VISION 20001/2006
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Das soll ein Dialog sein?

Artikel drucken Gedanken anläßlich einer Dialogkonferenz zum Thema Islam

In den letzten Jahren häufen sich “Dialogkonferenzen" zum Thema Islam: Repräsentanten islamischer Länder und Organisationen stellen ihre Sicht der Dinge dar. Was ist von solchen Konferenzen zu halten? Dazu ein Erfahrungsbericht mit Kommentar.

Vor drei Jahren nahm ich an einer von der Internationalen Akademie für Philosophie im Fürstentum Liechtenstein verantworteten Dialogkonferenz teil. Diese stand unter dem Motto “Dialog der Zivilisationen". Hauptgast war die ISESCO (Islamic Educational Scientific and Cultural Organisation, Marokko). Welche Dinge waren besonders auffällig? Dazu ein paar Beobachtungen:

Zum einen - es war das Offenkundigste - hat die christliche Position völlig gefehlt. Bei “Dialogkonferenzen" wird das christliche Selbstverständnis praktisch nie artikuliert. Man hört nicht, daß Jesus der Sohn Gottes ist, daß nur in ihm Frieden und Heil zu finden ist, daß die Zugehörigkeit zur Kirche grundsätzlich (aber nicht ausnahmslos) heilsnotwendig ist u. dgl. Somit ist eine derartige Zusammenkunft schon kein “Dialog" mehr. (Im übrigen fand die Konferenz, wie dem Banner in arabischer Sprache zu entnehmen war, ohnehin im Namen Allahs statt.)

Zweitens wirkte an besagter Konferenz im Schlepptau der Muslime auch ein ägyptischer Christ mit. Dieser hat aber keineswegs das christliche Selbstverständnis vertreten, sondern liberale und humanistische Ideen. So war er eher ein (im Westen gern gesehener) Alibi-Christ, der islamische “Toleranz" erweisen sollte.

Drittens wurden in den Vorträgen Frieden, Toleranz und Brüderlichkeit beschworen. Die Gäste ließen jedoch Literatur zurück, die offen ausspricht, was ihre wirklichen Ziele sind: In einer Publikation der ISESCO über die islamische Erklärung der Menschenrechte findet sich der Passus, daß sich die Menschenrechte selbstverständlich unter Einschränkung der Scharia verstehen. In einer anderen Publikation über den interreligiösen Dialog wird am Ende eingestanden, daß das Ziel des Dialogs natürlich die “Einladung zum Islam" (da'wa) und der Übertritt ist.

Kritik am Islam als solchem, sei es an der Lehre, der Praxis oder der Politik, wird, viertens und letztens, bei Konferenzen nicht geäußert. Westliche Politiker und Intellektuelle erlegen sich lieber Selbstzensur auf, als daß sie das Evidente aussprechen: daß Islam und Menschenrechte nicht zu vereinbaren sind, daß der Islam bewußt gegen die christliche Lehre gegründet wurde und daß auf Übertritt zum Christentum der Tod steht.

Falls doch einmal Kritik aus dem Publikum auftauchen sollte, wird sie sofort abgetan. Ich habe damals mit Hinweis auf Koran 9,30 die Diskriminierung von Christen im islamischen Machtbereich kritisiert, und bezweifelt, daß man hier Dialog betreiben könne, solange Christen und besonders Konvertiten in islamischen Ländern im Gefängnis sitzen. Diese Wortmeldung wurde sofort vom christlichen Gastgeber der Konferenz - offenbar peinlich berührt - mit den Worten zurückgewiesen, daß es “auch im Alten Testament harte Stellen gäbe".

Die islamischen Gäste bemühten sich sofort festzuhalten, daß in besagter Koranstelle selbstverständlich etwas ganz anderes gemeint sei und daß ich sie nicht richtig zitiert hätte. Nachdem also die westliche oder christliche Seite (was für die islamische Sicht ein und dasselbe ist) die wesentlichen Punkte aus einem falschen Verständnis von Höflichkeit oder Dialog überhaupt nie anspricht, nie das Phänomen Islam selbst kritisch in den Blick faßt und nie den christlichen Glauben anbietet, hat natürlich die islamische Seite genug Gelegenheit, mit großer Suggestivkraft ihre Propaganda zu betreiben. Es ist die Mischung aus Freundlichkeit, Schmeichelei, Selbstbewußtsein und Drohung, die im nach-christlichen Vakuum äußerst erfolgreich ist und zu einer gewaltigen Schieflage im “Dialog" führt: Der Islam redet, die Christen hören.

Die Muslime stehen zu ihrem Selbstverständnis und sind als Vertreter islamischer Länder und Organisationen viel stärker Muslime als die westlichen Repräsentanten Christen sind. Die Unterwürfigkeit im Westen unterminiert die eigene Freiheit. Ist das das Ziel des “Dialoges"?

Was kann man daraus lernen? Dialogkonferenzen betreiben erstens keinen echten Dialog im Sinne der Wahrheitsfindung sondern Propaganda. Christen und freie Staaten wären gut beraten, dieser Propaganda keinerlei Podium zu bieten. Die Christen sollen, drittens, selbst das Evangelium allen ausdrücklich anbieten, auch den Muslimen. Auf politischer Ebene sollen sie und die Politiker der freien Staaten für die Einhaltung der Menschenrechte eintreten, besonders auf das Recht zur Konversion. Da sind die Vertreter der Kirche, Politiker und Intellektuelle nicht aus der Verantwortung zu entlassen.

Wolfram Schrems

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