VISION 20004/2020
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Zeitgeschehen

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30 Jahre Kindesmiss­brauch in Berlin
Es klingt, als stamme es aus einem Horrorkrimi, und es war über 30 Jahre bittere Wirklichkeit in Berlin: das sogenannte Kentler-Experiment. Der umstrittene Sexualwissenschaftler Helmut Kentler, gegen den es nie irgendein Verfahren gab,  hat in den 70-er Jahren Kinder und Jugendliche ganz bewusst an pädophile Pflegeväter vermittelt. Er war der festen Überzeugung, dass „sexuelle Kontakte zwischen Kindern und Erwachsenen nicht schädlich sind“. So wurden Findelkinder und Straßenkinder aus Westberlin in die Obhut meist alleinstehender Pflegeväter gegeben, die oft  wegen sexuellen Miss­brauchs vorbestraft waren. Nach außen schienen den beteiligten Jugend­ämtern die Probleme gelöst: Die Kinder lebten nicht auf der Straße, mussten nicht in Heime und die Pädophilen wurden nicht wieder straffällig, weil sie ihre Pflegekinder mit behördlicher Duldung in den eigenen vier Wänden miss­brauchten.
FAZ v. 16.6.20
Kindesmissbrauch hat weiterhin Hochkonjunktur im Internet und im Alltag. Nur wird darüber kaum berichtet: „Deutschland, Großbritannien, Belgien: In den letzten Monaten gab es hunderte Verhaftungen wegen Übergriffen auf Kinder. Die Presse verschweigt das jedoch oder widmet dem nur ein paar Zeilen,“ liest man in www.lanuovabq.it.

Eine weitere Form des Kindesmissbrauchs ist die „Kinderproduktion“ durch Leihmutterschaft. Die Corona-Zeit hat dies das deutlich aufgezeigt:

Babys: bestellt und nicht abgeholt
Es ist ein äußerst sensibler Bereich, auf den die Coronakrise hier ein grelles Licht geworfen hat: Leihmutterschaft, also das Geschäft mit dem Wunsch nach einem leiblichen Kind von Paaren, denen das auf natürlichem Weg verwehrt ist.· 70 Neugeborene erleben derzeit ihre ersten Lebenstage und Wochen in einem Hotel in einem Randbezirk von Kiew. Babys, die von ukrainischen Frauen ausgetragen und zur Welt gebracht wurden, von ihren „Kauf-“ oder „Wunscheltern“ wegen Reisebeschränkungen aber nicht oder nur mit Verzögerung abgeholt werden konnten. In einem Video, das um die Welt ging, sind nur jene Babys zu sehen, die über die Firma BioTexCom zur Welt kamen. Viele weitere sind mit Babysitterinnen in Wohnungen untergebracht. Mehr als tausend sollen es bis Ende Juni insgesamt werden, so eine Schätzung. Denn der Markt ist groß.
Die Furche v. 28.5.20

Impfungen mit Zellen abgetriebener Kinder
Zum Thema Impfung mehren sich die kritischen Stimmen, auch weil Zellen abgetriebener Kinder zur Herstellung von Impfstoffen verwendet werden. Dazu im Folgenden eine Klarstellung:
 
Was ist an der Behauptung dran, dass manche Impfstoffe unter Verwendung von Zellen hergestellt werden, die von abgetriebenen Kindern stammen?
Bei einigen Impfstoffen trifft dies tatsächlich zu. Da sich Viren nur in lebenden Zellen vermehren, werden bei der klassischen Impfstoffproduktion abgeschwächte Aktiv-Impfstoffe in solchen vermehrt. Als Wirtszellen kommen dabei überwiegend Hefezellen, bebrütete Hühnereier oder Affennierenzellen zum Einsatz. Bei einigen Impfstoffen werden die Viren jedoch auch oder sogar ausschließlich in humanen fetalen Zellen hergestellt, die von abgetriebenen Kindern stammen. Dazu zählen die in Europa erhältlichen Aktiv-Impfstoffe für Hepatitis A, Röteln und Windpocken. Für Aktiv-Impfstoffe gegen Windpocken gilt das sogar weltweit. Japanische Wissenschaftler haben vor einigen Jahren alternative Aktiv-Impfstoffe für Hepatitis A und Röteln entwickelt, die ohne die Verwendung humaner Fetalzellen auskommen.
Warum sind diese Alternativen in Deutschland nicht erhältlich?
Die ethisch unbedenklichen Alternativen dürfen in Deutschland nicht eingeführt werden, weil das deutsche Arzneimittelgesetz den Import von Arzneimitteln aus dem Ausland verbietet, wenn sich „hinsichtlich des Wirkstoffes identische und hinsichtlich der Wirkstärke vergleichbare Fertig­arzneimittel in Deutschland auf dem Markt befinden“.
Hat sich die katholische Kirche zu diesem Problemgeäußert?
Ja. In der 2008 erschienenen Instruktion Dignitas personae der Kongregation für die Glaubenslehre „über einige Fragen der Bioethik“ wird der „Verwendung von menschlichem ,biologischen Material‘ unerlaubten Ursprungs“ sogar ein ganzes Kapitel gewidmet. Darin erinnert die Glaubenskongregation unter Berufung auf die Enzyklika Evangelium vitae Johannes Pauls II. daran, „dass die sittliche Bewertung der Abtreibung auch auf die neueren Formen des Eingriffs auf menschliche Embryonen angewandt werden muss, die unvermeidlich mit der Tötung des Embryos verbunden sind, auch wenn sie Zwecken dienen, die an sich erlaubt sind. (…) Die Verwendung von Embryonen oder Föten als Versuchsobjekt stellt ein Verbrechen dar gegen ihre Würde als menschliche Geschöpfe…“
Stefan Rheder in Die Tagespost v. 22.5.20

Frankreich beschließt neue Form von Zensur
Jetzt wurde also die „loi Avia“ beschlossen. Offiziell heißt es,  das Gesetz diene dem zivilisierten Umgang in den sozialen Medien, indem es den dort geäußerten Hass bekämpft. Es wird jedenfalls, wie mehrere Leute feststellten, eine Kultur der Denunziation begünstigen, indem jeder seinen Nächsten überwacht. Es ist eine Einladung an den aufgeklärten Bürger, sich Züge des eifrigen Anklägers anzueignen. Militante Gruppierungen werden durch Anzeigen das Sagen haben und damit ihre ideologischen Abneigungen in Verbote umwandeln. Die sozialen Netzwerke müssen dann potentiell problematische Inhalte im voraus zensurieren, um nicht zu sehr hohen Geldstrafen verurteilt zu werden. (…) Die Kritik an der „loi Avia“ wäre jedoch unvollständig, wenn sie nicht den ideologischen Kern des Gesetzes, den Anspruch, gegen den „Hass“ zu kämpfen, anspricht: Unter dieser Flagge wird deutlich erkennbar versucht, politisch abweichende Meinungen zu verbieten. (…) Man kennt die Sprachregelung. Wer die massive Immigration kritisiert, wird des Rassismus beschuldigt. Wer etwas an der Multikultur auszusetzen hat, wird wegen Fremdenfeindlichkeit angeklagt und wer auf die Probleme der Integration von Muslimen im Westen hinweist, wird der Islamophobie bezichtigt werden. Wer gegen die Gender-Theorie opponiert, wird der Transphobie verdächtigt werden. Und so weiter…
Le Figaro v. 16.5.20
Ähnliche Bemühungen gibt es mittlerweile in vielen Ländern. Die Einschränkung der Grundfreiheiten – hier der freien Meinungsäußerung – ist Anlass zu größter Sorge und Ausdruck einer Ideologie, die keinen Widerspruch duldet:

Reine Ideologie
Bemerkenswert an der Transgender-Debatte ist, dass etwas, das so dem Hausverstand widerspricht und philosophisch so unhaltbare Positionen vertritt, heutzutage nicht einmal mehr zur Diskussion steht. Die Neinsager werden einfach als Ignoranten oder als Frömmler oder als beides nicht ernst genommen. (…) Der Hass in den sozialen Medien, der jedem entgegenschlägt, der wagt, das Konzept in Frage zu stellen, macht das deutlich. Der Wutausbruch, den J.K. Rowling (die Autorin von Harry Potter hatte erklärt, Männer, die sich als Frauen fühlen, seien dennoch keine Frauen, Anm.) auslöste, ist das jüngste Beispiel dafür. (…) Hinter all dem steht die äußerst fragwürdige Tatsache, dass man die Gender-Theorie als Sozialwissenschaft verkauft. Sozialwissenschaft, wie sie sich im Werk von Judith Butler und deren Epigonen darstellt, ist tatsächlich um nichts wissenschaftlicher als der wissenschaftliche Sozialismus von Marx. Hier wie bei Marx hat es denselben Zweck: Es vermittelt den Schein der Objektivität und eröffnet eine offensiv vorgetragene Weltsicht, um allen abweichenden Wortmeldungen ihre Berechtigung abzuerkennen. Sie erlaubt es nicht, ihre Hypothesen infrage zu stellen – ja allein schon der Gedanke einer Infragestellung sei Zeichen dafür, dass jemand gottverlassen reaktionär sei. Lass dich jedoch nicht irreführen: Hier haben wir es einfach mit einer Ideologie zu tun, die sich das Feigenblatt der wissenschaftlichen Rhetorik vorhält.
First Things v. 15.6.20

Ein verbrieftes Recht der Frau
In einer auf den 8. Mai, den 75. Jahrestag des Weltkriegsendes, datierten Stellungnahme des Bundeskanzleramtes heißt es wörtlich: „Gleicher Zugang zu den Leistungen des Gesundheitswesens setzt voraus, dass in jedem Bundesland in allen öffentlichen Schwerpunktkrankenhäusern die Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruches gegeben ist. Die Entscheidungsfreiheit der Frauen, ein gesetzlich verbrieftes Recht in Anspruch zu nehmen, muss unabhängig vom Wohnort gewährleistet sein.“ Die Stellung­nahme des Bundeskanzleramtes, die Martin Sonntag „für die Bundesministerin für Frauen und Integration“, Susanne Raab (ÖVP), ausfertigte, bekräftigt, dass es in Österreich keine bundesweiten Statistiken zur Abtreibung gibt, „weil die Kosten lediglich bei medizinisch begründeten Abbrüchen von den Krankenkassen getragen werden“. Anonym würden Abtreibungen stattfinden, „um weiteren Druck auf Frauen zu vermeiden“. Wörtlich: „Die Selbstbestimmung der Frau über ihren Körper ist dabei ein wesentlicher Faktor.“
Die Tagespost v. 22.5.20
Abtreibung ist kein „gesetzlich verbrieftes Recht“. Eine Partei, die solche Behauptungen aufstellt, ist für Christen unwählbar. Erfreulicherweise gibt es in Europa Anzeichen für eine Kurskorrektur in Sachen Abtreibung und Gender-Mainstreaming:

Osteuropa für Familie und Lebensschutz
Die neue konservativ-katholische Regierung der Slowakei wird die Anträge zugunsten des Mutterschutzes positiv behandeln. Sie sieht auch neue Grenzen für die Abtreibung vor. (…) Das angestrebte Ziel (…) sei „eine Slowakei ohne Abtreibungen und mit diesem Gesetzesentwurf wollen wir alle sozialen und wirtschaftlichen Ursachen, die Frauen in unserem Land zur Abtreibung nötigen, beseitigen,“ so die Worte von Anna Zaborska, die den Entwurf im Namen der interfraktionellen Gruppierung „Vereinte Christen“ präsentierte. Vor allem geht es um finanzielle Hilfe. (…) Außer dieser finanziellen Hilfe setzen die neuen Regelungen statistische Untersuchungen der „Motive für die Abtreibung“ durch.
Außerdem gibt es den Vorschlag, die Bedenkzeit vor Abtreibung von 48 auf 96 Stunden zu verlängern, um Frauen mehr Zeit einzuräumen, andere Optionen und unterschiedliche Infos über Alternativen zur Abtreibung in Erwägung zu ziehen. (…)
Während Bratislava entschieden erste Schritte in Richtung Leben und Mutterschaft setzt, wurde in Bukarest, in Rumänien zunächst (…) ein neues Gesetz beschlossen für die nicht verpflichtende Teilnahme am Unterricht im Fach „Gesundheitserziehung“, das die Gender-Ideologie nicht umfasst (…).Am vergangenen 16. Juni wurde sogar ein absolutes Verbot des Unterrichts von Gender-Ideologie in Oberstufenklassen und an der Universität beschlossen. Den internen und internationalen Polemiken hielt der Initiator des Gesetzes, der Senator Vasile Cristian Lungu entgegen: „Die Gender-Studien sind kein freier Diskurs über Ideen, sondern eine Formlinker politischer Indoktrination, einer ideologisch geprägten politischen Theorie (neo-marxistischer Inspiration).“ Die von Liberal-Konservativen und Sozialisten getragene Aktion beschränkt sich nicht nur darauf, sondern hat in den letzten Monaten auch eine Verdoppelung der wirtschaftlichen Unterstützung für Geburten erbracht: 123 Euro im Monat für jedes Kind im Alter von 0 bis 18 Jahren.
La Nuova Bussola Quotidiana v. 26.6.20
Solche Maßnahmen erleichtern es, den Kindern das zu bieten, was sie zum Menschsein brauchen:

Liebe, Liebe, –  und nochmals Liebe
Laut dem Kinder- und Jugend­psychiater Werner Leixnering ist die „Resilienz“, also die Verfügbarkeit von Abwehrkraft in schwierigen Situationen des Lebens, einem Heranwachsenden nicht einfach „eingegeben“ oder vererbt. Vielmehr würden Wissenschaftler davon ausgehen, dass sich diese in frühester Kindheit entwickelt – und gefördert werden müsse. (…)
Ob ein Kind an einer kritischen Erfahrung zerbricht oder fähig ist, sie zu meistern, ist demnach abhängig von seiner psychischen Abwehrkraft. In diesem Zusammenhang scheint vor allem eine intakte Bindung zu einer oder mehreren Bezugspersonen ausschlaggebend zu sein. Stichwort Urvertrauen. ,.Es macht den Unterschied, ob jemand resilient ist oder nicht. Das ist wie bei einem Haus. Ein Gebäude braucht ein stabiles Fundament, das allen Widrigkeiten standhält. Selbst wenn der obere Teil wegbricht, gibt es eine Basis, auf der man aufbauen kann,“ sagt Kinder- und Jugend­psychiater Karl Heinz Brisch. So könne man seiner Meinung nach einem Kind nie zu viel Liebe und Halt geben. (…)
Hängt die Widerstandsfähigkeit eines Menschen ausschließlich mit seiner Sozialisation zusammen? Nicht alles spricht dafür. So zeigt die neuseeländische Studie Die tausend Kinder von Dunedin, dass der Serotonin-Spiegel bei Menschen mit geringer Resilienz bei deren Geburt niedrig war. „Es gibt neurobiologische Voraussetzungen für innere Stabilität. Das zeigt diese Untersuchung auf,“ klärt Reinhard Kreissl, Chef vom Wiener Zentrum für sozialwissenschaftliche Sicherheitsforschung. Allerdings wäre diese „Erblast“ noch lange kein Garant für lebenslange Instabilität. „Liebe, Liebe, Liebe. Die ersten drei Lebensjahre sind entscheidend.“
Die Furche v. 10.6.20

Für kindergerechte Sexualerziehung
Die von der Plattform Christdemokratie unterstütze Bürgerinitiative #kindergerecht geht auf die persönlichen Erfahrungen der Initiatorin Mag. Suha Dejmek mit der Sexualpädagogik an österreichischen Schulen zurück. Auf ihrer Website (https://kin
dergerecht.at) informiert die Initiative über die aktuelle Situation in der Sexualpädagogik und stellt unter anderem fest, dass der diesbezügliche Erlass des Bildungsministeriums Sexualpäda­gogik schon ab dem Schuleintritt vorsieht…
Es wird darüber hinaus aufgezeigt, dass unter dem Prädikat „wertfrei“ eine frühe Sexualisierung der Kinder stattfindet, die unter anderem oftmals über ihre intimsten Sexvorlieben in Gruppen sprechen sollen und dass es Gang und Gäbe sei, dass den Eltern im sensiblen Bereich der Sexualerziehung ihre Verantwortung „abgenommen“ wird. Genau dieser Tendenz aber soll entgegen gewirkt werden.  (…)
IEF Newsletter v. 25.6.20


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