VISION 20003/2009
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Kontinent der Hoffnung

Artikel drucken Rückblick auf die Papstreise nach Kamerun

Als Redakteur von alle welt hat Andreas Thonhauser die Papstreise in Kamerun miterlebt. Im folgenden einige Eindrücke kurz nach seiner Heimkehr:

Sie haben den Besuch von Papst Benedikt XVI. in Kamerun miterlebt. Wie waren Ihre Eindrücke?

Andreas Thonhauser: Der stärkste Eindruck war die Begeisterung der Menschen: die Herzlichkeit, die Offenheit, die Freude, mit der der Heilige Vater erwartet und empfangen worden ist. Entlang der Straßen, auf denen der Papst unterwegs war, feierten jubelnde, winkende Menschenmassen. Da wurde gesungen und getanzt. Die Menschen haben einfach ihre Freude geäußert, den Heiligen Vater bei sich zu haben.

Welche Botschaften des Papstes sind besonders gut aufgenommen worden?

Thonhauser: Zunächst die Botschaft an ganz Afrika: Ihr seid ein Kontinent der Hoffnung. Das hat eingeschlagen wie eine Bombe - auch bei Andersgläubigen. Man bedenke: Auch in Kamerun träumen wohl 90% der Jungen davon, Afrika hinter sich zu lassen, nach Europa auszuwandern. Und da kommt der Papst und sagt: Ihr seid Hoffnungsträger, Ihr seid Vorbilder für die Kirche, aber auch für die Welt. Diese Botschaft hat den Menschen unglaublichen Mut gemacht. Denn von der westlichen Welt kommt sonst stets nur das Signal: Ihr müßt euch ändern, weil alles so schlecht, so problematisch ist. Und da kommt jetzt ein Religionsoberhaupt, ja ein Staatsoberhaupt (das hat dort eine besondere Bedeutung), das anerkennende Worte findet.

Inwiefern sieht der Papst Afrika als Kontinent der Hoffnung an?

Thonhauser: Zunächst in der Fähigkeit der Afrikaner, sich auf das Wesentliche, den Glauben zu besinnen. Die Kirche wächst ja sehr stark in Afrika. Es handelt sich um einen Glauben, der vertieft, im täglichen Leben auch umgesetzt wird. Das ist ein Grund zur Hoffnung. Der katholische Glaube wird besonders von den Laien weitergegeben. Die Charismatische Erneuerung ist sehr stark. Viele Bewegungen bringen Bekehrungen und Priesterseminaristen hervor. Die Seminare dort sind überlaufen. In Yaoundé rechnet man damit, daß 120 bis 200 durchaus geeignete Anwärter für das Priesterseminar abgewiesen werden müssen - aus Mangel an finanziellen Mitteln. “Missio" arbeitet hier eng mit den Priesterseminaren zusammen, um entsprechende Kapazitäten zur Verfügung stellen zu können. Es findet ein großer geistlicher Aufbruch statt, der jetzt allerdings - und darauf hat der Papst deutlich hingewiesen - in die Gesellschaft übertragen werden muß. Denn Kamerun ist ein Land voller Probleme. Das größte ist die Korruption.

Hat sich der Papst denn zum Thema Korruption geäußert?

Thonhauser: Er hat weder in Angola noch in Kamerun jemanden direkt kritisiert, aber die Botschaft war klar - gleich zu Beginn, am Flugfeld, als er etwa sagte: Ein Christ kann unmöglich schweigen gegenüber Zuständen, die in den Ländern Afrikas Korruption, Armut, Krankheit hervorbringen.

Wie haben die Afrikaner die Berichterstattung in Europa über die Reise, Stichwort Kondome, aufgenommen?

Thonhauser: Ein afrikanischer Journalist erzählte mir, man sei allgemein enttäuscht, ja verärgert, daß Afrika immer mit diesem Thema identifiziert wird. Zunächst ist es dort ein Skandal, wenn man so offen über Sexualität und Aids redet - auch wenn das wohl notwendig ist. Daß aber die große Reise des Papstes in Europas Medien unter dem Motto Aids abgehandelt worden ist, hat großen Ärger erzeugt. Jemand hat mir gesagt: “Fährt der Papst nach Frankreich, fragt ihn niemand zu seiner Einstellung in Sachen Kondom. Dabei hat Frankreich auch ein Aids-Problem. Aber wenn es um uns geht, gilt die Gleichung Afrika = Aids." Keine Frage: Auf diesem Gebiet muß viel getan werden. Aber man muß in Erinnerung rufen: Den höchsten Anteil an Todesfällen gibt es bei Malaria...

Was haben Sie persönlich mitgenommen?

Thonhauser: Daß ein Leben aus dem Glauben der einzige wirkliche Weg zum Glück ist.

Das konnte man in Kamerun so gut miterleben?

Thonhauser: Die Menschen sind dort geprägt von einer tiefen, natürlichen, schönen Offenheit gegenüber dem Heiligen. Es war schön zu erleben, wie bereit die Leute waren, Zeit zu schenken. Mit großer Offenheit und Großherzigkeit wurde gebetet. Ich habe schon vier Tage vor dem Papstbesuch in einem Einkehrzentrum hinter der Basilika gewohnt. Gleich daneben gibt es eine Lourdes-Grotte. Und jeden Tag kamen Hunderte von Menschen, um dort - besonders für den Papstbesuch - zu beten, mit dem Rosenkranz in der Hand. Auch die Feier der Heiligen Messe: Ich habe am Sonntag in der Kathedrale um 6 Uhr 30 die erste Heilige Messe miterlebt, die erste von fünf. Die Kathedrale war zum Bersten gefüllt. 2000 bis 3000 Menschen gehen da hinein. Die Messe dauerte zwei Stunden und die Menschen feierten und sangen mit. Kaum war die Messe aus, strömten die nächsten Massen herbei. Es war berührend zu sehen, wie natürlich der Glaube mit dem Leben verwoben und ein zentrales Element zum persönlichen Glück ist. Trotz aller Probleme, Sorgen und Krankheiten wirken die Menschen in Afrika fröhlich, gelassen und glücklich.

Mag. Andreas Thonhauser ist Chefredakteur von “alle welt", der Zeitschrift der Päpstlichen Missionswerke in Österreich. Mit ihm sprach CG.

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