VISION 20002/2013
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Kämpfer für Kinder und Mütter

Artikel drucken Wolfgang Hering, von Gott berufen, sich in den Dienst des Lebensschutzes zu stellen (Von Alexa Gaspari)

Eigentlich ist es für eine Frau das Natürlichste der Welt: Sie verliebt sich in einen Mann, heiratet ihn, empfängt ein Kind und bringt es zur Welt. Und nicht zu vergessen: Sie freut sich riesig, dass sie schwanger ist. Heute scheint diese Freude nicht nur oft verloren gegangen zu sein, ja vielen Kindern wird sogar das Recht auf Leben abgesprochen. Man bedenke: Jede Stunde (!) werden mehr als 300 kleine Europäer durch Abtreibung getötet. Das wird geduldet, staatlich gefördert, als Recht der Frau und sogar – falls das Kind behindert sein könnte – als sinnvoll angesehen.
Viele haben heute Abtreibung einfach unreflektiert zur Kenntnis genommen. Wolfgang Hering jedoch ganz und gar nicht! Seine Anliegen seit 1999: Schutz von ungeborenen Kindern und Müttern in Not, auch jener, die abgetrieben haben und unter den schweren, seelischen Folgen der Abtreibung leiden. Ich hatte schon lange vorgehabt, ihn zu interviewen. Im letzten Herbst gelang es mir endlich beim internationalen Pro-Life-Kongress in Wien. Auf der Innenhofterrasse des Palais Niederösterreich erzählt mir der sympathische, gutaussehende Mann – er hat eine angenehme tiefe Stimme – aus seinem Leben und über seinen Weg zu und mit Jesus. Sein Gesicht verrät, dass er gerne lebt – und gerne lacht.
Am 4. August 1956 wird er als zweites von drei Kindern im Westerwald im Kreis Limburg geboren, in ein katholisches  Dorf inmitten eines evangelischen Umfeldes. „Die Gemeinschaft, die Kirchenfeste, die gegenseitige Hilfe und die lebensfrohe Mentalität dort waren großartig,“ erinnert er sich. Die Eltern pflegen ein traditionelles Christentum: Beten vor dem Essen, sonntags in die Kirche,  das Kreuzerl abends und vor der Schule. Als Wolfgang elf ist, zieht die Familie in den Stuttgarter Raum, in ein halb so großes Dorf –  absolute Diaspora. Bei Familie Hering verflacht der Glaube. „Als ich 15 war und mein 18-jähriger Bruder unter mysteriösen Umständen von einem Auto totgefahren wurde, ist es mit meinem Glauben ganz schlimm geworden,“ entsinnt sich Hering. Da er auch die kleine katholische Gemeinde nicht einladend findet, erklärt er mit 18 Gott für tot – und tritt aus der Kirche aus. Ein klares Nein!
„Das wäre mir heute bei manchen lauen Christen, die das Katholische nicht mittragen können – oder wollen – auch lieber. Es ist Gott gegenüber ehrlicher und unsere Kirche wäre gesünder,“ stellt er fest. Und fügt hinzu: „Der Vater, wie beim Gleichnis vom verlorenen Sohn, steht uns nicht im Weg, Er gibt uns alles mit.“ Dann hat der Sohn die Möglichkeit, zurück zu kommen, denn „der Vater hat Sehnsucht nach ihm und wartet. Und viele kommen wieder…“ Wie war das aber bei ihm?
18-jährig, Atheist, begeisterter und begabter Fußballer, beginnt er mit dem Bauingenieurstudium. Eines Tages gibt es auch eine Freundin, mit der er „nicht nur Händchen hält“. Weil er die Pille für ein gefährliches „Teufelszeug“ hält (erstaunlich für einen Atheisten), kommt es, dass zu Ostern (!)1980 – das Datum ist gesichert – ein Kind gezeugt wird. Am Heiligen Abend (!) beginnen bei der Freundin die Wehen und er begleitet sie ins Krankenhaus. Auch als die junge Mutter zwischendurch in der Nacht schläft, bleibt er bei ihr. Die Nacht zum 25. Dezember, die „stille, heilige Nacht“! Still ist es mittlerweile im Krankenhaus, aber warum „heilige“ Nacht? Weil er sieht,  wie sich das Kind im Bauch der schlafenden Mutter heftig bewegt und “da gingen plötzlich „mehrfach Schauer durch mich durch, wie warme Wellen, die mich durchfluteten. Danach wuss­te ich ganz sicher: Gott, Dich gibt es doch, denn das, was hier geschieht, ist ein Wunder, das unsere Vorstellungskraft weit übersteigt: Ein absolutes Schlüsselerlebnis“, bekräftigt mein Gegenüber froh. Dass der Herr ihn gerade durch seinen ungeborenen Sohn angesprochen hat, ist für ihn zum besonderen Zeichen geworden.
Sandor wird am 25. Dezember zu Mittag geboren. Das Paar bleibt unverheiratet, der Vater tritt auch nicht wieder in die Kirche ein, obwohl das Erlebnis im jungen Mann eine neue Dankbarkeit geweckt hat. Nach seinem Studienabschluss bleibt er ein Jahr bei seinem Sohn als Hausmann zu Hause. Die Mutter macht noch ein Praxisjahr. „Das gehört zur schönsten Zeit meines Lebens,“ erinnert er sich dankbar. Dass er sich jedoch zwei Jahre später von der Mutter seines Sohnes trennt, gehört allerdings zu den Dingen, die er am meisten bereut hat.  In der Folge  geht es in seinem Leben auch ziemlich berg­auf und bergab. Gott lässt ihn all die Zeit zwar nicht los, doch die Erkenntnis, „dass Jesus Christus mein persönlicher Erlöser ist, hat gefehlt“.
Eine 89-jährige Diakonie-Schwester, die einen Bibelkreis leitet, zu dem man ihn zu Ostern 1989 einlädt, ändert vieles. Tiefe Gespräche mit ihr führen ihn zur Lebensübergabe an Jesus Christus: „Jesus, Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben: Du bist mein Weg, meine Wahrheit, mein Leben, ich folge Dir nach, ich stelle Dir mein Leben zur Verfügung. Du kannst sicher mehr daraus machen als ich,“ sagt er dem Herrn damals. Sein Leben, sein Denken, seine Sicht auf die Welt und ihre Probleme verändern sich revolutionär. Vier Wochen lang bereitet er sich auf eine Lebensbeichte vor, entschuldigt sich bei allen, denen er Leid zugefügt hat. Gott soll ihm jetzt zeigen, was er mit seinem Leben anfangen soll: Weiter als Bauingenieur arbeiten, Fußballtrainer bleiben (er ist Spieler und diplomierter Trainer) – oder was?
„Nun habe ich dir mein Leben gegeben, was willst Du von mir?“ Mit seinen Fragen, die bei nächtlichen Spaziergängen – „die meinem Temperament entsprechend auch recht heftig werden konnten,“ wie er lachend gesteht– hofft er, Gott zu einer Antwort zu bewegen. Am 24. Jänner 1990, nach einer wunderbaren Gotteserfahrung weiß er klar, was er tun soll: Schütze das ungeborene Leben und Mütter in Not! Zunächst findet er nirgends eine geeignete Organisation.
Um seinen Glauben zu vertiefen, schließt er sich in den nächsten Jahren einem evangelischen Bibelkreis an, lebt eine Zeitlang in einem Haus für ehemalige Drogen- und Alkoholabhängige und ist beeindruckt von der Radikalität einer charismatisch geprägten Freikirche. Doch er merkt: Das ist nicht seine Kirche. Eine Wallfahrt nach Medjugorje bringt Klarheit: „Nach sechs Tagen,in denen ich eine atemberaubende Entwicklung mit einem Gotteserlebnis durchlief, war ich katholisch. Ich hatte alle noch offenen Fragen begriffen: Papstamt, persönliche Beichte, Priestertum, Zölibat und Marienverehrung“
„Ich kam zurück wie ein umgepflügter Acker und bin dann, logischerweise, 1996 wieder in die katholische Kirche eingetreten.“
Im Juni 1997 hört er zum ersten Mal einen Vortrag von Monsignore Reilly (Portrait. 4/98) dem Gründer der „Helpers of God’s Precious Infants“, die sich dem Schutz ungeborener Kinder und der Mütter in Not verschrieben haben: Sie beten vor Abtreibungsstätten, informieren, beraten und begleiten mit viel Liebe alle Beteiligten. Hering ist fasziniert von der Ausstrahlung und den Worten dieses heiligmäßigen Mannes. Aber noch fühlt er keine Berufung zu dem Werk. 1998 gibt er Wohnung und Arbeit auf und zieht nach Heroldsbach, zur Gebetsstätte, wo er bei Augustiner Chorherren mitlebt und um Wegweisung betet.
In dieser Zeit lädt man ihn – obwohl selbst kein Priester – nach Medjugorje zu Priesterexerzitien ein. Und dort ist einer der Vortragenden – Msgr. Reilly. Mit Tränen in den Augen spricht dieser zu den 300 Priestern von der barmherzigen Liebe Gottes für die Abtreibungsärzte, für die sie, die Priester, auch da sein müssen „Ich war ergriffen von der Liebe dieses Mannes. Was da verkündet wurde, war Evangelium pur. Nun war klar, wofür ich mein Leben geben will: für den Aufbau des Apostolats der ,Helpers,’ der ,Helfer für Gottes kostbare Kinder’ in Deutschland. Und Gott fügte: Das Ganze soll von Seiner Vorsehung abhängig sein.“
Um zunächst einmal die Vigil (mit Messe, Anbetung, Gebets­prozession zur Abtreibungsstätte) in München zu übernehmen, muss er auf das Ordnungsamt. Die zuständige Beamtin erzählt ihm, einem für sie völlig Fremden, von ihrer Schwangerschaft. Sie fürchte sich, ein zweites, möglicherweise krankes Kind (ihr erstes war exakt vor einem Jahr nach nur 4 Tagen gestorben) auszutragen. Hering bespricht dies besänftigend mit ihr und die Frau beruhigt sich zusehends. Zum Schluss verspricht er, für sie zu beten.
Wie die Sache ausging? Zuerst einmal schickte die Frau eine Karte aus dem Urlaub und später zeigt sie ihm auf dem Amt ein Ultraschallbild des Babys, das Monate später gesund zur Welt kommt. Für Hering ist diese Begebenheit eine Bekräftigung für sein künftiges Wirken. Eine Bestätigung, sich für das Werk einzusetzen, erhält er von Msgr. Reilly, als er diesen eine Woche lang in New York aufsucht. Nach genauer Begutachtung erklärt ihm der Priester am Christkönigssonntag: „You are my man, start the Helpers in Germany.“ Und der New Yorker Bischof Daily segnet ihn und sendet ihn für dieses Werk aus. „Das sei wichtig, hatte mir mein Beichtvater erklärt, wenn ich von der Vorsehung lebe. Und auch ein Schutz, denn so konnte ich auch in Deutschland sagen: Ich bin kein transzendenter Abenteurer, sondern ich habe den spirituellen Auftrag vom Apostolatsgründer, bin von seinem Bischof gesendet und gesegnet und kann das Werk folglich in der Vollmacht Jesu verwirklichen.“
Advent 1999: Der Trägerverein wird in Deutschland gegründet. Hering beginnt mit der Gehsteigberatung vor Deutschlands größter Abtreibungsklinik. Ein zweiter Helfer betet während dieser Zeit. Frauen mit oder ohne Begleitung, die auf die Klinik zusteuern, werden höflich und respektvoll angesprochen. Hering bietet ihnen Info-Material und Beratung an. Viel Feingefühl und Liebe zu den Frauen erfordert dieser verantwortungsvolle Einsatz und auch Mut, muss man doch mit Aggressionen verschiedenster Art – meist von Begleitpersonen, die die Kindstötung durchsetzen wollen – rechnen. Solche „Gehsteigberater“ haben meine größte Hochachtung!
Zurück nach München: Im Juni 2000 wird das Lebenszentrum gleich bei der Abtreibungsklinik eröffnet. Junge Leute schließen sich den Lebensschützern an. Die Vigilien in deutschen Städten nehmen rasant zu. Zu den Vigilien erklärt Hering: „Jesus will auch heute noch nach Golgotha gehen. Wir sind jetzt Sein sichtbarer Leib. Maria steht auch heute noch unter dem Kreuz. Darum geht ja immer das Bild der Muttergottes von Guadalupe (die den ungeborenen Jesus in ihrem Schoß trägt) vorweg.“
In München stand Hering wochentags schon knapp nach sieben Uhr früh auf dem Gehsteig vor der Klinik um, „die barmherzige Liebe Gottes auf die Straße zu bringen“. Dass es letztlich Gott ist, der rettet, bezeugt die Geschichte einer jungen Afrikanerin: Ihre Mutter möchte, dass sie das Kind abtreibt – kein Platz, kein Geld. Vor der Klinik von Hering angesprochen, kommt sie mit ins Lebenszentrum und weint heftig und lang. Danach fast ein Jahr kein Lebenszeichen. Eines Tages ruft sie an. Sie möchte Hering im Lebenszentrum treffen. Am vereinbarten Tag öffnet er die Türe zum Besucherraum – und da streckt ihm ein 5 Monate alter kleiner Bub, auf dem Schoß seiner Mutter, die Ärmchen entgegen und möchte unbedingt zu ihm. Angekuschelt an den großen Mann schläft er ein.
Die junge Frau erzählt: Die Mutter hatte sich weiter geweigert, sie aufzunehmen. Also neuer Abtreibungstermin. Aber als die Schwester mit der Narkosespritze kommt, schießt es der jungen Frau durch den Kopf: Gott will das nicht, Er und der Mann, der sie vor der Klinik angesprochen hat, werden helfen. „No, I don’t do it,“ erklärt sie der verblüfften Schwester und verlässt die Klinik. Ohne Hilfe zu suchen, bekommt sie das Kind im Bewusstsein, dass die Lebensschützer notfalls helfen würden. Ihren Sohn nennt sie dann „Godwin“ (Gott hat gewonnen). Und Wolfgang Hering  –„Papa“ nennt sie ihn – hat seit 10 Jahren ein besonders inniges Verhältnis zu Godwin. Ein anderes afrikanisches Kind trägt sogar den Namen Wolfgang und ist – wie etliche andere Kinder auch – sein Patenkind – übrigens nachzulesen auf: www.kostbare-kinder.de.
Hatte er je Zweifel an seiner Berufung? Nein. „Dazu muss ich sagen, dass ich eine Lebensbibelstelle habe: Lukas 10, wo es heißt: ,Gehet hin, ich sende euch…’ Ich wusste, der Herr will, dass ich verkündige. Es geht nicht darum, ob ich mich selbst zu klein, zu dick oder zu dumm empfinde, wenn ich einen Ruf bekomme. Ist der Ruf echt, muss ich mich nur fragen: Bin ich im Gehorsam bereit zu gehen, so wie Gott will? Ich bete ja im Vaterunser: Dein Wille geschehe und Dein Reich komme. Wenn Er sagt: Ich will, dass mein Reich durch dich kommt, denke ich natürlich, dazu bin ich ein paar Nummern zu klein, aber das weiß der Herr ja auch: ‚Meine Gnade ist mit dir. Ich weiß, dass du, Wolfgang, unfähig bist zu tun, was Ich von dir will, aber Ich helfe dir.’ Und wenn es heißt ‚Wer euch hört, hört mich’, frage ich mich, ob ich mit diesem Anspruch in Schulen, bei Vorträgen oder Missionsreisen ans Mikrofon treten darf. Doch die einzige Frage, die ich mir wirklich stellen muss, ist: Glaubst du, Wolfgang, dass der Herr das durch dich fertig bringen kann?“
Immer wieder erfährt er: Der Hl. Geist, der Geist der Wahrheit,  wirkt auch gerade in schweren Zeiten Erstaunliches. Und so führen ihn heute Einkehrtage, Missionsreisen, Beratunsseminare, Pro-Life-Kongresse bis Süd­amerika und Südafrika. Da so viel Desinformation und Vernebelung auf diesem Gebiet geschieht, ist es wichtig, dass er überallhin Klarheit bringt. Auch sein eigener Glaube und seine Liebe zur Kirche werden dabei gestärkt.
In Deutschland gibt es heute in 23 Städten Gebetsvigilien. An 36 Abtreibungsstätten wurde schon für den Lebensschutz gebetet. 13 der Abtreibungsstätten haben mittlerweile die Kindstötungen eingestellt!! Einer der Abtreibungsärzte hat die Praxis seinem Sohn überlassen,  der nunmehr ein engagierter Pro-Life-Arzt ist! „Dieser Familie ist wirklich Heil widerfahren,“ meint mein Gegenüber. Mit einem anderen Arzt hatte er nach einer Vigil eine Begegnung vor dessen Abtreibungsambulanz. Der Arzt erregt: „Muss das sein, was Sie da machen?“ Herings Antwort: „Ja es muss sein, wir wollen unsere kleinsten Brüder und Schwestern im Sterben nicht allein lassen. Für uns ist die Sterbebegleitung der Kinder ein Muss. Und ein weiteres Muss für uns ist das Gebet für Sie und Ihr Personal.“  
„Schimpfend ist er davon,“ erinnert sich Hering und lacht: „Gott segne Sie Herr Doktor, wir beten für Sie,“ habe ich ihm nachgerufen.“ „Ja, ja, ich bete auch für euch,“ schallt es zurück – und einige Monate später sperrt der Arzt seine Tagesklinik und lässt sich anderswo als Allgemeinmediziner nieder. Keine Abtreibungen mehr! Kaufbeuren sei dadurch zur abtreibungsfreien Stadt geworden, ebenso übrigens wie Ingolstadt, Traunstein und Augsburg. „Es trägt schon Früchte, auf Gott zu setzen,“ stellt Hering fest.
Entscheidend sei auch nicht die Masse, betont er: So ist er einmal an einem heißen Tag der einzige Teilnehmer bei einer Prozession und singt allein vor der Abtreibungsstätte. Hut ab! Er lächelt: „Die Welt erklärt einen dann für verrückt. In so einer Situation machen natürlich viele einen Rückzieher… Aber Gottes Gesetze funktionieren anders: Wo die Welt meint, wir seien verrückt, wirken wir vielleicht sehr segensreich. Jesus selbst, Paulus, Franziskus – alle sind auch für verrückt erklärt worden. Etwas im Namen Jesu zu tun, egal was die anderen denken, ist echte Freiheit. Für den Herrn und die Schwächsten unserer Gesellschaft öffentlich aufzutreten, ist für mich ein klarer christlicher Auftrag. Das sagen auch die Päpste. Und wir tun das, gelegen oder ungelegen.“
2007 gründet er gemeinsam mit anderen „Euro Pro Life“: international und ökumenisch. „Gott fordert uns dazu auf, auch mit den Geschwistern anderer Konfessionen in diesem Anliegen zu beten und den ungeborenen Kindern auf diese Weise eine Stimme zu geben. Bei „Euro Pro Life“ geht es darum, in europäischen Metropolen einmal im Jahr unter Polizeischutz einen Gebetszug mit „1000 Kreuzen für das Leben“ und eine Trauerzeremonie abzuhalten: Nach dem Ausrufen von Namen und dem Läuten einer Totenglocke werden Rosen in den Fluss geworfen – in Themse, Isar oder Salzach… Bei dem Gebetszug in London bat der anglikanische Dean der weltberühmten Westminster Abbey sogar darum, der Abschluss des Gebetszuges möge vor einem Mahnmal für Opfer von Gewalt und Unterdrückung stattfinden, das im normalerweise abgezäunten Bereich der Abbey steht.
 Klar, dass es – oft sehr aggressive – Gegenaktionen gibt. Mit Kampfansagen der „Mächten der Finsternis“ auf gesellschaftlicher, medialer und juristischer Ebene, wird er konfrontiert. Und dennoch machen immer mehr mit Kreuzen „bewaffnete“ junge Leute  mit.
Bisher wurde rund 1000 Frauen in München geholfen, ihre Kinder zu behalten. „Das ist wunderbar“. Viele werden weit über den Geburtstermin hinaus unterstützt und begleitet. Dazu noch ein Zeugnis: Nach Beratungen im Zentrum hatte eine Frau schon zwei Abtreibungstermine platzen lassen. Beim dritten Mal begleitet sie ihr Bruder. Hering spricht mit ihr. Knapp vor der Klinik schreit sie ihn an: „Lassen Sie mich in Ruhe, ich bin vergewaltigt worden!’ Hering ist betroffen: „Gegen die Schweinerei, die ihnen angetan wurde, kann ich nichts machen, aber als Mann bitte ich stellvertretend für den Täter: Bitte, verzeihen Sie.“ Sie ist total verblüfft und jegliche Aggression verpufft.
Hering bittet sie, sich noch eine wahre Begebenheit anzuhören: Eine Adoptivtochter möchte ihre leibliche Mutter kennenlernen. Zu dem Treffen begleitet sie ihr frisch angetrauter Mann. „Warum hast du mich weggegeben?“ fragt sie die Mutter, die weinend erzählt: „Ich bin vergewaltigt worden, wollte dich aber nicht töten lassen. Annehmen konnte ich dich aber auch nicht.“ Die Tochter erstarrt. Da umarmt ihr Mann die Mutter: „Danke Mama, dass du deine Tochter nicht abgetrieben hast, es ist wunderbar, dass es sie gibt!“
Die junge Frau hört sich die Geschichte an und verschwindet in der Klinik. Wolfgang ärgert sich über sich selbst: Waren es die falschen Worte? Doch da kommt sie wieder. Sie müsse noch warten. Ob sie ihm ihre Geschichte erzählen soll? Ein Afrikaner habe sie vergewaltigt. Die Eltern drängten zur Abtreibung: Ein schwarzes Baby kommt nicht ins Haus! Der Afrikaner droht, sie umzubringen, wenn sie ihm nicht das Kind gibt – seine Frau kann nämlich keine Kinder bekommen.  Was tun? Herings Stoßgebet: „Heiliger Geist hilf, ihr Herz anzusprechen!“ Ein Satz drängt sich ihm auf: „Wir sind bereit, den Kopf  für dich hinzuhalten, tu du das für dein Kind.“
Das ist es! Die junge Frau wird im Mutter-Kind-Heim untergebracht. Die Lebensschützer sorgen für sie. Noch vor der Geburt kommt es zur Versöhnung mit den  Eltern. Sie  kehrt nach Hause zu­rück. Das Kind soll zur Adoption freigegeben werden. Doch als die  kleine Nathalie ihr dann auf die Brust gelegt wird, ist klar: „Meine kleine Nathalie, wir haben so viel miteinander durchgemacht. Jetzt gebe ich dich nicht mehr her“.
Ich denke wir sind alle aufgerufen, jeder in seinem Bereich und auf seine Weise – auch mit Gebet, Fasten, Opfern – sich für das Lebensrecht der Allerkleinsten einzusetzen.

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