VISION 20006/1999
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Anweisung für einen Unterteufel

Artikel drucken Ein Klassiker wurde neu aufgelegt (Wolfram Schrems)

Aus der Überzeugung, daß das Böse schon grundsätzlich besiegt ist, läßt es sich auch souverän über den Versucher witzeln. Denn "der Teufel, der hochmütige Geist, kann es nicht ertragen, verhöhnt zu werden". Die "Dienstanweisung für einen Unterteufel", ein Klassiker der spirituellen Literatur des 20. Jahrhunderts, eignet sich hervorragend als kleine Aufmerksamkeit zum Weihnachtsfest. Oder als Geschenk für sich selbst.

Als geistliches Meisterwerk besitzen "The Screwtape Letters" (so der Originaltitel) drei wesentliche Merkmale: Sie sind immer aktuell, weil das wirklich aktuelle überzeitlich ist, sie sind dem Leser unmittelbar einsichtig, sodaß er im Grunde erkennt, daß das Geschriebene wahr ist, und sie sind jedes Jahr aufs neue lesbar ohne die Gefahr, langweilig zu werden. Die Anweisungen des höllischen Unterstaatssekretärs Screwtape an seinen Neffen Wormwood in Sachen Verführungstaktik erschließen tiefe Blicke in die menschliche Seele und zählen zur empfohlenen Lektüre in der einen oder anderen Ordensgemeinschaft. Es macht den Charme und den Reiz des Buches aus, daß Lewis aus einer fundamentalen Gelöstheit heraus, also im Geist des weltüberwindenden, christlichen Humors, an die Sache herangehen kann.

Im folgenden einige Illustrationen dazu. "Wenigstens können die Menschen davon überzeugt werden, daß die körperliche Haltung für ihr Beten gleichgültig sei, denn sie vergessen stets, was Dir jedoch nie entgehen darf, daß sie Tiere sind und daß alles, was ihr Körper tut, auch ihre Seele beeinflußt." Eine andere zentrale Einsicht über das geistliche Leben kann vermutlich jeder Spiritual in dieser oder ähnlicher Form bestätigen: "Um diese Lage, das völlige Bloßwerden der Seele im Gebet, zu verhindern, wirst Du eine große Hilfe finden in der Tatsache, daß die Menschen selbst dies nicht so sehr wünschen, wie sie glauben. Es kann nämlich vorkommen, daß man mehr erhält, als man gewünscht hat."

Eine theologische Schlüsselstelle des ganzen Buches ist der XXIII. Brief, in dem der Amateurtheologe Lewis einen beachtlichen Teil der Berufstheologenzunft auf die Schaufel nimmt. Die entsprechenden Ausführungen des Oberteufels Screwtape über den "historischen Jesus und seine Verfälschungen" vermitteln ein Aha-Erlebnis, das auch dem Rezensenten nicht allzuoft zuteil geworden ist. Den Abschluß bildet eine unerfreuliche Aussicht - unerfreulich für die Hölle, tröstlich, ja herrlich für die Menschen guten Willens. Wie gesagt, die Hölle ist schon überwunden, der Christ kann und darf gelöst aufleben. Dieser Sieg gibt Hoffnung.

Wolfram Schrems

Dienstanweisung an einen Unterteufel, C.S. Lewis, Preis: öS 181.-

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