VISION 20005/2002
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Pressesplitter kommentiert

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Nichts ist mehr selbstverständlich

Da gibt es etwas, was mich sehr beschäftigt - aber das betrifft ganz Europa, ja sogar die Welt. Es ist das Verschwinden der Spielregeln, die nicht schriftlich festgehalten, aber selbstverständlich sind. Man ersetzt sie ganz allgemein durch die Bürokratisierung der Verwaltung, durch viel menschlichen Aktivismus. Da gibt es Dekrete, Direktiven, die niemand mehr versteht. Gestern beispielsweise habe ich die 56. Novelle eines Gesetzes, das die Handelstätigkeit betrifft an das Parlament zurückgeschickt. Stellen Sie sich einen Schuster vor, der Monat für Monat den Gang der Gesetzgebung zu verfolgen hat! Dieser Schuster würde einen Steuer-, einen Rechtsberater, vielleicht einen Verantwortlichen für die öffentlichen Beziehungen brauchen: drei Parasiten, die keiner Wertschöpfung bringen.

Vaclav Havel in einem Interview in Le figaro v. 4.7.02

Der tschechische Präsident registriert hier ein Phänomen, das nur ungern zur Kenntnis genommene wird: Die laufend komplexer werdenden Wirtschaftstrukturen engen die Freiräume immer stärker ein, ruinieren die Lebensgrundlagen und erzeugen eine wachsende Bedrohung:

Der totale Markt

Der totale Markt ist schlichtweg der Weg in die Abschaffung der Zukunft. Alle Parameter deuten darauf hin, daß es ihm unmöglich sein wird, eine Methode zur Rettung der Lebenswelt zu finden - schon weil seine Theologie, die zünftig eingespielte Wirtschaftswissenschaft, außerstande ist, ein plausibles Schrumpfungsmodell zu entwerfen. Artensterben, Klimawechsel, Erschöpfung der Bodenfruchtbarkeit, demographische Entwicklung: Die Blutige Ironie ist, daß der totale Markt auch für diese äußersten Wahrscheinlichkeiten keine Alternative anzubieten hat. Seine finale Logik ist die resignative Akzeptanz, wenn nicht der Heroismus des kollektiven Selbstmords. Hier wird's für die Kirchen als die ältesten Hüter der judäisch-christlichen Perspektive, die Verkünderinnen verbürgter Hoffnung, äußerst interessant: Wenn der Menschheit der Untergang aus dem Verfall ihrer demütigsten materiellen Lebensbedingungen droht - aus Bodenbeschaffenheit, Wassermangel, der Zusammensetzung und der Temperatur der Atemluft -, sind die Kirchen dann nicht aufgerufen, hier nicht zu warnen, sondern aktiv zu widerstehen?

Carl Amery in Süddeutsche Zeitung v. 3.4.02

Es geht um den ehrfurchsvollen Umgang mit der Schöpfung - fraglos heute eine Herausforderung und für Christen die Gelegenheit, vom Schöpfer Zeugnis zu geben, der jeden Menschen liebt.

Die Herrschaft der Lobbys

In Brüssel sind mehr als 3.000 Interessenverbände vertreten. Die Zahl der Lobbyisten wird auf etwa 15.000 geschätzt. Seit 1994 existiert sogar ein Institut, das sich auf die Ausbildung von EU-Lobbyisten spezialisiert hat (Institut Européen des Affaires Publiques et du Lobbying). Sie alle bedrängen die Kommission, immer neue Richtlinien zu erlassen. Man kann den Einfluß der Interessenverbände an der Gesetzgebung und dem Haushalt der Europäischen Gemeinschaft genau ablesen. Ein amerikanischer Ökonom stellte fest, daß 78 Prozent der entsprechenden Angaben des Amtsblatts der Befriedigung von Interessengruppen - vor allem natürlich der Landwirtschaft - dienten.

Die Zeit 32/02

Diktieren Wirtschaftsinteressen die Einigung Europas, so wird dieser Kontinent notwendigerweise zu einem Raum, in dem Nützlichkeitsdenken und Egoismus den Ton angeben - der sicherste Weg in die Kultur des Todes. Erstes Opfer: die Ehe.

Wieder ein Scheidungsrekord

Nach den Meldungen der zuständigen Gerichte wurden im Jahr 2001 österreichweit 20.582 Ehen rechtskräftig geschieden. Gegenüber dem Vorjahr gab es eine Zunahme um 1.030 Scheidungen oder 5,3 Prozent. Damit setzte sich der starke Aufwärtstrend der Jahre 1999 (+3,5 Prozent) und 2000 (+5,6 Prozent) fort. Die Gesamtscheidungsrate, die 1998 noch 38,59 je 100 Heiraten betragen hatte, stieg (...) auf 45,97; das heißt mit anderen Worten, dass 46 Prozent aller gegenwärtig geschlossenen Ehen - unter der Voraussetzung von gleichbleibenden ehedauerspezifischen Scheidungsraten wie im Berichtsjahr - früher oder später vor dem Scheidungsrichter enden werden.

Pressemitteilung Statistik Austria v. 10.7.02

Und die ungeborenen Kinder:

Human töten

Geschätzte 100 Spätabtreibungen gibt es in Österreich jährlich, überwiegend auf Grund von Mißbildungen und Behinderungen. Bei etwa einem Dutzend Ungeborener wird die Abtreibung nach der 22. Woche durchgeführt, also zu einem Zeitpunkt, an dem das Kind auch außerhalb der Gebärmutter lebensfähig wäre. Viele dieser Kinder überleben die Austreibung und werden dem Tod überlassen. Manche werden laut Berichten von Augenzeugen auch dem Erfrieren oder Ersticken ausgesetzt. Um solche Situationen zu verhindern, schlägt Peter Husslein, Vorstand der Wiener Universitätsfrauenklinik eine andere Lösung als das neue Schutzgesetz der USA vor. Eine Kaliumchloridspritze ins Herz des Kindes soll den Muskel lähmen und so innerhalb von Sekunden den Tod herbeiführen. Im Geheimen sei diese Methode bereits des öfteren angewandt worden, es sei nun aber an der Zeit, den Fetozid zur Standesregel zu erheben. Johannes Huber, Vorsitzender der Ethikkommission, äußert keinerlei ethische Bedenken: Wenn man ein Kind stundenlang durch Kontraktionen umbringt, dann ist es doch humaner, es vorher in Sekundenschnelle zu tun, wenn auch die Frau es wünscht.

Pro-Life-Information v. 7. 8.02

Und diese Todeskultur schreitet voran, unmerklich aber unaufhaltsam, solange nicht eine radikale Umkehr stattfindet:

Kinder nach Maß

Die Reaktionen nach dem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH), der eine Ärztin zum Schadenersatz verurteilt hat, weil sie im Rahmen der pränatalen Diagnostik die Behinderung eines Kindes nicht erkannt hatte, hallen weiter nach. ...

Es stellt (sich) eine weitere (Frage), was überhaupt eine Behinderung sei. Was gelte eigentlich noch als nicht mehr als der Norm entsprechend, fragt Hubert Hüppe und erläutert: “Wir haben eine Umfrage durchführen lassen vom Technikfolgen-Abschätzungsbüro des Deutschen Bundestages. Das Ergebnis ist erschreckend. Fast ein Fünftel aller befragten Frauen - und es waren immerhin über 1.000 Frauen - sagten, daß auch eine genetische Veranlagung zum Übergewicht für sie ein Grund sei, ihr Kind abzutreiben. Wenn das schon als eine Art Behinderung angesehen und somit Grund zur Abtreibung wird, dann muß man sagen: Diese Gesellschaft wird immer unmenschlicher". Insofern sei dieses Urteil “eines der gravierendsten in Hinsicht auf unwertes Leben." Es führe uns in “eine ganz neue Dimension". Der Lebensraum für Behinderte werde enger und Eltern würden sich demnächst immer mehr rechtfertigen müssen, warum sie überhaupt noch ein Kind auf die Welt bringen, das behindert ist oder irgendeinen Makel hat".

Die Tagespost v. 27.6.02

Und jeder Einbruch in den Lebensschutz öffnet der nächsten Unmenschlichkeit Tür und Tor:

Ohne Gehirn kein Mensch

André Rosenthal, Professor an der Uni Jena, gemeinsam mit Schering Gründer der Firma Metagen zur Erforschung genbasierter Therapien für Krebsleiden in einem Interview mit der “Tagespost":

Die Blastocyste, aus der man embryonale Stammzellen entnimmt, ist zwar eine hohlkugelige, geordnete Zellansammlung, hat aber noch keinerlei differenzierte Gewebezellen, also auch keine Nervenzellen. Sie kann also keinerlei Schmerz empfinden, sie kann überhaupt nichts empfinden. Sie hat mangels Nerven oder gar eines Nervensystems, gar nicht die Voraussetzungen, etwas empfinden zu können. Ich denke, daß es deshalb erlaubt sein sollte, einen Embryo zu töten, um an seine Stammzellen heranzukommen. Die Gesellschaft hat sich ja schon in ganz anderem Zusammenhang entschieden, Großhirnaktivitäten oder deren Fehlen zum Kriterium für Leben oder Tod zu nehmen. Denken Sie doch daran, daß in den Kliniken lebenserhaltende Maschinen abgestellt werden, wenn keine Großhirnaktivitäten mehr nachweisbar sind, obwohl die Körperfunktionen maschinell noch am Leben gehalten werden könnten. Großhirnaktivitäten bestimmen, ob Sie klinisch tot sind und ob Ihnen Organe für Organtransplantationen entnommen werden können, Ihre vorherige Einwilligung oder die Ihrer Angehörigen vorausgesetzt. Warum soll es dann also nicht erlaubt sein, einem Embryo, der ja noch nicht einmal Nervenzellen hat, Stammzellen zu entnehmen?

Die Tagespost v. 29.6.02

Gott sei Dank gibt es auch ermutigende Nachrichten:

Enthaltsamkeit gegen Aids

Uganda ist auf dem besten Weg, Aids durch auf Enthaltsamkeit und Treue beruhende Programme auszumerzen, so eine Studie der Harvard Universität. Die Harvard Studie lobt Erziehung zur Enthaltsamkeit für ihre bedeutsame Wirksamkeit in der Reduktion von Aids in Uganda. Die HIV-Infektionsrate ist in den Jahren 1992-2000 um 50% gefallen. (...) Wenn der Harvard Bericht ehrlich entgegengenommen wird, könnte Uganda ein weltweites Modell für die Aidsbekämpfung werden.

Kondome - der falsche Ansatz

Ein UNO-Bericht von 23. Juni bestätigt den Fehlschlag der massiven Bemühungen, Aids durch Kondome zu bekämpfen. (...) Der Bericht lautet wörtlich: Viel Mühe wurde für die Verbreitung von Kondomen als Vorbeugung gegen Aids aufgewendet. Dennoch stieg über die Jahre hinweg die Beliebtheit des Kondoms nicht an. (...) In vielen West- und Zentralafrikanischen Ländern steigt die Schwierigkeit, das Kondom zu verbreiten, dadurch dass die große Mehrheit der sexuell aktiven Frauen beabsichtigt, schwanger zu werden. Zur Überraschung von Planned Parenthood und anderen Verhütungspropagandisten bezeugt der Bericht, dass die einzige bedeutsame Verhaltensänderung ein Sinken der Promiskuität war. (...) Während dem kürzlichen UNO-Kindergipfel bemühten sich die USA, Menschen zur sexuellen Enthaltsamkeit und Treue zu ermutigen. Die Delegationen der EU machten jedoch gemeinsam mit anderen Verfechtern von Verhütungsprogrammen diese Bemühungen zunichte.

Pro-Life-Info v. 3. und v. 24.7.02

Es ist zu hoffen, daß solche Einsichten, die Politik der UNO-Organisationen beeinflussen. Der Kurswechsel der USA in Sachen Bevölkerungspolitik unter der Regierung Bush berechtigt zu solcher Hoffnung.

Hasch macht dumm und krank

Forscher an der Universität Göttingen fanden heraus: wer zwischen dem 12. und 15. Lebensjahr mit dem Kiffen beginnt, riskiert eine mangelhafte Entwicklung jener Hirnbereiche, die für die Verarbeitung von Sehreizen zuständig sind. Zudem bleibt nicht selten die Persönlichkeitsentwicklung auf der Strecke. Das Verhalten der Betroffenen ähnelt noch im Erwachsenenalter jenem von Teenagern. Daß Cannabis nicht süchtig machen kann, stimmt auch nur bedingt: “Bis zu drei Prozent der Nutzer bleiben bei Haschisch hängen. Sie entwickeln eine psychische Abhängigkeit, die mit Alkoholismus vergleichbar ist", sagt Drogenexperte Pim. Reinhard Haller vom Krankenhaus Maria Ebene in Vorarlberg. (...) “Vor allem bei jugendlichen Konsumenten beobachten wir, daß Psychosen und Persönlichkeitsstörungen zunehmen", sagt Wolfgang Weidig, Soziapädagoge im deutschen Bokholt. “Zu uns kommen immer mehr Haschisch-Konsumenten, die Stimmen hören oder unter Wahnvorstellungen und Angstzuständen leiden", so auch Haller. Im Extremfall könne regelmäßiges Kiffen sogar zu Schizophrenie führen.

Kurier v. 21.8.02

Diese - übrigens durchaus nicht neuen - Fakten sollten doch endlich zu einer Abkehr der vielfach praktizierten Politik der Bagatellisierung von Haschisch führen.

Wissenschaftler, die betrügen

Am Lawrence Berkeley National Laboratory in Kalifornien hat sich der Verdacht bestätigt, daß die 1999 bekanntgegebene Entdeckung des künstlichen Elements 118 auf gefälschten Meßergebnissen beruht. Ein Physiker hat drei radioaktive Zerfallsketten, gewissermaßen die Fingerabdrücke des angeblichen Elements, schlicht erfunden. An den Bell Laboratories soll ein junger deutscher Wissenschaftler Experimente zur Hochtemperatur-Supraleitung manipuliert haben. Die Ergebnisse lassen sich von anderen Arbeitsgruppen nicht nachvollziehen. (...)

Die Massenuniversität hat zu einer Lockerung der Sitten geführt. Diese reichte von Schwindeleien bei Examensarbeiten bis hin zum kriminellen, beabsichtigten Betrug. Die Wissenschaft hielt viel zu lange an der Fiktion fest, allein der Wahrheit verpflichtet zu sein. Man übersah geflissentlich die Zeichen des Verfalls der wissenschaftlichen Standards. ... Vieles spricht dafür, daß - bei einer hohen Dunkelziffer - das Fehlverhalten überproportional angestiegen ist. Das hängt zum einen mit der Zunahme der Zahl der Lernenden und Lehrenden zusammen, aber auch mit einem Wandel im Selbstverständnis der Wissenschaft. Es geht nicht mehr so sehr um das alte abendländische Ideal, um Erkenntnisgewinn, sondern um eine postakademische, reale Wissenschaft, die der beruflichen Karriere dient. Die Anerkennung seitens der Öffentlichkeit und die Aussicht auf wirtschaftliche Verwertung zählen mehr als die innere Freude über eine Entdeckung. Vor allem Wissenschaftler stehen unter ökonomischem Druck, die für High-Tech oder Biotech-Unternehmen tätig oder gar an ihnen beteiligt sind.

Faz v. 8.8.02

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