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Abendland – Die Geschichte einer Sehnsucht

Artikel drucken Paul Baddes neues Buch (Christian Dick)

Aus seiner langjährigen Tätigkeit für die Tageszeitung Die Welt hat der Historiker und Journalist Paul Badde für sein Buch „Abendland – Die Geschichte einer Sehnsucht“ geschöpft, das kürzlich erschienen ist. Paul Badde hat dieses Thema schon seit Ende der 1980er Jahre bewegt, als Michael Gorbatschow in seinem Buch „Perestroika“ den Begriff vom „Haus Europa“ geprägt hat. Seither hat es ihn nicht mehr losgelassen.

So hatte er in den 1990er Jahren die Idee, Zeit und Geschichte einmal räumlich in einem einzigen großen Gebäude darzustellen. Basierend auf seinen Reisen auf den Spuren der Geschichte des katholischen Glaubens in Europa und seinen Reportagen erschien 1999 sein Buch „Die Himmlische Stadt“. In diesem Buch, das er damals schon gerne „Abendland“ genannt hätte, stellte der Autor die fast zweitausendjährige Geschichte des Abendlandes in fünfzig Schlüsselszenen dar. Um diesem Buch allerdings den Titel „Abendland“ zu geben, war es damals noch nicht an der Zeit. Nunmehr hat er sein damaliges Werk grundlegend aktualisiert und um aktuelle Kapitel ergänzt.
Das vorliegende Buch ist lesenswert, weil der Leser sehr gut nachempfinden kann, wie das Herz des Autors für die Kirche Christi brennt. Mit großer Leidenschaft und Akribie macht er in seinem Buch eine „tour d’horizon“ vom alten Jerusalem im Jahr 433, über Rom und über Konstantinopel und schlägt dann einen Bogen in Städte Ost- und Westeuropas in den 1980er und 1990er Jahren und geht schließlich bis in die aktuelle Zeit.
Das Buch ist fesselnd geschrieben. Sobald man es in die Hand nimmt, lässt es einen nicht mehr los. Dem Leser erschließt sich, dass Badde, der ein außerordentlich fundierter Experte ist, gleichzeitig auch mit seinen sehr treffenden Worten die historische Entwicklung des Abendlands sehr gut zu illustrieren vermag.
Seine Definition von Abendland lautet wie folgt: „Das Abendland ist kein Land. Es ist eine Geschichte. Man kann sie sich auch als einen geistlichen Kontinent durch die Zeiten vorstellen, der sich auf die Ewigkeit hinstreckte.“
Das Abendland war also niemals nur ein kleiner Erdteil im Westen der eurasischen Landmasse, wo die Sonne am Abend untergeht. Seele und Ferment des Abendlands war aber viele Jahrhunderte, das kann man drehen und wenden, wie man will, vor allem die römisch-katholische Kirche und die Schlüsselgewalt, die schon sehr früh die Päpste als Nachfolger des Apostels Petrus und Stellvertreter Christi für sich beanspruchten.
Das ist eine Tatsache. Daran können auch die verschiedenen Spaltungen dieser Kirche  nichts ändern und auch nicht die schlimmen Missbräuche, die in den letzten Jahren bekannt wurden, oder die Tatsache, dass Europas Katholiken wie Protestanten inzwischen der Kirche Christi in Scharen den Rücken zukehren und ihren alten Glauben aufgeben. Die römische Kirche ist älter als alle Nationalstaaten Europas zusammengenommen.“
Und weiter: „Es gibt drei Hügel, von denen das Abendland seinen Ausgang genommen hat: Golgatha, die Akropolis in Athen, das Capitol in Rom. Aus allen ist das Abendland geistig gewirkt, und man darf alle drei, man muß sie als Einheit sehen.“ Dies stellte der deutsche Bundes­präsident Theodor Heuss im Jahre 1956 fest.
Papst Benedikt XVI. nahm in seiner Ansprache vor dem Deutschen Bundestag im September 2011 auf eben dieses Bild Bezug und führte aus: „Die Kultur Europas ist aus der Begegnung von Jerusalem, Athen und Rom – aus der Begegnung zwischen dem Gottesglauben Israels, der philosophischen Vernunft der Griechen und dem Rechtsdenken Roms entstanden.“
Der fünfte Teil heißt „Zeitenwende“. In ihm schlägt der Autor einen Bogen bis ins Jahr 2020.

Abendland – Die Geschichte einer Sehnsucht. Von Paul Badde. 464 Seiten, 17,80 €

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