VISION 20004/1999
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Ich hörte den Ruf - und sagte: "Ja!"

Artikel drucken Zeugnis einer Priesterberufung (Ernst Strachwitz)

Ernst, Du bist seit einigen Jahren Priester. Wann ist Dir zum ersten Mal der Gedanke dazu gekommen?

Ernst Strachwitz: Bei einem der Schuleinkehrtage - ich war damals ungefähr 15 - drängte sich mir plötzlich der Gedanke auf: Ich soll Priester werden. Das war ein Horror. Ich war damals Ministrant und einige Jahre als Hilfssakristan eingeteilt. Letzteres hat mir zwar sehr gefallen, aber der Gedanke, Priester zu werden, gefiel mir gar nicht. Ich war froh, daß der Gedanke bald wieder verblaßte.

Nach der Matura hast Du erfolgreich Jus studiert, warst in einer Bank tätig, dann zur Schauspielausbildung im Reinhardt-Seminar, um 12 Jahre als Schauspieler zu wirken. Dem Glauben standest Du damals eher fern. Wie kommt es, daß Du dennoch Priester wurdest?

Strachwitz: Ich habe in all den Jahren eher in den Tag hineingelebt, gearbeitet, aber nicht wirklich Karriere gemacht und hatte dann mit 38 Jahren so eine Art Lebenskrise. Mein Glaube war damals so etwas wie der Glaube des "Herrn Karl": "Ich glaube an ein höheres Wesen, an eine Macht, die uns leitet" - ohne Auswirkung auf mein Leben. Damals begann ich, wieder zu beten. Seit der Schulzeit hatte ich es nicht mehr getan. Nur selten, hin und wieder zu den großen Feiertagen, war ich in der Kirche.

1987 war es dann soweit. Ich begleitete zwei Tanten nach Medjugorje. Am Anfang war ich unsäglich gelangweilt und genervt. Es hat mich nicht interessiert... Doch am Ende der drei Tage wollte ich nicht mehr wegfahren. So wohl habe ich mich an diesem Ort gefühlt. 14 Tage später nach ein paar Drehtagen für einen Film kam ich nochmals nach Medjugorje, dieses Mal allein. An einem der Tage - ich war gerade in der Kirche - schießt es mir plötzlich durch den Kopf: "Priester werden!" Eine unmittelbare und unmißverständliche Erfahrung. Ich zweifelte nicht, es war ganz klar und ich konnte sofort: "Ja!" sagen.

Du warst Dir also mit einem Schlag Deiner Berufung sicher?

In diesem Moment der Berufung habe ich gewußt, daß ich Priester werden soll. Ich kann nicht einmal sagen, daß ich Priester werden wollte. Ich kann sagen: Ich habe den Ruf gespürt - und ich habe Ja gesagt. Danach wollte ich auch Priester werden, aber nicht weil ich dachte, daß Priestersein so schön ist, oder weil ich meinte, dafür besonders gut geeignet zu sein oder weil ich die Menschen so lieb habe oder weil ich es so toll finde, irgendwo Pfarrer zu werden.

All das waren nicht meine Wünsche. Da war nur die Erfahrung des Rufs. Im Grunde weiß ich nicht, was daraus wird. Deswegen habe ich für mein Primizbild das Wort aus der Schrift gewählt: "Maria sagte: Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, wie Du gesagt hast." (Lk 1,38)

Genau das war ja meine Erfahrung: Den Ruf hören und Ja sagen, ohne zu wissen, was weiter geschieht.

Das Gespräch führten A+CG

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