VISION 20004/2014
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Die verfolgten Christen: bedrängt, aber nicht erdrückt

Artikel drucken (Anna Bono)

Während sie in der Kirche am Sonntag beten, greift man sie an und bringt sie um, wie es in Nigeria und anderen Staaten geschieht. Wer nicht tödlich verletzt ist, schnappt seine Kinder und flüchtet, um total verschreckt daheim Zuflucht zu suchen: Und selbst dort ist er nicht sicher vor dem Wüten der Angreifer. Sie sind ja imstande, ganze Familien auszurotten, Häuser zu verwüsten und dem Erdboden gleichzumachen. Und dennoch kehren die Überlebenden am darauf folgenden Sonntag in die Kirche zurück, wo die Priester sie willkommen heißen, obgleich sie selbst mit dem Tod bedroht werden. Man profaniert, zerstört ihre Kirchen, brennt sie nieder – in Ägypten, Tansania, Kenia, Indien – und sie bauen sie wieder auf.
Wenn sie keine Baugenehmigung erhalten oder wenn ihre Kultstätten beschlagnahmt werden, wie in Indonesien, Sri Lanka, Indien, dann versammeln sie sich für die Messe unter einem Schutzdach und halten, wenn nötig, ihren Gottesdienst unter freiem Himmel ab. Umgeben von Sicherheitskräften, beschützt von Selbstverteidigungsgruppen, die jeden, der sich nähert, durchsuchen und die das Umfeld überwachen. So feiern sie die religiösen Feste selbst in den gefährlichsten Perioden: zu Weihnachten und Ostern, wenn Attentate, Gewalt und Einschüchterungen intensiver werden.
Außerdem verbietet man ihnen, wie in Malaysia, das Wort Gott zu verwenden – weil es in ihrer Sprache dasselbe Wort ist, das auch Muslime verwenden. Und so riskieren sie Gefängnis oder Tod, wenn sie ihre heiligen Bücher, in denen dieses Wort aufscheint und die die Fundamentalisten zerstören wollen, in Sicherheit bringen. Wo das Bekennen des Glaubens streng bestraft wird, wie etwa in Nordkorea, beten sie einzeln im Verborgenen oder in kleinen Gruppen, insgeheim in Häusern, die zu Kapellen umfunktioniert werden.
Vor allem aber: Durch nichts lassen sie sich von Werken der Barmherzigkeit, der Hilfeleistung abhalten, von Akten der Mitmenschlichkeit: Auch wenn man ihnen alles genommen hat oder sie enteignet, in die Flucht getrieben, verhaftet hat – sobald es ihnen nach tausend Hindernissen und Schwierigkeiten besser geht, sammeln sie von Neuem Geld- und Nahrungsmittel, Kleidung und andere Güter, die man verteilen kann und die sie nicht unbedingt brauchen. Sie organisieren Hilfs- und Rettungsdienste, richten Ausbildungsmöglichkeiten ein, unternehmen Kampagnen zur Sensibilisierung für die Achtung der Menschenrechte. Und sie tun dies für alle, für Gläubige und Ungläubige, ohne nach dem Geschlecht, der Rasse, der politischen oder der Glaubenszugehörigkeit zu unterscheiden.
So verhalten sich die Christen, die eine Minderheit darstellen in Ländern mit mehrheitlich anderer Religionszugehörigkeit oder in denen der Glaube verfolgt, die Gläubigen „Bedrängt, aber nicht erdrückt“ werden – so der Titel eines Buches, das im Verlag Lindau erschienen ist und in dem der Journalist Rodolfo Casadei von Glaubensverfolgungen berichtet.

Auszug aus La nuova bussola quotidiana  v. 3.3.14

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