VISION 20003/2015
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Ihr seid Salz, nicht Zucker der Erde!

Artikel drucken Aufruf zur Entschiedenheit

Je gottferner die Umwelt, umso eindeutiger und klarer muss die Entscheidung des Christen für ein Leben der Nachfolge Christi ausfallen. Dazu einige kurze Impulse:

Was ist die eigentliche Berufung des Christen?
P. Michel Gitton: Sich so zu verhalten, dass er für das Leuchten Christi durchlässig wird. Das setzt voraus, dass man Ihm das Herz öffnet und man sich von Ihm lenken lässt.

Was kann man dazu beitragen, dass man sein Herz auf diese Weise verändert? Und wie kann man heute als Christ leben?
P. Gitton: Ich habe es schon oft gesagt: Man muss drei Dinge tun – zunächst einmal beten. Klar, damit muss man beginnen. Dann gilt es, seinen Glauben kennenzulernen, ihn also zu vertiefen. Und schließlich soll dieser Glaube ausstrahlen: Das bedeutet Aufbruch zu den anderen hin, um sie Anteil haben zu lassen an dem, was man selbst geschenkt bekommen hat.

Wie soll man auf den Aufruf des Heiligen Vaters zur Neuevangelisierung antworten?
P. Gitton: Da gibt es zweifellos die unterschiedlichsten Möglichkeiten: Auf den Straßen verkünden, wie es unsere Gemeinschaft tut und andere auch; oder die Einladung zu Gebetsrunden, an religiösen Gesprächen oder Treffen teilzunehmen, sich einschlägige Radiosendungen anzuhören oder vieles andere mehr. Allerdings geht es darum, dem Glauben bzw. dem Unglauben der Angesprochenen Rechnung zu tragen. Dieser Unglauben ist ja durchaus nicht unabänderlich. Es gilt auch herauszufinden, was die Leute blockiert, damit sie trotz dieser Hindernisse erkennen können, was uns geschenkt worden ist. Im Allgemeinen wirkt da der Heilige Geist ganz gut.

Wie erkennt man, ob man einen Anruf zu einem Gott geweihten Leben hat?
P. Gitton: Wenn wir darüber reden, muss man zunächst klarstellen: Jesus ist nicht gekommen, um uns – wie man heute sagt – Werte zu vermitteln. Er will unsere ganze Existenz verändern. Und für einige bedeutet das, radikale Entscheidungen zu fällen. Dann kann man eben nicht mehr alles haben, sondern muss sein Leben entsprechend verändern. Das trifft übrigens nicht nur auf die Menschen zu, die sich für ein Gott geweihtes Leben entscheiden.
Für letztere bedeutet es aber: Dieser Weg wird Folgen in ihrem Fleisch haben durch die Keuschheit, in ihrer Brieftasche durch die Armut, in ihrem Unabhängigkeitsstreben durch den Gehorsam… Wie man das unterscheidet? Indem man eben die Bereitschaft weckt, sich Gott ganz hinzugeben, Ihm zu sagen: Mach mit mir, was Du willst, ich stell mich Dir zur Verfügung, bin bereit zum Totaleinsatz. Bei all dem schenkt Gott ausreichend Gnaden, um voranzuschreiten…

Muss der Christ die Lauheit zugunsten der Radikalität aufgeben?
Klar. Er wäre ja sonst der Zucker der Erde – und nicht ihr Salz!

Das Gespräch führte Alexandre Meyer. P. Michel gehört der Gemeinschaft Ain Karem an. Sie ist berufen, allen durch ein regelmäßiges Apostolat oder durch besondere Einsätze Christus zu verkünden. Niederschrift eines Video-Interviews auf:
www.ybe.com/watch?v=0N39U5X8cMA

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