VISION 20005/1999
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Meine Geschichte mit dem heiligen Josef

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Meine Geschichte mit dem heiligen Josef will ich ganz von Anfang an berichten: Ich bin vaterlos, wie so viele Kinder, aufgewachsen. Mein Vater zog es vor, im Ausland zu leben, zuerst in Südamerika und dann nach kurzem Aufenthalt bei mir und meiner Mutter, in Nordamerika. So war ich immer allein mit meiner Mutter und mit meiner sehr geliebten Großmutter.

Ohne Vater zu leben, ist als Kleinkind sehr leicht, doch als heranwachsende Jugendliche war es für mich bald sehr schwer. Wer sollte mit mir die Mathe-Aufgaben machen? Mir die Physik erklären, die andere spielend im Unterricht verstanden? Einen Hauslehrer konnte sich meine Mutter nicht leisten.

So ein richtiges Familienleben, Vater, Mutter, Kind, nahm bald mein ganzes Denken ein und ich begann, mich richtig danach zu sehnen. Nicht nach einem Liebhaber wohlverstanden, sondern nach einem fürsorglichen und liebevollen, immer gleich da seienden Vater. Es war eine fixe Idee und sie war sicher in dieser Altersstufe angebracht. Es geht ja vielen Kindern in dieser Zeit ähnlich, glaube ich.

So begann meine Vatersuche. Da ich aus einer Gott sei Dank gläubigen Familie komme, war es für mich in der Kirche immer schön, an den himmlischen Vater zu denken, der für uns alle sorgt und alle Menschen gleich liebt. Doch ich suchte etwas Handfestes.

Meine Großmutter war sehr gläubig und betete immer den Rosenkranz. Sie erzählte mir die Geschichten vom hl. Josef und vom hl. Judas Thaddäus, vom hl. Antonius von Padua, vor dem sie große Ehrfurcht hatte, da sie an seinem Ehrentag, dem 13. Juni, geboren war. Doch zurück zum hl. Josef: Ich wußte, daß jedes erstgeborene männliche Kind in der Familie meiner Mutter Josef getauft worden ist. Seit Jahrhunderten war dies so Brauch bei diesen braven Leuten, die aus dem Böhmerwald stammten. Josef war also immer der Erste in der Familie. Für mich war diese Erkenntnis damals neu, denn als Kind hat man andere Dinge als Ahnenforschung im Hinterkopf.

Doch der himmlische Vater hat immer sehr viel Zeit, Vorbereitungen für etwas zu treffen. So entdeckte ich plötzlich und ohne mein Zutun den hl. Josef als mein Vorbild, mein Väterchen, das ich bald sehr innig zu lieben begann.

Er war es ja, der Jesus, den Sohn Gottes, auf dieser Erde beschützt und ernährt hat. Er war der Verwalter Gottes auf Erden und wird der Gerechte genannt. Er, der hl. Josef, war wirklich kein ängstlicher, alter Mann, sondern ein mutiger, entschlossener, der in allem dem Willen seines Gottes, unseres himmlischen Vaters gehorchte. Dieser heiligmäßig lebende Mann hörte dem Engel zu, führte sofort aus, was dieser ihm sagte. Diesen Menschen nahm ich mir als Vater.

Ja, ich habe ihn einfach adoptiert! Wieso sollte ich das nicht machen? Ein Kind suchte einen Vater und nimmt den besten, den es bekommen konnte.

Die Geschichte mit ihm und all die Erfahrungen, die ich daraufhin mit dem besten aller Väter erlebte, kann ich hier nicht erzählen. Es wäre zu lang. Doch eines darf ich sagen: Wer sich dem hl. Josef anvertraut und ihn aufrichtig liebt, ihm gehorcht und ihm - dem menschlichen Vorbild für die väterliche Liebe Gottes - nacheifert, der darf, so wie ich, glücklich sein, endlich jemanden gefunden zu haben, der ihn nie im Stich läßt.

Der hl. Josef fängt einen immer auf! In jeder Situation findet er einen Ausweg, eine Lösung, eine Erklärung. Wer sich Ihm, dem himmlischen Vater, anvertraut und ihn, den hl. Josef, um Hilfe anruft, geht niemals zugrunde und nicht in die Irre. Denn der hl. Josef wacht über Dir und bittet bei Gott für Dich. Er ist weiterhin der Verwalter der gottsuchenden Menschen auf Erden. Ihm kann Gott keine Bitte abschlagen, wenn sie zum Wohle des Menschen ist.

Ihn hat Gott als Pflegevater für seinen Sohn Jesus erwählt. Zu ihm, das darf man wohl annehmen, hat Jesus "Vater, Abba", gesagt. Bei ihm hat Jesus dieses Wort gelernt und Jesus - so steht es in der Schrift - war Maria und Josef untertan...

Die gläubige Hinwendung zum hl. Josef, der in der Herrlichkeit Gottes im Himmel lebt, die gläubige Verbundenheit mit ihm ist das wirksamste Mittel zum Glück für jeden, der in inneren Nöten ist. Er lehrt die Innerlichkeit. Er ist der Lehrer für die Hinwendung zum Vater im Himmel, der uns alle liebt!

Josef sagt uns in Kummer und Nöten die richtigen Worte und tröstet uns auf seine Art, wie nur er es kann. Dieser "Gerechte", wie es in der Bibel heißt, ist immer da, wo "Not am Mann" ist. Er hilft überall und jederzeit. Auch bei echt schwierig aussehenden Situationen.

E.P.

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