VISION 20003/2015
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Den Schatz der Lehre entdeckt

Artikel drucken Was die Kirche zu Sexualität und Ehe zu sagen hat, gibt wegweisende Antworten auf die brennenden Fragen unserer Zeit (Kurt und Cecilia Stubenrauch)

Gerade im deutschsprachigen Raum ist das Wissen über die Schönheit der katholischen Se­xual- und Ehelehre minimal. Wie bereichernd die Vertiefung in diese Materie sein kann, zeigt das folgende Zeugnis.


Von 2010 bis 2012 haben wir die Familienakademie in St. Pölten besucht, die vom Referat für Ehe und Familie der Erzdiözese Salzburg durch die Initiative Christliche Familie angeboten wurde. Wir hatten schon viel Gutes über die Akademie gehört. Kurts Schwester und ihr Mann hatten den Kurs besucht und uns gesagt: „Schade, dass wir das alles nicht schon früher gewusst haben!“
Zu Anfang des Kurses war unser Sohn Johannes erst zwei Jahre alt und Laurence noch ein Baby. Es war eine sehr intensive Zeit: An den Kurswochenenden haben wir in den Pausen schnell die Kinder gewickelt, während der Vorträge versucht, sie leise zu beschäftigen. In den Nächten haben sie nie gut geschlafen. Die Haus­übungen zu erledigen war eine große Herausforderung, aber die Mühe hat sich gelohnt. Es stimmt, was Kurts Schwester uns sagte: Es ist einfach super, sich schon früh mit Fragen der Beziehung und Erziehung zu beschäftigen, um konkrete Hilfestellungen für den Alltag zu bekommen.
Die Stärke der Akademie liegt im anspruchsvollen Inhalt (insgesamt über 70 Vorträge!), in der Qualität der Referenten und – ganz wichtig – des Kinderprogramms. Das Herz des Kurses ist Familiaris Consortio, das Apostolische Schreiben von Papst Johannes Paul II. „Über die Aufgaben der christlichen Familie in der Welt von heute“. Den Text gemeinsam als Ehepaar zu lesen und die Kernaussagen herauszufiltern, war meistens die Hausaufgabe. Am folgenden Wochenende wurde den anderen die Zusammenfassung präsentiert. So haben wir den Text viel besser kennengelernt und tiefer verstanden, als wenn wir ihn nur gelesen hätten!
Jedes Wochenende hatte einen Schwerpunkt mit unterschiedlichem Inhalt: von philosophischen – die Würde des Menschen – über theologische – die Tugenden – und psychologische – die Entwicklung von Kindern – bis hin zu praktischen Themen – wie das Gespräch mit dem Ehepartner und das Glaubensleben in der Familie – spannte sich der Bogen.
Grundsätzlich ging es im ersten Jahr um die eigene Ehe und Familie und im zweiten um die Zurüs­tung, das Gelernte in der pastoralen Arbeit mit Ehepaaren weiterzugeben. Jedes Ehepaar erarbeitete einen Vortrag zu einem Thema, das mit Ehe und Familie zu tun hatte, um ihn dann vor einem ‚echten‘ fremden Publikum zu halten. Unseren Vortrag, den wir gemeinsam verfasst haben (unser Thema: „Den Ehealltag mit Gott leben“) haben wir schon mehrere Male gehalten. Durch geeignete Übungen, die durchaus herausfordernd waren, und durch das Zeugnis von Paaren, die selber in verschiedenen Bereichen der Ehepastoral tätig sind, wurden wir auf die Realität vorbereitet und ermutigt, es selber zu wagen.
Für uns war die Akademie eine vielseitige Vertiefung im Glauben und in unserer Beziehung. Wir haben viel gelernt und versucht, viel davon umzusetzen, besonders in der Erziehung. Wir sind beide seit der Kindheit bzw. Jugend gläubig, aber durch die Akademie haben wir erkannt, welch großer Schatz die Lehre der Kirche – besonders im Bereich Ehe und Familie – ist, und wie gut es tut, sie zu kennen.
Wir haben auch gemerkt, welch große Not es in vielen Familien gibt und wie wenig die Weisheit der Kirche bekannt ist, selbst innerhalb der Kirche. Daraus wuchs in uns der Wunsch, diese Schätze mit anderen zu teilen. Für Akademieabsolventen gibt es viele Möglichkeiten, sich in der Ehepastoral einzubringen: in der Ehevorbereitung, bei Themen­abenden zuhause oder in der Pfarre oder in Familiennachmittagen.
Wichtig ist, dass unser Tun ein Werk des Herrn ist, und nicht bloß ein Werk für den Herrn. Das bedeutet, dass wir im Gebet versuchen, wirklich auf Ihn hinzuhören, um zu erkennen, wo Er uns gerade braucht, statt unseren eigenen Willen durchzusetzen!
Über die zwei Jahre – mit 12 Wochenenden und zwei Sommerwochen – haben wir die anderen Paare der Akademie sehr gut kennengelernt, und es ist eine tiefe Gemeinschaft entstanden.
Es war sehr schön zu sehen, wie die Paare – die wirklich sehr verschieden sind, was Alter, Beruf, Herkunft, religiöse Prägung und Charakter betrifft – durch die Akademie aufgeblüht sind. Manche haben am Anfang über das Lesen von „trockenen“ kirchlichen Dokumenten gejammert, sich aber mit der Zeit vom Inhalt wirklich verwandeln lassen. Ein Paar hat sich mit dem Vortragen vor Publikum besonders schwer getan, ist aber genau jenes Paar, das seither am öftesten Vorträge gehalten hat.
Jeder konnte sich in der Gruppe ganz offen austauschen, und es war eine große Bereicherung zu hören, wie andere Paare mit Schwierigkeiten ringen oder sie überwunden haben. Für uns war es besonders schön zu sehen, wie sich die großen Kinder zu ganz lieben Jugendlichen entwickeln und ihren eigenen Weg im Glauben gehen. Sie sind ein Zeichen der Hoffnung für uns, die wir noch kleine Kinder haben, bei denen noch nicht so viele Früchte sichtbar sind.
Wir würden die Akademie jedem Ehepaar empfehlen, das bereit ist, den Glauben zu vertiefen und ein bisschen Mühe um des Herrn Willen auf sich zu nehmen!


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