VISION 20004/2020
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Teilerfolg für Lebensschutz

Artikel drucken Internationaler Kampf um Abtreibung auch in der Corona-Krise (Andreas Thonhauser)

Sie dienten dem Schutz des Lebens – so rechtfertigt man oft die weltweiten Maßnahmen im Kampf gegen Corona auf inter­nationaler Ebene. Obwohl unse­re Medien seit Monaten über kaum etwas anderes als COVID-19 zu berichten wussten, las man doch recht wenig über die internationale Ebene. Welche Strategien etwa setzt die Welt­gesundheitsorganisation (WHO) ein, um der Corona-Plage welt­weit Herr zu werden? Den Schutz des Lebens hat sie dabei nur bedingt im Fokus. Ganz im Gegenteil.


Die WHO ist jener Arm der Vereinten Nationen, der für die Gesundheit der Weltbevölkerung verantwortlich zeichnet und mit der internationalen Bekämpfung des Corona-Virus betraut wurde. Sie verfügt über ein Jahresbudget von knapp vier Milliarden Euro. Im Rahmen der aktuellen Gesundheitskrise sollte das ausgeweitet werden. Allerdings drohte ihr im April der mit Abstand größte Nettozahler wegzubrechen: Präsident Donald Trump hatte getwittert, dass man die Beziehung mit der WHO „terminieren“ möchte. Mittlerweile ist geklärt: Die USA verlassen 2021 die WHO, die somit 15,5% ihres Jahresbudgets verlieren wird.
Die Aufregung war groß. Medien, Politiker und Menschenrechtsorganisationen kritisierten Trump auf das Schärfste. Vor allem, weil ja der Kampf gegen COVID-19 ins Haus stand. Die Unzufriedenheit mit der WHO seitens der USA ist aber kein neues Phänomen. Immer wieder übte das Weiße Haus in den letzten Jahren scharfe Kritik an der Organisation. Sie sei ineffizient und handle mitunter ideologisch.
Was genau damit gemeint ist, wird durch ein aktuelles Höchstgerichtsurteil in den USA deutlich. Die staatliche Entwicklungshilfe USAID hatte ihre finanzielle Unterstützung an Organisationen eingestellt, die Abtreibung in Entwicklungsländern fördern. Daraufhin reichte die von George Soros gegründete „Open Society Foundation International“ Klage ein und wollte USAID per Gerichtsentscheid dazu zwingen, diese Zahlungen wieder aufzunehmen. Das Urteil wies die Klage jedoch ab.
Es ist deshalb so brisant, weil USAID erst kürzlich die Vereinten Nationen öffentlich aufforderte, die Corona-Pandemie nicht für die Bewerbung von Abtreibung zu instrumentalisieren. Da die aktuelle US-Administration für den Lebensschutz steht, hat sie laut Höchstrichtern auch das Recht, Hilfsgüter so zu verteilen, das dieses Interesse gewahrt bleibt.
Das Urteil ist ein echter Erfolg für den Schutz des Lebens. Es erlaubt dem größten Nettozahler der Vereinten Nationen, weiterhin Pro-Life-Positionen auch in finanziellen Entscheidungen zu vertreten. Das verändert das Kräfteverhältnis in der internationalen Politik gehörig: Eine gute Nachricht für alle Staaten, die wirtschaftlich schwach und gesellschaftspolitisch für den Schutz des Lebens eingestellt sind. Zu dieser Gruppe gehören die meisten afrikanischen und lateinamerikanischen Länder.
Nehmen wir Ecuador: In diesem armen lateinamerikanischen Staat wütet der Corona-Virus mit ungebrochener Härte. Die WHO reagierte mit einem umfassenden Maßnahmen-Katalog. Allerdings verlangte sie darin indirekt auch die Abänderung geltenden Rechts. Abtreibung ist nämlich nur in Ausnahmefällen erlaubt. Und obwohl der Sprecher der Vereinten Nationen auf Anfrage von USAID versicherte, dass man immer nationale Gesetze respektiere, verlangte die WHO den uneingeschränkten Zugang zu Abtreibung.
Genau hier liegt die Gefahr. Ein Viertel der Bevölkerung Ecuadors lebt unter der Armutsgrenze. Die Zahl an Corona-Infektionen und -Toten steigt rapide. Man ist auf Hilfe von außen angewiesen, will man eine Überflutung der wenigen Spitäler vermeiden.
Ein ähnliches Vorgehen finden wir im Jemen. Auch hier kommt der zwei Milliarden schwere Hilfsplan der WHO gegen Corona zum Tragen. Gemeinsam mit dem Bevölkerungsfond der Vereinten Nationen, soll die sogenannte reproduktive Gesundheit im Land garantiert werden.  Das ist Neusprech für Abtreibung.
In Europa ist es weniger die WHO, sondern die Regierungen selbst nehmen die Krise als Vorwand, um Abtreibungszugänge zu erleichtern. In Großbritannien erlaubte man aufgrund von COVID-19 sogenannte „Telemedizinische Abtreibungen“. Betroffene, egal welchen Alters, können einen Arzt per Videoanruf kontaktieren und erhalten dann die entsprechenden Medikamente. Lebensschutzexperten fürchten, dass diese Maßnahmen auch nach Corona bleiben werden.
Das sind nur einige Beispiele, die zeigen, wie weltweite Gesundheitskrisen für ideologisch geprägte Politik missbraucht werden. Es braucht ein stärkeres Bekenntnis zur Bedeutung des Rechts auf Leben am Parkett internationaler Politik. Ansonsten drohen gerade die Schwächsten unserer Gesellschaft, nämlich die Ungeborenen, unter die Räder einer globalen Geldmaschinerie zu kommen.

Der Autor leitet die Öffentlichkeitsarbeit für ADF International, einer christlichen Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Wien, die für Leben, Familie und Freiheit an internationalen Organisationen eintritt.

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