VISION 20003/2020
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Ein Wendepunkt in meinem Leben

Artikel drucken Eine Schülerin entdeckt, wie wichtig der Lebensschutz ist (Laura Meyer)

Gott sei Dank gibt es sie, die jungen Leute, die sich für wesentliche Anliegen begeistern lassen. Im Folgenden erzählt eine junge Kärntnerin, wie sehr ihre Begegnung mit „Jugend für das Leben“ ihren Lebensweg beeinflusst hat.

Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich mit dem Thema Abtreibung nie wirklich beschäftigt, ja nicht einmal gewusst, was das ist. In meiner Schule (eine HTL, Fachrichtung Mechatronik) haben wir zwar Aufklärungsunterricht, aber Abtreibung wird kein einziges Mal erwähnt. Alles, was ich höre, sind peinliche Tipps zur Verwendung von Verhütungsmittel.
Silvester 2016 gehe ich nichts­ahnend zum Skiwochenende von „Jugend für das Leben“ in Zell am Ziller in Tirol. Dort lerne ich diese Jugendlichen kennen und habe eine geniale Zeit mit der Gruppe. Zum ersten Mal höre ich von Abtreibung – wie wird sie durchgeführt, wie schnell entwickelt sich das Baby, welche Folgen hat eine Abtreibung? Ich bin geschockt. Mir ist es peinlich, dass ich mit meinen 18 Jahren nichts über dieses Thema weiß.
Doch ab jetzt wird mein spärlich glimmender Docht durch die Gemeinschaft, intensive Vorträge und tiefe Freundschaften schleichend zum lodernden Herzensfeuer für den Lebensschutz. Dieses Silvesterwochenende ist ein Wendepunkt in meinem Leben.
Wieder Zuhause weiß ich: Ich will etwas tun. Ich spreche mit meinen Freunden über alles, was ich über Abtreibung erfahren habe. Ernüchtert stelle ich fest: keiner will mit mir über Abtreibung sprechen. Meine Freundinnen deuten an, dass sie anderer Meinung sind als ich. Meine Position ist klar: Bei jeder Abtreibung stirbt ein Mensch. Anfangs dachte ich noch: wenn ich meinen Freundinnen zeigen kann, dass das Kind ein Kind – also ein Mensch – ist, werden sie mich sofort verstehen. Meine Realität sieht anders aus. Jedes Mal, wenn ich mit einer Freundin über Abtreibung spreche, muss ich mich rechtfertigen. Oft kann ich gerade noch einen Streit vermeiden.
In meinem neugefundenen Eifer erzähle ich auch meiner Familie von Abtreibung. Vorher wurde das Thema nie erwähnt. Dass jede vierte Frau in Österreich abtreibt, hat mich tief erschüttert. Das bedeutet, dass ein Großteil aller Frauen betroffen ist. Vermutlich kenne ich sogar Frauen, die abgetrieben haben – nur weiß ich nichts davon. Von meiner eigenen Familie aber höre ich: „Aber jede Frau muss das selbst entscheiden und manchmal ist es einfach besser so.“ Wie?! Ich bin zutiefst geschockt.
Zu Silvester erfahre ich, dass es in Kärnten eine„ Jugend für das Leben “-Gruppe gibt. Im Jänner gehe ich einmal zu einem Treffen, will mich aber noch nicht ganz festlegen. Bin ich bereit, für das Leben aktiv zu werden?
 Im Februar 2017 fahre ich zur Generalversammlung von „Jugend für das Leben“ in Linz, will meine Freunde aus Tirol wiedersehen. Die Eindrücke bei der Generalversammlung geben mir den letzten Push – ich werde Mitglied bei „Jugend für das Leben“ und in der Kärntner Gruppe aktiv. Sie wird von Manuela Steiner geleitet.
Von jetzt an geht es Schlag auf Schlag. Zum Muttertag im Mai bin ich bei meinem ersten Infostand. Außerdem helfe ich beim 1. Marsch fürs Leben in Klagenfurt. Im Juni halte ich meinen ersten Schulvortrag. Die tiefen Freundschaften in unserer Gruppe lassen mich aktiver werden. Immer mehr Freizeit inves­tiere ich für den Lebensschutz.
Wir spezialisieren uns auf Schuleinsätze. Das ist das Wirksamste! Kein Infostand, kein Marsch keine Petition ist so wertvoll wie ein einziger Schul­einsatz: Ich habe 20-30 junge Leute in meinem Alter vor mir, eineinhalb Stunden Zeit und kann (meist) top vorbereitet über mein Herzensanliegen sprechen. Und das wirkt! In Feedbackbögen bewerten die Schüler nach dem Vortrag: Zwei Drittel sind „gegen Abtreibung“. Unsere Gruppe alleine erreicht jedes Jahr 500 Schüler in Kärnten!
Der Vortrag zeigt mir auch immer wieder, dass vor allem Basiswissen einfach fehlt. In jeder Klasse frage ich gleich zu Beginn: „Wann beginnt menschliches Leben?“ Kaum ein Schüler antwortet richtig. Dabei wissen wir es ganz genau: menschliches Leben beginnt bei der Empfängnis. Jeder von uns ist Mensch von Anfang an!
Im Oktober 2019 übernehme ich die Gruppenleitung. Wir sind 15 junge, aktive, hoch motivierte Leute. Trotzdem stehen wir immer wieder vor neuen Herausforderungen. Bei Schulvorträgen zum Beispiel: Wir setzen jedes Jahr alles daran, in viele Schulen gehen zu können, machen Werbung, rufen bekannte Lehrer an und bitten immer um eine Empfehlung bei Kollegen. Und wir wollen auch als Gruppe so viele Schüler wie möglich erreichen. Doch dann gilt es, alle Terminanfragen zu koordinieren und für jeden Termin Referenten aus der Gruppe zu suchen und Material zu bestellen.
Als Gruppenleiterin bin plötzlich ich für die Organisation zuständig. Ich kann ehrlich sagen, manchmal fühle ich mich überfordert. Doch ich kann mich auf „meine Leute“ verlassen. Für einen Schulvortrag nehmen wir Urlaub, versäumen Vorlesungen an der Uni und (wenn wir noch unter 18 sind) werden in der Schule entschuldigt. Warum? Weil jeder Schuleinsatz mehr eine Abtreibung weniger bedeuten kann!  
2019 startet „Jugend für das Leben“ das Projekt ProLife Europe. Das Ziel: auch außerhalb von Österreich Pro-Life-Jugendgruppen zu gründen, nach dem Vorbild von Gruppen wie unserer in Kärnten.
Die wenigen Jahre bei Jugend für das Leben haben mich so sehr geprägt, dass ich mein ganzes Leben für die ungeborenen Kinder aktiv sein werde! Meine Gruppe bietet mir Rückhalt und Unterstützung. Durch ProLife Europe bin ich mit Gleichgesinnten in ganz Europa verbunden. Gemeinsam arbeiten wir für unser Ziel: Abtreibung in unserer Lebenszeit abzuschaffen! Und alles begann vor vier Jahren mit einem nichtsahnenden Silvesterwochenende in Tirol…“

Die Autorin ist 21 Jahre alt und leitet die ProLife Europe Gruppe „Kärntna fürs Leben“. Weitere Infos und Kontaktmöglichkeiten siehe Beilage.


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