihren liebsten Sportarten. Alle diese Aktivitäten können aber die große Leere, die sie in sich fühlt, nicht füllen.
Nach der Schule studiert Jyotsna Mathematik. „In dieser Zeit hasste ich von allen Religionen den christlichen Glauben am meisten. Weil die Christen von einem einzigen Gott und Retter sprechen. Warum sollten alle anderen Religionen unrecht haben?“ Wie unglaublich überheblich von den Christen, findet sie. Und die Bibel könne wissenschaftlichen Untersuchungen nicht standhalten, sei daher total abzulehnen.
 „Ich habe nach einem Sinn im Leben gesucht, den der Atheismus niemals geben kann.“ Das Leben erscheint ihr sinnlos, ohne besondere Bedeutung. Nachdenklich meint sie: „Ich habe mir immer viele Fragen gestellt: Wozu wurde ich geboren? Wer bin ich eigentlich? Warum lieben meine Eltern meinen Bruder mehr als mich, warum ist das in unserer Gesellschaft so üblich?“
Im ersten College-Jahr tritt sie der kommunistischen Studentenbewegung bei. Nach außen hin ausgeglichen entwickelt sie doch gleichzeitig Depressionen und hat Selbstmordgedanken. Sie bekommt Antidepressiva. Zu ihren Depressionen gesellen sich starke Minderwertigkeitskomplexe. „Früher schon,“ erzählt sie jetzt lachend, „haben mir Schulkolleginnen gesagt, ich sei hässlich, da meine Haut zu dunkel und meine Zähne zu groß seien. Daher sollte ich besser nicht lächeln.“ Und dabei: „So  hübsch und schöne Zähne,“ denke ich – und sage es ihr auch.
Trotz all dem macht sie ihren Master in Mathematik. Eine Freundin, der sie von ihrem inneren Elend erzählt, erklärt ihr, ihre Depressionen, die Selbstmordgedanken kämen von ihren vergangenen Leben, ihrem schlechten Karma. Der Freundin gelingt es, sie in Richtung Buddhismus zu lenken. „Mit dem Buddhismus hatte ich keine Probleme. Da gibt es ja keinen Gott, nur das Karma und wie man das schlechte Karma überwinden kann, um Nirwana (das Verlöschen) zu erreichen.“
Man sagt ihr, sie müsse, um aus dem Zyklus von Tod und Wiedergeburt, diesem immerwährenden Leidenszustand, herauszutreten, Mantras rezitieren. Da sie von den Depressionen wegkommen will, ist sie dazu bereit. So bekommt sie ein Mantra, das dem mächtigsten Sutra, dem Lotus Sutra zugeordnet ist. Es werde helfen, das eigene Leben und Schicksal selbst zu bestimmen, ihr auf den Weg der Leidfreiheit verhelfen – somit ein Bemühen, sich selbst zu erlösen.
Sie rezitiert also das Mantra, bei dem sie sich selbst sieben Jahre lang diesem Sutra aufopfert, jeweils eine Stunde in der Früh und eine am Abend in der Hoffnung dem Tod-Wiedergeburt-Zyklus zu entkommen und Frieden und Freude zu finden.
Bei  Jyotsna hat diese Selbsterlösung jedenfalls keinen Erfolg. Nach sieben Jahren Mantra ist sie weiterhin depressiv, einsam, hat Selbstmordgedanken, starke Migräneanfälle und keine Freude im Leben.
Eines Tages soll der Bruder getauft werden, um heiraten zu können. Der Priester erklärt, dann müssten auch die Schwestern getauft werden. Trotz großen Ärgers beim Vater schafft es die Mutter, alle drei Kinder taufen zu lassen. Jyotsna lässt dies der Mutter zuliebe über sich ergehen. Sie ist 27, als sie erstmals eine christliche Kirche betritt. Sofort  spürt sie hier einen großen Frieden, wie sie ihn weder in Buddhistischen Tempeln noch bei der Moonsekte oder den Sikhs, wo sie auch hineingeschnuppert hatte, je gefühlt hat.
„So ging ich dann öfters sonntags in die orthodoxe Kirche. Beten konnte ich nicht, aber ich rezitierte dort meine Lotus Sutra,“ erzählt sie heiter. „Da ich gemäß buddhistischer Lehre jedes Jahr zehn Leute für den Buddhismus gewinnen sollte, gab ich den Leuten in der Kirche buddhistische Literatur.“ In Christus sieht sie eine Art Buddha.
Eines Tages, im Jahr 1994, lädt eine Freundin sie zu einem Heilungsseminar von katholischen Priestern ein. Sie könnten dort Menschen heilen, heißt es. Lachend meint mein Gegenüber: „Ich hielt diese Person ein bisserl für verrückt. Warum sollte man zu einem Priester statt zu einem Arzt gehen, wenn man krank ist?“ Als die Freundin nicht locker lässt, geht sie dann schließlich doch mit.
Das mehrtägige Seminar findet auf einem Schulgelände statt: Rund 7.000 Menschen sind versammelt, lautes Halleluja. „Deren Gott ist taub, dachte ich, warum schreien sie so laut, sind die noch normal?“, so ihre erste Reaktion. Sie geht nach vorne, um zu sehen, was da so passiert. Bei der Predigt hört sie nicht zu, sondern schaut sich um. Am Abend ist Heilungsgebet. Es wird für die Kranken gebetet. Da heißt es etwa: „Drei Personen werden von  Rückenschmerzen befreit, sie sollen aufstehen.“ Drei Leute stehen auf und bestätigen das.
Jyotsna ist sicher: Das sind von den Priestern bezahlte Akteure. Es beweist gar nichts. Ganz vorne fällt ihr eine 50-jährige Frau mit einem roten Schal auf, die von ihren Begleitern jeden Tag im Rollstuhl hereingeführt wird. „Ich dachte mir: wenn der christliche Gott diese Frau, die nicht stehen kann, heilt, dann will ich an ihn glauben.“ Es vergehen zwei, drei Tage mit Gebeten, und Jyotsna kommt immer wieder, nur um zuzuschauen. Am vierten Tag, als wieder für die Heilung der Kranken gebetet wird, sagt plötzlich der Priester: ‚Jesus heilt gerade eine Frau, die im Rollstuhl sitzt und einen roten Schal trägt.“
Jyotsna dreht sich zur Frau im Rollstuhl um, und siehe: mit zittrigen Beinen steht sie auf, geht nach vorne, ergreift das Mikrophon und erklärt unter Tränen: „Ich bin eine Hindu, sitze seit 25 Jahren im Rollstuhl, konnte nicht gehen. Ich war bei allen heiligen Strömen Indiens, habe meine Beine darin gebadet, wurde aber nicht geheilt. Jetzt, als der Vater gebetet hat, habe ich wie elektrische Ströme in meinen Beine gespürt. Ich kann wieder gehen, Jesus hat mich geheilt.“
„Als ich das sah, hatte ich richtig Angst. Was ist da passiert? Ich fing an zu weinen, fiel auf die Knie. Das war das eine Wunder. Ein zweites großes Wunder geschah in meinem Herzen: Gott nahm mein Herz aus Stein und gab mir ein Herz aus Fleisch. Ich schluchzte: ,Jesus ich glaube, dass du der Retter bist, nicht nur der Christen, sondern der ganzen Welt, aller Menschen.’ Die Frau war ja eine Hindu, und Er hat sie geheilt. Jesus hatte mich ernst genommen. So habe ich Ihm mein Leben übergeben.“
Endlich erlebt sie Frieden, den Frieden, den Jesus schenkt. Sie fügt hinzu: „Ich hatte nie wieder Migräne, nie wieder Depressionen, keine Selbstmordgedanken…“ Lächelnd ergänzt sie: „Auch keine Minderwertigkeitskomplexe mehr. Viel Freude kam seither in mein Leben.“ Sie fühlt sich richtig befreit.
Zunächst weiß sie aber nicht, wohin sie sich jetzt wenden soll. Die verschiedenen christlichen Glaubensrichtungen sind ihr ja fremd, sie sieht keinen Unterschied zwischen katholisch, protestantisch, orthodox, der Pfingstbewegung… An den Sonntagen sucht sie daher alle Gebäude mit einem Kreuz auf, weil sie hungrig nach Informationen über Jesus ist. Wer war Er? Was hat Er getan?
Im Parlament, wo sie damals arbeitet, trifft sie einen katholischen Freund. Als dieser ihre Verwirrung sieht, lädt er sie ein, in seine katholische Kirche zu kommen. Als sie eines Sonntags die Kirche betritt, wird gerade ein Marienlied gesungen, und es fällt ihr ein, dass manchmal ihre verstorbene Großmutter mütterlicherseits  dieses Lied gesungen hatte. Sie hatte auch, am Bett der Enkelin sitzend, für deren Bekehrung und Taufe gebetet. „Das hat mich damals geärgert, heute denke ich aber, dass es ihre Gebete waren, die dazu führten, dass ich, als ich da in der Kirche dieses Lied hörte, innerlich zerschmolzen bin. Da stand ich nun bei einem Pfeiler in der katholischen Kirche und weinte: Ich wusste, das war es, was ich gesucht hatte. Die Muttergottes hatte mich nach Hause geholt. Nun wollte ich Teil dieser Kirche werden.“
Das war aber gar nicht so einfach. Zu Hause kann sie mit niemanden  darüber reden, da der Vater religiöse Gespräche streng verboten hatte. Für die Mutter die ja orthodox war, hätte das auch nach Verrat ausgesehen. Die Priester, bei denen sie wegen einer Aufnahme in die Kirche nachfragt, meinen, sie sollte noch warten. Sie sei ja schon Atheistin, Kommunistin, Buddhistin, in der Moonsekte, der Pfingstbewegung und der orthodoxen Kirche  gewesen. Wer weiß, wie lange sie also katholisch bleiben werde?
„Das war ein Schock, am liebsten hätte ich geweint,“ erinnert sie sich. Doch ein Gebets- und Predigtteam der charismatischen Bewegung nimmt sie auf. Sie bekommt eine Bibel, einen Rosenkranz und lernt beten, anbeten – und predigen. Mit diesem Team bereist sie den Norden Indiens und erlebt viele Wunder. Mit der Zeit erzählt auch sie nun den Menschen von der Liebe Gottes.
In Neu-Delhi gründet sie eine Gebetsgruppe für englischsprachige junge Menschen in der Kathedrale. Doch noch immer ist sie nicht Mitglied der katholischen Kirche, kann nicht zur Kommunion gehen. „Ich habe sehr darunter gelitten. Nach fünf Jahren hat mich der Priester, als ich nach der Messe die Kirche verlassen wollte, zurückgerufen und gemeint: ‚Du weißt über den Glauben und über die Kirche jetzt mehr als viele andere Katholiken und wolltest vor Jahren in die katholische Kirche eintreten, möchtest du es immer noch?’ – Ja Vater, ja Vater! war meine begeisterte Antwort.“
Mit Bibel, Kerze und vielen Gebeten, die sie, zutiefst ergriffen, nachspricht, wird sie feierlich in die katholische Kirche aufgenommen. Sie würde das so gern jemandem erzählen, denn zu Hause darf sie das ja nicht. „Alle waren ja schon weggegangen, so habe ich mich zur Kirche gedreht und ihr glücklich zugerufen: „Ich bin katholisch, ich bin katholisch!“ Das war im Juli 1999. Heute noch hat sie Tränen in den Augen, als sie mir vom „glücklichsten Tag ihres Lebens“ erzählt.
Durch ihren veränderten Lebensstil verliert sie etliche Freunde, gewinnt aber dafür viele andere dazu. „Am Sonntag Vormittag bin ich ja nicht mehr auf Felsen herumgeklettert,“ lächelt sie
Nachdem sie vier Jahre im Parlament Anfragen redigiert hatte, macht sie sich selbständig und arbeitet im Software-Bereich, wo es wieder um Datenverarbeitung  geht. Auch jetzt ist sie freiberuflich in dieser Branche tätig. Das ermöglicht ihr, dem Ruf Gottes zu folgen, in der Verkündigung zu wirken.
Eines Tages fragt Gott sie: „Bist du bereit, den bitteren Kelch zu trinken.“ Zunächst sträubt sie sich, ist dann aber bereit. Gott wisse besser, was für sie gut sei. Bald darauf stürzt ihre Mutter und zieht sich einen komplizierten Bruch zu. Kaum operiert und geheilt, stürzt sie wieder und dann ein drittes Mal. Schließlich stellt sich heraus: Sie hat Tuberkulose. Dann kommt Krebs dazu. 12 Jahre pflegt Jyotsna die Mutter und schläft kaum eine Nacht durch. Bei den Spitalsaufenthalten begleitet sie die Mutter.
Bewundernswert, denke ich, ein wunderbares Zeugnis für unsere Zeit. „Gute“ Freunde raten ihr, sie solle sich um sich selbst kümmern, anderen die Pflege der Mutter überlassen. Andere wiederum meinen, sie solle ihrem Ruf, das Wort Gottes zu verkünden, folgen. Ihnen antwortet sie: „Predigen und Gott loben können auch andere, meine Mutter kann nur ich pflegen.“
Sie erklärt mir: „Niemals hätte ich meine Mutter jemand anderem überlassen. Sie hat mich doch alles gelehrt: gehen, sprechen, lesen… Immer war sie für mich da, da kann ich sie doch nicht, wenn es ihr schlecht geht, in fremde Hände übergeben...“ Sie ist gewiss, das Richtige getan zu haben, denn in all der Zeit spürt sie: „Jesus ist bei mir und stärkt mich. In diesen Jahren habe ich mehr erfahren, als ich in einem Exerzitienhaus hätte lernen können.“
Eines Tages sagt der Vater: „Wenn ich sehe, wie du deine Mutter pflegst, weiß ich, dass jemand bei dir ist, den ich nicht sehen kann, der dir Kraft gibt. Allein könntest du das nicht, ohne zu jammern.“ Sie erklärt: „Er, der Atheist, hatte indirekt die Existenz Gottes erkannt, ohne Ihn zu benennen.“ Vor ein paar Jahren hat er übrigens seine Tochter zu Ostern zu einem christlichen Zentrum begleitet. Dort findet ein Kreuzweg statt. Unter einem Baum stehend schaut der Vater unbeteiligt zu. Da ruft ihn ein Kreuzträger zu sich und legt ihm das Kreuz auf die Schulter. Ohne zu wissen, wie ihm geschieht, trägt der Vater das Kreuz zur nächsten Station.  Besorgt traut die Tochter sich nichts zu sagen, der Vater aber meint, es sei eine schöne Erfahrung gewesen.
Seit Jahren kümmert sie sich nun um den Vater, der allein und hilfsbedürftig ist. Er ist zwar noch nicht, wie sie meint, Christ geworden, lehnt aber christliche Bilder nicht mehr ab. Wenn sie sonntags nicht rechtzeitig fertig für die Messe ist, mahnt er sie aufzubrechen. Nun, da sie auf Reisen ist, ist er für diese Zeit in einem christlichen Pensionistenheim untergebracht ist, „fühlt sich dort sehr wohl, hat sich mit einem Priester angefreundet und sitzt bei der Messe dabei“, wie sie lachend erzählt. „Gott habe sicher noch einen Plan mit meinem Vater.“
Plötzlich unterbricht sie sich und ich bin sehr gerührt, als sie sagt: „Jetzt habe ich ganz auf das Mikrophon vergessen. Es ist mir, als würde ich mein Herz mit dir teilen.“
Und dann erzählt sie, viele hätten ihr 2007, nach dem Tod der Mutter, geraten zu heiraten. Sie aber wollte „lieber die Schriften studieren, in der Sprache, die der Hl. Paulus gesprochen hat, lesen, was er geschrieben hat. Daher begann ich Theologie zu studieren.“ Sie bekommt, Gott sei Dank, ein Stipendium, macht den Bachelor und anschließend den Master in Bibelwissenschaften.
Wichtig für sie ist ihre Gebetsgruppe „Lebendiges Wasser“ in Neu-Delhi.  Über deren Bedeutung erzählt sie bei den Exerzitien: „Wenn wir im Glauben standhaft bleiben, dieses Feuer am Leben erhalten wollen, brauchen wir eine Gemeinschaft. Ein Beispielzum Vergleich: Einen einzelnen Stab kann man leicht brechen, drei schon schwerer, zehn oder 20, die miteinander verbunden sind, gar nicht mehr. Allein auf sich gestellt im Glauben stark zu bleiben, ist schwer, vor allem in diesen Tagen in Indien, wo Christen verfolgt werden. Deswegen bin ich Teil einer Gebetsgruppe.“
Und sie setzt fort: „Wenn du in Indien Christ wirst, verlierst du deine Freunde und sehr oft deine Familie. In dieser Zeit brauchst du eine Gemeinschaft. Auch die Urkirche hat so funktioniert. Sie haben um Kühnheit und Mut miteinander gebetet, um die Wahrheit, um Jesus, verkünden zu können. Dann konnte Gott Zeichen und Wunder durch sie tun und ihnen immer mehr Menschen zuführen. Das ist auch meine und unser aller Berufung, den anderen das Evangelium zu verkünden. Die Verpflichtung, den Glauben weiterzugeben, ist nicht an das Alter gebunden. Niemand ist zu alt oder zu jung dazu.“
In Indien ist das nicht ungefährlich. Denn in letzter Zeit wurden dort viele Kirchen niedergebrannt. Auch eine in ihrer Nachbarschaft wurde in Schutt und Asche gelegt. In Orissa, einem Staat im Osten Indiens, so höre ich, sei die Christenverfolgung am heftigsten. Die jetzige Regierung möchte aus Indien einen reinen Hindustaat machen und die Christen stehen da im Weg. Sie brauchen daher dringend unser Gebet!
Und dabei ist Indien ein fruchtbarer Boden für die Mission. Jyotsna illustriert das an einem Erlebnis: Eines Tages kommt ein 18-jähriger junger Mann, ein Hindu, in die Kirche und schaut sich die Stationen des Kreuzwegs an. Er fragt Jyotsna, die gerade in der Kirche ist, warum unser Gott so viel leiden, warum er das schwere Kreuz tragen musste und am Kreuz bluten. Sie erklärt ihm, Er habe es für seine und ihre Sünden getan. Das schockiert den Jugendlichen: Ein Gott, der sich um die Sünden eines Hindu kümmert und für ihn Leid auf sich nimmt!?
„Ich habe ihm mehr über Jesus erzählt und der junge Mann war zu Tränen gerührt. Er ist wenig später dem Gebetskreis beigetreten und wurde schließlich getauft.“ Jyotsna wird seine Taufpatin. Er hat sich dann, wie sie erzählt, sehr für den Glauben eingesetzt, wurde deswegen immer wieder bedroht und schließlich unter ungeklärten Umständen mit 27 Jahren ermordet! Wir hier im Westen hätten doch dieses Problem nicht, meint sie. Wir könnten unseren Glauben in aller Freiheit leben und sollten ihn daher den anderen verkünden. „Habt keine Angst,“ ruft sie bei ihrem Zeugnis den Zuhörern zu.
Sie ist eine Fundgrube, wenn es um Berichte von den Großtaten Gottes in unseren Tagen geht. So erzählt sie von einer Evangelisationsschule in Neu-Delhi: Dort lernen junge Leute, anderen, die noch nie etwas von Jesus gehört haben, von Ihm zu erzählen. Sie werden dann zu zweit ausgesandt, um zu predigen und für die Kranken zu beten.
Und da geschah einmal Folgendes: Bei einer Bushaltestelle lag ein Mann am Boden, neben ihm eine Krücke. So wartete er auf den Bus. „Haben Sie zwei Minuten Zeit?“, fragen ihn zwei der jugendlichen Missionare. „Wir möchten ihnen etwas Wichtiges erzählen.“ Und sie erzählen ihm von Jesus. Der Mann staunt, als er von einem Gott hört, der für uns am Kreuz gestorben ist und der ihn liebt und der heilen möchte – auch heute. Die beiden jungen Leute beten für ihn, der Mann spricht die Gebete nach. Schon nach wenigen Minuten spürt er, wie Kraft in seine Beine kommt – er steht ohne Krücken auf und kann gehen.
„Die beiden jungen Leute sind ganz einfache Mitglieder einer Gebetsgruppe, es ist der Herr, es ist das Evangelium, die so machtvoll sind,“ erklärt sie mit größter Selbstverständlichkeit. „Gott wartet jeden Tag auf jeden von uns, damit Er Wunder wirken kann. Nehmt das nicht auf die leichte Schulter,“ ruft sie den Anwesenden abschließend  zu.

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