VISION 20002/2003
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Nein zum Krieg!

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Aber alles kann sich ändern. Das hängt von jedem von uns ab. Jeder kann in sich seine Fähigkeit entfalten zu glauben, sich zu beschränken, den anderen zu achten, sich für andere einzusetzen. Natürlich hängt all das auch von den Politikern ab, die zum Dienst am Allgemeinwohl berufen sind. Es wird Sie nicht überraschen, daß ich vor einer Versammlung von Diplomaten einige Forderungen äußere, die erfüllt sein müssen, will man verhindern, daß ganze Völker, ja sogar die ganze Menschheit, in den Abgrund stürzen.

Zunächst ein Ja zum Leben! Respekt vor dem Leben: Alles beginnt damit, denn das fundamentalste Menschenrecht ist wohl das Recht auf Leben. Abtreibung, Euthanasie oder Klonen von Menschen zum Beispiel bergen die Gefahr, den Menschen zum einfachen Objekt zu degradieren: sozusagen Leben und Tod auf Bestellung. Entkleidet man sie aller moralischer Forderungen, wird wissenschaftliche Forschung, die auf den Ursprung des Lebens zugreift, zur Verneinung von Sein und Würde des Menschen. Auch der Krieg ist an sich ein Angriff auf das Leben des Menschen, da er Leid und Tod mit sich bringt. Der Kampf für den Frieden ist immer ein Kampf für das Leben!

Die nächste Forderung lautet: Einhaltung des Rechts. Das Leben in der Gesellschaft - insbesondere in der internationalen - setzt gemeinsame, unangreifbare Prinzipien voraus, die das Ziel verfolgen, die Sicherheit und die Freiheit der Bürger und der Nationen zu gewährleisten. (...)

Bleibt die Pflicht zur Solidarität. In einer überinformierten Welt, in der paradoxerweise die Kommunikation so schwer fällt und die Lebensbedingungen so skandalös unterschiedlich sind, darf nichts vernachlässigt werden, was die Verantwortung aller für das Wohl aller stärkt. Da geht es um unsere Zukunft. (...)

Damit die Menschheit noch Zukunft hat, drängt sich folgendes auf: Die Völker der Erde und ihre Führung müssen den Mut aufbringen, nein zu sagen.

Nein zum Tod! Das heißt Nein zu allem, was die unvergleichliche Würde aller menschlichen Wesen, angefangen jener der ungeborenen Kinder verletzt. Wenn das Leben wirklich ein Schatz ist, muß man wissen, wie man es erhält und fruchtbar werden läßt, ohne es zu entarten. Nein zu allem, was die Familie, die grundlegende Zelle der Gesellschaft, schwächt. Nein zu allem, was im Kind den Sinn für Leistung, Selbstwertgefühl, für Respekt vor dem anderen, für das Dienen zerstört.

Nein zum Egoismus! Das heißt zu allem, was den Menschen dazu treibt, sich in die Nische einer privilegierten Schicht oder des kulturellen Wohlstands zurückzuziehen, von denen andere ausgeschlossen bleiben. (...)

Egoismus, das ist auch die Gleichgültigkeit der wohlhabenden gegenüber den Ländern, die den Anschluß verpaßt haben. Alle Völker haben Anspruch auf einen angemessenen Teil der Güter dieser Welt und des Know-hows der Leistungsstärksten. (...)

Nein zum Krieg! Er ist nie schicksalhaft. Er ist immer eine Niederlage für die Menschheit. Das Völkerrecht, der loyale Dialog, die Solidarität zwischen Staaten, der noble Dienst der Diplomatie sind die dem Menschen und den Nationen angemessenen Mitteln, Meinungsverschiedenheiten zu lösen. Ich sage dies mit Blick auf jene, die ihr Vertrauen noch immer auf Atomwaffen setzen und auf die viel zu zahlreichen Konflikte, die unsere Mitmenschen immer noch geißeln.

Auszug aus der Ansprache des Papstes an das Diplomatischen Korps am 13.1.03, übersetzt von CG.

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