VISION 20002/2013
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Ein Jugendlicher schreibt an den Papst

Artikel drucken (Rudolf Gehrig)

Ich hielt es zunächst für einen Scherz, doch als die Meldung amtlich wurde, war ich sehr geschockt und hatte echt Tränen in den Augen. Das ist wirklich das Letzte gewesen, womit ich gerechnet hatte!
Wir haben uns schon ein paar Mal getroffen. Ich sah Sie in Köln, in München, in Madrid und in Berlin. Ich war immer sehr begeistert, dass und wie Sie unsere Kirche leiten.
Und ich habe mit Ihnen gelitten, wenn Sie in der Öffentlichkeit angegriffen, verleumdet und verhöhnt wurden, wenn Sie den Menschen helfen wollten und dafür massiv angefeindet wurden. Sie sind für mich der große Glaubensbruder, Sie sind Kapitän, Steuermann und Leichtmatrose zugleich, Sie der Kämpfer an vorderster Front. Ich wurde oft wegen meines PapstFan-Shirts verspottet oder von meinem Trainer zur Schnecke gemacht, weil ich ein wichtiges Fußballspiel für die Papstmesse in Berlin ausfallen ließ. Ich muss­te mich oft dafür rechtfertigen, dass ich dem „Großinquisitor aus Rom“ (so nennt man Sie bisweilen ... ) mehr glaubte als meinem Religionslehrer. Doch das sind alles nur kleine Banalitäten im Vergleich zu dem, was Sie ertragen mussten und müssen! Ich leide auch jetzt wieder mit Ihnen, wenn ich die ganzen Sondersendungen im Fernsehen sehe, die kein gutes Haar an Ihrer hervorragenden Arbeit im Weinberg Gottes lassen.
Ich finde es traurig, dass unser protestantischer Bundespräsident bessere Worte findet als viele unserer katholischen Theologen und gewisse Mitglieder des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Es tut mir wirklich leid, was für einen starken Gegenwind Sie gerade aus Ihrem Heimatland bekommen! Vielleicht bin ich ein Stück weit egoistisch, wenn ich Ihren Rücktritt laut beklage; wenn jemand den Ruhestand verdient hat, dann sind Sie es!
Dazu geistert seit ein paar Tagen eine Bezeichnung im Netz umher, die ich besonders treffend finde: Ab März werden Sie, der Heilige Vater, zu unserem Heiligen Großvater. Ich bin mir sicher, dass Sie auch in Ihrer neuen Rolle segensreich für die Kirche wirken werden und wünsche Ihnen von Herzen alles Gute dazu!
Auf Facebook haben sich schon viele Leute zusammengefunden, um für Ihren Nachfolger zu beten. Ich habe Verständnis für Ihren Rücktritt, aber trotzdem: Zu schade, dass man Sie dann nicht wiederwählen kann!

Der Autor ist 19, sein Beitrag ein Auszug aus seinem Artikel in Die Tagespost v. 16.2.13 in der Rubrik „Mein junger Glaube im Alltag“.

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