VISION 20001/2006
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Heute sehe ich vieles ganz anders

Artikel drucken Eine geschiedene Frau blickt auf Ihr Leben zurück

Als junges Mädchen wollte ich heiraten und Kinder bekommen. Darin sah ich die Aufgabe und Sinnerfüllung für mein Leben. Das ist dann so gekommen - nur etwas anders.

Ich habe geheiratet, meinen ersten Sohn zur Welt gebracht und wir waren so erfüllt mit Freude und konnten dem Wunder des Lebens zusehen, wie sich so ein Menschlein entwickelte. Etwas später kam unser zweiter, dann unser dritter Sohn zur Welt. Die Freude über die Geburten meiner Kinder war immer dieselbe, dieses Glücksgefühl bei jeder Geburt.

Mit der Zeit sah ich die Aufgabe als Mutter schwerer. Schon vom Anfang unserer Ehe an arbeitete mein Mann sehr viel an den Abenden, in der Freizeit, und kam müde nach Hause. Viele übrige Abende hatte er mit verschiedenen Vereinen gefüllt. Mir war bewußt, daß ich sehr auf mich selbst gestellt war, was ja kein Nachteil sein muß, doch ich war auch sehr allein.

Das machte mich innerlich leer und unzufrieden. Unsere Beziehung war leer geworden, wir konnten nicht mehr aufeinander zugehen, wir verletzten und kränkten einander. Wir machten uns gegenseitig Vorwürfe. Jeder hatte unausgesprochene Wünsche an den anderen. Unsere Ehe bröselte. Woher kam das, wie hat es angefangen?

Ist das alles?! fragte ich mich eines Tages wütend und enttäuscht.

Ich machte meinen Mann verantwortlich, daß seine Zeit nicht mir und der Familie galt, seine Anschuldigung an mich war, daß ich mich von ihm abgewendet hätte. Wir redeten miteinander über unseren Zustand und kamen nirgendwo an.

In einer kurzen Therapie versuchten wir, uns wieder zu finden, einander Mut zu machen. Es half nicht. Es war zu spät. Wir lebten uns - wie man sagt - auseinander. Ich fing an, meine eigenen Wege zu gehen, ging aus und zum Tanzen, traf neue Bekannte. Ich wollte nicht mehr allein sein, ich war noch jung und “lebenshungrig". Und ich glaubte, wenn ich mich amüsiere, füllt sich meine Leere.

Zwischen all den Situationen waren meine Kinder! Für sie wurde ich eine ungeduldige Mutter, in meiner Aufgabe als Mutter fühlte ich mich überfordert. Ich wurde autoritär und pedantisch.

Ich wollte die Scheidung, glaubte, das sei der beste Weg aus allen Problemen.

Doch etwas hat mir immer wieder Kraft gegeben, trotz meiner Entscheidung für die Scheidung, den Glauben an Gott zu bewahren und das Vertrauen, daß Er mich, meine Kinder und auch meinen Mann in seinen Schutz und seine Führung nimmt.

Nach der Scheidung fühlte ich mich kurzfristig frei, neu geordnet, voll Spannung, was das Leben nun Neues bringt. Es gab nichts Neues - ich war nicht neu.

Nur tief in meinem Inneren taten mir immer wieder meine Kinder so leid. Ich konnte meinen Schmerz damals nicht einordnen. Die Kinder wollten doch keine Scheidung und ich habe sie von ihrem Vater getrennt. Ich habe sie nicht danach gefragt und ihren Schmerz habe ich damals nicht gespürt oder spüren wollen.

Als “freie Frau" wollte ich natürlich nun noch den zu mir passenderen Mann finden, den Prinzen, der mich aus allem herausholt, aus den Einsamkeiten, den Überforderungen, erlöst, das Leben schön macht für meine Kinder und mich. Ich wußte nicht, daß kein Mann kommt und “Erlösung" bringt. Die Probleme in einer Beziehung müssen bearbeitet werden, um zu wissen, woher die Muster kommen. Das wird ohne lernen, verändern und Heilung nicht einfach so weg verschwinden. Das schafft kein Mann allein - auch kein neuer.

Da traf ich noch eine Entscheidung über meine Kinder hinweg und wohnte mit einem Mann in unserer gemeinsamen Wohnung. Da wurde die Katastrophe perfekt. Nach der ersten Euphorie merkte ich, daß er meine Kinder nicht wirklich liebte, auch mich nicht, meine Kinder mochten ihn auch nicht leiden und konnten das nicht artikulieren.

Sie wußten, daß ich nicht realistisch hinschaute. So gingen die Verletzungen wieder weiter...

Die Kinder haben dabei ihre größten Enttäuschungen erlebt. Sie wollten nicht, daß dieser autoritäre Mensch sich einmischte und sogar meine Jungs schlug. Und viel zu lange Zeit war ich blind.

Da fing ich an zu beten, Gott möge die Liebe auffüllen, die ich viel zu wenig gab, weil ich mehr auf mich selber achtete, damit es mir gut gehe. Ich habe gefleht, Gott möge mir den Weg zeigen. Dann habe ich verlangt, daß dieser Mann aus meiner Wohnung auszieht.

Ich konnte mit meinen Umbrüchen eher umgehen, aber wie ging es den heranwachsenden Jugendlichen? Die ersten zwei Söhne sind sehr früh ausgezogen und ich habe das nicht verhindert. Beim mittleren Sohn glaubte ich sogar, fördern zu müssen, daß er auch früh auszieht.

Mir tut das heute alles aus tiefstem Herzen leid. Sie waren noch so jung und was habe ich ihnen für eine Kindheit geboten ohne Vater? Und ich war auch oft so weit von ihnen entfernt mit meinem Handeln. Wenigstens konnten wir immer wieder über alles reden. Mein schlechtes Gewissen wurde auf einmal sehr belastend.

Ich habe gelitten, hoffte, in der Psychologie Hilfe zu bekommen. Meine Probleme konnte ich dadurch erkennen, manches Muster beobachten, befreit war ich dadurch noch nicht!

Durch meinen Berufseinstieg rückten neue Aufgaben in den Vordergrund. Dann hatte einer unserer Söhne am Heiligen Abend einen so schweren Arbeitsunfall, daß er nur durch ein Wunder am Leben blieb! An jenem Heiligen Abend wurde ich neugeboren und ich weiß: unsere Kinder auch!

Erst von da an wurde mir alles plötzlich zutiefst bewußt. Da habe ich mein Leben geändert, meine Einstellung. Ich bekam große Achtung vor meinen Söhnen, meinem Mann, vor Gott, vor dem Leben! Ich wußte: Ich brauche Vergebung - und ich möchte auch selber vergeben. Ich möchte innerlich heil werden, tiefer noch, als allein psychologisch. Wenn ich heil werde, dann mit meiner ganzen Familie!

Der Umzug in mein Elternhaus hat diesen Wunsch noch verstärkt. Meine eigene Kindheits- bzw. Vatergeschichte stand wieder vor mir - als ob keine 30 Jahre vergangen wären. Der eigene Schmerz über einen sehr autoritären Vater, die Angst, die Autorität mit sich bringt, daß keine gegenseitige Liebe möglich ist, alles was damit zusammenhängt wurde zu meiner Lebensgeschichte. Diese Teile meiner Geschichte brachte ich auch in meine Familie. Ich wurde zur “Trotztochter" und dieses Muster verwendete ich (unbewußt) für mein Leben.

In dieser, meiner großen persönlichen Not, als ich meine eigenen Grenzen erkannte, machte mich eine langjährige Freundin auf Schwester Agatha in Gwiggen aufmerksam.

Von da an begann für mich ein befreites, heilsames, leichtes und freudiges Leben!

Sie nahm Jesus an den gemeinsamen Gesprächstisch, diesen Jesus, der mich und meine Familie nie verlassen hatte in all der Zeit. Er war so präsent, wie ich das schon früher erlebte, bevor ich Ihn wieder vergessen hatte. Sie brachte mir Gott Vater näher, der mich liebt, achtet und wertschätzt, der mich umarmt und tröstet und den Heiligen Geist, der meiner Entwicklung neuen Schwung und Flügel verleiht.

Ich bekam eine neue Sicht auf mein ganzes Leben und mein Herz sehnte sich nach Vergebung für mich selbst, meine Söhne, meinen Partner, meinen Vater, die Menschen, mit denen Versöhnung notwendig war. Es wurde auf einmal alles sichtbar.

Heute sehe ich vieles anders:

* Es ist nie zu spät.

* Ich würde meine Familie erhalten wollen.

* Ich würde an meiner Partnerbeziehung geduldiger dran bleiben, mehr Einsicht und Rücksicht haben.

* Ich würde die Aufmerksamkeit und Liebe nicht allein von meinem Mann abhängig machen.

* Ich würde mich in der Leere, Einsamkeit, Unzufriedenheit, in den Dingen die mir nicht gelingen an Gott wenden. Er möge mich umarmen und mir die Fülle an Geduld und Liebe zukommen lassen, die ich bräuchte für meine Kinder, meinen Mann, meine Aufgaben. Und das ist möglich! Ich habe es erlebt, daß Gott mir die Sattheit gibt, die ich brauche für ein erfülltes Leben.

* Und ich weiß, eine bestehende Partnerschaft ist mehr wert als das Warten auf einen Prinzen. Es gibt keinen “passenderen" Partner. Die Entwicklung und die Heilung, die eine Beziehung ausmacht, beginnt in der eigenen Seele, nicht in jenem oder anderen.

* Ich würde meine Söhne nicht mehr verletzen und über sie hinweg Entscheidungen treffen. Ich würde hinter ihnen und zu ihnen stehen - durch alle Zeiten hindurch.

Heute achte ich meinen Vater und schätze seine wertvollen Lebenserfahrungen und seine Hilfe, die er auch gegeben hat. Jetzt kann ich verstehen: Was er selbst nicht empfangen hatte, konnter er auch nicht weitergeben. Ich mache mein Leben nicht mehr von ihm abhängig. Was er gibt, nehme ich gerne an, was er nicht geben kann, beeinflußt nicht mehr meine Freude am Leben. Gott heilt auch ihn und erfüllt ihn mit jener Liebe und Annahme, die auch er braucht.

Ich glaube, Versöhnung ist der wichtigste Teil unseres Lebens, um ein zufriedener, selbstbewußter und liebender Mensch sein zu können. Heute laß ich mich von Gott durch meinen Alltag führen und die Ereignisse von Ihm gestalten. Er ist phantasiereicher als ich.

Bitte ich Ihn um etwas, wird Er mir sicher keine Schlange geben. Und habe ich das Erbetene nicht bekommen, so weiß ich, daß mich dies zu einer neuen Erkenntnis führen wird. Ich danke Ihm und drücke Ihm mein Wertschätzung durch meine Anbetung aus. Eine der Möglichkeiten, Gott immer wieder neu zu erfahren und Ihm zu begegnen, ist im Gebet mit Schwester Agatha.

Mittlerweile sind meine drei Söhne erwachsen und wunderbare Menschen, die ihren Weg im Vertrauen und mit Freude gehen. Meine Gebete begleiten sie.

Möge meine Geschichte den Frauen und Männern helfen, die sich in ihrem Leben noch rechtzeitig entscheiden können. Gott ist immer daran interessiert, daß wir geheilt und in der Liebe erneuert werden. Er führt uns auf unserem Weg, wenn wir es zulassen, zur Heilung für uns und unsere Lieben!

E.K.


Einladung

Sr. Agatha Kocher lädt Menschen in Trennung, Scheidung, Einsamkeit, Suchende, Wiederverheiratete zur Oase der Barmherzigkeit in die Zisterzienserinnenabtei Mariastern-Gwiggen (A-6914 Hohenweiler) zu einer Begegnung mit der Barmherzigkeit Gottes.

Termine: 20. Mai, 2. September und 9. Dezember 2006

Kontakt: Tel. 0043 5573 82234 38 oder: agatha.k@gmx.at

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