VISION 20002/2014
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Wie Familie gelingen kann – auch heute!

Artikel drucken Beim Jungfamilientreffen in Pöllau gesammelte Erfahrungen (Von Robert Schmalzbauer & Mitarbeitern)

Fragt man junge Leute, was in ihrem Leben wichtig ist, so landet Familie, stets an erster oder zweiter Stelle. Dann aber trauen sich viele nicht zu, selbst eine Familie zu gründen. Darum ist die Frage so wichtig: Wie gelingen Ehe und Familie? Dazu zehn wertvolle Erkenntnisse im folgenden Beitrag.
Familie ist kein Nebenschauplatz – hier passieren wesentliche Dinge. In der Familie werden die Weichen für die Entwicklung der Persönlichkeit gestellt. Nur in einer gesunden Familie reifen Personen heran, die selbständig denken und dem Zeitgeist widerstehen können. Doch ich kenne keine Familie, die nicht auch mit inneren Schwierigkeiten zu kämpfen hat. „Man muss kämpfen, bevor man Sieger wird!“ ruft uns die Heilige Thérèse von Lisieux zu. „Ich habe den guten Kampf gekämpft“ schreibt Paulus an Timotheus – aber was ist dieser gute Kampf?
Vergleichen wir unseren Kampf mit dem Aufstieg über eine Felswand. Da braucht es „Griffe“ zum Festhalten, sonst kommen wir nicht weiter, bleiben stecken oder stürzen im schlimmsten Fall sogar ab. Die Familie und ihre Mitglieder brauchen Halt – echte Hilfe muss erlebbar sein, überzeugend durch Zeugen. Das Jungfamilientreffen in Pöllau ist so eine Möglichkeit, dies zu erfahren. Die im Folgenden beschriebenen „Griffe“ sind Schlüsselerfahrungen, die sich in den letzten 12 Jahren Jungfamilientreffen verdichtet und bewährt haben. Es sind die „wichtigen Griffe“ die helfen, das Ziel zu erreichen.
Griff 1: Das Jungfamilientreffen zeigt uns die Schönheit der Kirche. Es stellt uns Christus vor Augen, der uns tief in Sich verwurzeln möchte. Da das Erdreich heute mehr und mehr unterspült wird, brauchen wir wirklich tiefe Wurzeln, die wir durch das Leben als Hauskirche und das Leben mit den Sakramenten bekommen. Wenn nicht der Herr die Mitte unseres Lebens ist, geht es nicht!
Griff 2: Müsste man das ganze Jungfamilientreffen mit einem einzigen Wort beschreiben, so wäre dieses Wort Barmherzigkeit. Am Freitagnachmittag der Pöllauwoche gibt es das „Fest der Barmherzigkeit“: Zuerst kommt der persönliche Schritt der Beichte, dann kann diese verzeihende Liebe Gottes im Ehegespräch ihre Wirkung entfalten – wir vergeben einander. Dies alles gipfelt in der Eheerneuerung, dem Höhepunkt des Treffens: Vor einem Priester wiederholen wir die Worte des Eheversprechens und werden gesegnet. Wie viel bedeuten uns doch diese Schritte! Wir bekommen vom Herrn die Kraft zur Treue und dürfen erleben, wie die Freude am Familie-Sein stetig zunimmt.
Griff 3: Wir wissen das selbst: Um als Familie wirklich gut zu leben, braucht es viel Zeit mit Gott, viel Gespräch im Ehepaar, real vorhandene Räume für die Kinder. Doch im Alltag, durch all die vielen Anforderungen, geht dieses Bewusstsein leicht verloren. Im Herzen des Schloss­parks von Pöllau steht das Anbetungszelt mit dem eucharistischen Herrn – ständig kommt man daran vorbei und kann ganz sanft und leise die Einladung Jesu spüren, bei Ihm zu verweilen.
Hat man diese Perle erst einmal entdeckt, so bekommt man die Kraft, seinem Leben eine neue Ordnung zu geben. Die Frage der „Prioritäten“ klärt sich im Gebet: zuerst Gott, dann der Ehepartner, dann die Kinder und dann der Beruf und der Rest!
Griff 4: Bei Exerzitien verlässt man im Normalfall den familiären Rahmen. In Pöllau aber verbringen wir die Zeit gemeinsam als Familie. Hier nehmen wir uns „ganz normal“ die Zeit für gemeinsames Gebet, die Hl. Messe, die Versöhnung, die Beichte oder das Paargespräch. Wir hören nicht nur Vorträge über Gott und sein Wirken, sondern wir können all dies sehr praktisch erproben und einüben.
Zum Beispiel das Mittagessen: Die Kinder sind hungrig, die Kleine weint, der Große muss aufs Klo – und ich bin dabei, die Nerven zu verlieren. Ein Blick hinüber zu Jesus im Anbetungszelt hilft. An Seiner Hand fällt es leichter, den inneren Frieden zu bewahren. Das Jungfamilientreffen ist für uns wie ein „Geistliches Trainingslager“.
Griff 5: Sich als ganze Familie mit Sack und Pack auf den Weg zu einer mehrtägigen Veranstaltung zu machen, ist auch anstrengend. Doch gerade darin liegt eine besondere Gnade. Mitten in den vielen schönen Momenten kommen wir in Situationen, die uns eigentlich überfordern. Aber wir sind nicht allein, denn auch die anderen Familien haben raunzige und müde Kinder. Sie kämpfen sich durch und schaffen es – oftmals sogar mit einem Lächeln. Davon motiviert probieren wir es auch, stellen uns beispielsweise in die lange Schlange zum Essen an. Vertrauen darauf, dass auch unsere Kinder aushalten, noch ein bisschen länger zu warten.
Und dann erleben wir, dass es geht. Oder ein anderes Beispiel: Als es in Pöllau einmal viel geregnet hatte, war alles nass und schmutzig. In jeder anderen Situation wären wir entweder im Quartier geblieben oder gleich heimgefahren. Doch die anderen Familien waren auch voll Freude dabei und so haben auch wir gelernt, damit fertig zu werden. Es ist eine kleine Abhärtung. So wächst man als Familie, lernt dazu, macht kleine Schritte und wird stärker. Es geht, Familie ist lebbar!
Griff 6: Ein ganz wichtiges Erlebnis war für uns das Gespräch mit anderen Ehepaaren. Nach den Vorträgen gibt es immer wieder Zeugnisgruppen, bei denen eine Familie von ihren Erfahrungen berichtet. Beim anschließenden Austausch hören wir, dass andere Familie ganz ähnliche Sorgen und Nöte haben wie wir. Auch andere Kinder haben Einschlafprobleme, sind eifersüchtig und streiten. Auch andere Eltern verlieren mal die Nerven. Auch andere Ehepaare finden nicht genügend Zeit für sich und die Kinder. Es klingt paradox, aber alleine das zu hören macht Mut … und neue Freunde haben wir dadurch auch schon gefunden.
Griff 7: Wir Familien stehen in der Gefahr, zu viel zu „tun“ – auch wenn es für das Reich Gottes ist. Wir müssen also neu lernen, als Familie zu „sein“. Genau das haben wir beim Jungfamilientreffen an anderen Familien entdeckt. Sie lehren uns einen Weg zu gehen, auf dem man wahr wird, sich wahrhaftig miteinander konfrontiert und so immer mehr in die Tiefe wächst. Man entdeckt den anderen dann viel mehr mit allem Reichtum, aber auch mit allen Wunden und Leiden. Es geht um einen stetigen Umkehrprozess – um ein Lieben, Leiden, Vergeben und Mitarbeiten mit der Gnade Gottes. So entsteht eine immer tiefere Einheit im Ehepaar und die ganze Familie wird zu einem realen Zeichen der Liebe Gottes, welches wirklich anregt und evangelisiert.
Griff 8: Jeder von uns spürt, dass in uns der neue Mensch steckt. Du weißt, dass in dir eine tiefe Sehnsucht nach größerer Liebe ist. Setze keine Grenze – bis hier her und jetzt ist es genug. Nein, liebe noch mehr. Dieser Kampf um mehr Liebe ist der wichtigste Kampf, er allein lohnt sich. Ab jetzt setze ich diesen Kampf um die größere Liebe an die erste Stelle. Am meisten kämpfe ich um die Liebe zwischen mir und meiner Frau bzw. meinem Mann und meinen Kindern. Viele sagen, dass sie ihrem Ehepartner zu wenig Priorität sind: Alles, vor allem die Arbeit, ist ihm wichtiger als ich. Das Zentrum des Lebens ist die Einheit mit Gott, mit dem Ehepartner und den Kindern!
Griff 9:  Ich darf seit kurzem Vater von fünf Kindern sein, und zumeist erfahren wir sehr positive Reaktionen. Dies kann sich aber schnell ändern, wenn Schwierigkeiten auftauchen oder Beschwerlichkeiten geäußert werden: „Selber schuld, so viele Kinder zu bekommen. Das braucht doch heute nicht mehr zu sein ...!“ In Pöllau beim Jungfamilientreffen erleben wir viele Eltern, die „Ja“ zum Leben sagen. Es geht um eine grundsätzliche Offenheit für Kinder. Das Beispiel so vieler anderer Familien hat uns für ein großherziges „Ja zum Leben“ geöffnet und wir staunen darüber, wie groß dieses von Gott angenommene Geschenk ist.
Griff 10:  Der Dienst an den jungen Familien bringt reichen Segen. Es ist letztlich ein Dienst an den Schwachen und Kleinen der Gesellschaft. Ohne es vorausgeahnt zu haben, sehen wir, dass ein Großteil der jetzigen Helfer die Kinder der ersten Jahre sind, denen einst im Kinderprogramm gedient wurde – die Generationen reichen sich die Hände. Auch wir im Team, die wir jetzt noch selber als junge Familien mitten drin sind, freuen uns auf die Zeit, in der wir unseren Kindern mit ihren Familien dienen werden. Für uns selbst ist ein wunderschöner Aspekt am Treffen, dass wir eine Woche lang mit so vielen lieben Leuten zusammen sein können. Wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen in Pöllau!


Der Artikel ist unter Mitwirkung von Teilnehmern der Treffen entstanden: Marietta Reinprecht, Stefan Lebesmühlbacher, Stefan Lackner, Michi Schmalzbauer.


Jungfamilientreffen 2014

Das Treffen steht heuer unter dem Motto: „Hoffe auf den Herrn und sei stark“.  Es referieren: P. Johannes Lechner fj, P. Luc Emmerich fj, P. Andreas Hasenburger, P. Jochen Maria Häusler, Andreas Schätzle, erfahrene Ehepaare…
Eingeladen sind Ehepaare jung an Jahren oder frisch verheiratet sowie Familien mit Kindern bis 13 Jahre (ältere Kinder können mitgenommen werden, es gibt für sie aber kein altersgemäßes Programm)
Zeit: 15. bis 20. Juli
Ort: Pöllau, Oststeiermark
Anmeldung&Info: Robert Schmalzbauer, Husarentempelgasse 4, A-2340 Mödling, Tel: 02236 304280,
0664 4212 875,
jungfamilien@aon.at, www.jungfamilientreffen.at

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