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Der Spediteur Gottes

Artikel drucken Ein Leben zwischen Kloster und Welt (Dominik Hartig)

Das Aufblühen des Zisterzienserstifts Heiligenkreuz, in dem – ganz gegen den europäischen Trend – geistliche Berufungen völlig natürlich zu wachsen und zu gedeihen scheinen, fällt in die Amtszeit von Gregor Henckel Donnersmarck. Der Altabt, der heute in Wien wohnt, war vor seiner Mönchszeit erfolgreicher Manager bei der Speditionsfirma Schenker & Co.
Immer schon froh und überzeugt katholisch, lebte er aber schon im Büro in Barcelona bis zu einem gewissen Grad als „Spediteur Gottes“. Geschäfts­partner und Freunde lernten ihn als tiefgläubigen Menschen kennen, der ihnen in seinen gemütlichen Tiefgang-Gesprächen ungeahnte Horizonte eröffnete. Und so ist es kein Wunder, dass er mehrmals gefragt wurde, ob er nicht an eine geistliche Berufung denke. „Sicher nicht!“, war seine Antwort. Zunächst.
Denn eines Tages wusste er ganz genau, was er tun wollte. „Als ich noch Manager war, beschlich mich irgendwann das Gefühl, dass ich in religiöser Hinsicht nicht auf dem Niveau lebte, das ich mir gewünscht hätte. Lediglich die Sonntagsmesse zu besuchen, wenn es sich überhaupt ausging, war mir zu wenig. Ich wollte ein stärker religiös profiliertes Leben führen.
Entscheidend für meinen Entschluss war zum einen also eine Form von Defizit, ein – für meine Verhältnisse – Defizit an religiöser Praxis, das ich empfand, das gleichsam eine Lücke in mir aufgetan hatte. Zum anderen war es wiederum ein Überschuss, insofern nämlich, als ich bislang in meinem Leben offenbar immer schon so etwas wie eine Instanz für Glaubensfragen gewesen war.“
Ab 1976 konzentrierte sich Gregor Henckel Donnersmarck also – übrigens auch aus Liebe zum Papsttum – auf seine Berufung als „Spediteur Gottes“, die im Grunde genommen immer schon in ihm geschlummert hatte. Und diese Aufgabe, die ihm sichtlich Spaß und Freude bereitete und ihn nach wie vor mehr begeistert als alles andere, besteht im herzlich-herzhaften Bekennen des Glaubens.
 „Als Abt ist es mir stets ein Anliegen gewesen, das mit Abstand beste Produkt, das mir zeitlebens untergekommen ist, in die Welt hinauszutragen. Daran hat sich bis heute nichts geändert.“ Im Unterschied zu anderen Religionen verkünden wir Christen ja den Primat der Liebe – ist das nicht wunderbar?
Die von Maria-Christine Leitgeb aufgeschriebene Autobiographie des sympathischen Grafen und Kirchenmanns aus Kärnten, der auch gerne und ausführlich auf seine adeligen Wurzeln und Verwandte zu sprechen kommt, tut gut! Nüchtern und unaufgeregt skizziert Altabt Gregor nämlich einen guten Weg, wie jeder ganz konkret katholisch leben und zum Aufblühen der Kirche beitragen kann. Indem man sich nämlich nicht versteckt, mit der eigenen Freude und Überzeugung nicht immer hinterm Berg hält. Vor allem nicht dann, wenn es um heikle Themen geht wie Flüchtlingskrise, Islam oder Wirtschaft.
Herzlich, sachlich, klar – ein lesenswerter Motivationsschub!

Der Spediteur Gottes. Ein Leben zwischen Welt und Kloster. Von Georg Ulrich Henckel Donners­marck, Ueberreuter Wien 2018, 190 Seiten, 24,95 €.

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