VISION 20001/2019
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Über die Ursachen sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche Missbrauch

Artikel drucken (Christoph Hurnaus)

Das Jahr 2018 war für die katholische Kirche ein „Annus horribilis“ – ein schreckliches Jahr. Angesichts der ans Licht gekommenen schrecklichen Taten von katholischen Priestern an Kindern unterschiedlichsten Alters sprach Erzbischof Georg Gänswein sogar von einem „9/11 der Katholischen Kirche“.
In Missbrauch, ihrem jüngst veröffentlichten Buch untersucht die deutsche Publizistin Gabriele Kuby die Ursachen dieser Katastrophe. Ohne die einzelnen Missbrauchsfälle konkret aufzurollen, benennt die Autorin in ihrer stets nüchternen, klaren und unbestechlichen Art „Ross und Reiter“, die zu der Katastrophe geführt haben.
Sie spricht über die Strukturen der Sünde, nimmt Täter und Opfer in den Blick und verweist darauf, dass ohne echte Umkehr und Reinigung kein Neuanfang möglich ist. Der grassierende sexuelle Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche ist eine der Folgen der sexuellen Revolution.
Die Autorin weist darauf hin, dass die „Dekonstruktion“ der sittlichen Normen keine Grenzen der Vernunft oder der Natur kennen und die sogenannte Gender-Ideologie inzwischen die gesamte Gesellschaft durchsäuert hat.
Gabriele Kuby verweist in ihrem ausgezeichneten Aufsatz auf Statistiken, die zeigen, dass achtzig Prozent des sexuellen Missbrauchs, egal ob in den USA, in Chile, Belgien, Irland Deutschland oder anderswo innerhalb der katholischen Kirche von Priestern an Jungen unterschiedlichen Alters verübt werden. Spannend beschreibt Kuby wie es der Lesben- und Schwulen-Bewegung über Jahrzehnte gelungen ist, viele Entscheidungsträger in der katholischen Kirche für ihre Agenden zu gewinnen.
Obwohl der Katechismus der katholischen Kirche homo­sexuelle Handlungen nach wie vor als objektiv ungeordnet bezeichnet, gibt es inzwischen viele Stimmen innerhalb derselben Kirche, die gleichgeschlechtliche Paare nicht nur segnen, sondern die zivil geschlossene gleichgeschlechtliche Ehe auch als gültig anerkennen wollen.
Kardinal Gerhard Ludwig Müller schreibt in einem Vorwort zu dem Buch, dass es beim sexuellen Missbrauch in der Kirche nicht nur um Untaten einzelner psychisch schwer gestörter Personen geht, sondern um eine strukturelle Verweltlichung im Klerus, die blind macht für den moralischen Verfall, der aus einer Korruption der Glaubenslehre stammt: „Mitmachen, Abwiegeln, Herunterspielen, Warten auf bessere Zeiten und sophistische Unterscheidungen zwischen der unantastbaren Lehre und der pastoralen Anpassung an den Zeitgeist bis zum Verlust des unterscheidend Christlichen, helfen weder der Kirche noch der Welt aus dieser Krise, wo nur die Wahrheit wirklich befreiend wirken kann.“ Gabriele Kuby verweist auf die Bibelstelle Lukas (8,17), wo es heißt: „Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden wird, auch nichts geheim, was nicht bekannt werden und an den Tag kommen wird.“
Abschließend stellt die Autorin fest, dass die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche und das Ansehen des Petrusamtes nachhaltig beschädigt sind: „Eine Kirche, die sich in den entscheidenden Fragen der christlichen Anthropologie dem Zeitgeist anpasst und den Menschen nicht anleitet, den Weg zum ewigen Heil zu suchen und zu finden, braucht niemand mehr.“
Diesen Worten ist wohl wenig hinzuzufügen. Dieses äußerst lesenswerte Büchlein von Gabriele Kuby hilft dem Leser, besser zu verstehen, wie es zu dieser Katastrophe innerhalb der katholischen Kirche kommen konnte und zeigt zudem echte Wege der Umkehr und Heilung auf.

Missbrauch – Euer Herz lasse sich nicht verzagen, Fe-Medienverlag, Preis: EUR 6,20

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