VISION 20001/2006
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“Ich habe viele Wunder erlebt

Artikel drucken Sr. Briege McKenna, Missionarin für Priester

Wohl noch nie hat eine Frau so viel zur Erneuerung von Priesterberufungen beigetragen wie die mittlerweile 62jährige Klarissen-Schwester Briege McKenna (Portrait, VISION 5/97). Weltweit ist sie gefragt, um bei Einkehrtagen zu predigen und den Heiligen Geist auf die Priester herabzurufen, so etwa im vergangenen September auf 1.000 Priester in Ars, Frankreich. Dieses Charisma für Priester ist jedoch nicht das einzige, das Gott ihr anvertraut hat: Selbst auf wunderbare Weise von einer chronischen Polyarthritis geheilt, schenkt der Herr ihr auch die Gabe, für andere um Heilung zu beten. Im folgenden spricht Sr. Briege über ihr Leben aus dem Glauben:

Wenn Ihr Buch neu aufgelegt werden sollte, was würden Sie ihm hinzufügen wollen?

Sr. Briege McKenna: 20 Kapiteln mit Fioretti über die Eucharistie. Ich habe so viele Wunder durch die Eucharistie erlebt, in den Tausenden von Briefen, die ich bekomme, so viele außergewöhnliche Zeugnisse gelesen! Eine Geschichte unglaublicher als die andere: Heilungen, Bekehrungen, Befreiungen... Aber, nebenbei bemerkt: Der Herr hat mir noch keineswegs gesagt, ich solle eine Fortsetzung meines Buches schreiben! (lacht)

Ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit?

Sr. Briege: Vor zwei Monaten war ich in Belfast. Am Sonntagmorgen sollte ich einen Heilungsgottesdienst vor dem ausgesetzten Allerheiligsten leiten. Die Kirche - sie liegt in einem Bezirk, der sehr gelitten hatte - war übervoll. Kurz vor der Messe - ich betete knieend in einer vorderen Reihe - spürte ich eine kleine Hand, die mich am Hals streichelte. Ich erschrak. Es war ein kleiner Bub; er neigte sich zu mir und flüsterte mir ins Ohr: “Ich heiße Jude. Meine Mama hat mich geschickt, um Sie zu bitten, für mich zu beten." Und er fügte hinzu: “Ich habe Krebs." Ich sagte ihm darauf: “Jude, Jesus wird kommen. Du wirst Ihn sehen können. Jesus wird durch die ganze Kirche gehen. Er wird Dich ansehen, und auch Du sollst Ihn ansehen. Einverstanden?" Ich habe ihm die große Hostie in der Monstranz gezeigt. Darauf hat er mich umarmt und ist zurück zu seiner Mutter gegangen. Dann feierten wir die Messe und es fand der Heilungsgottesdienst mit der Prozession des Allerheiligsten statt.

Während des Nachtmahls sagt der Pfarrer zu mir: “Ich hatte ein sehr interessantes Gespräch mit einem kleinen Buben, der auf meinem Weg stand, als ich mit der Monstranz unterwegs war. Er kam auf mich zu, zog mich am Meßgewand, damit ich stehen bleibe. Und dann fing er an, mit Jesus zu sprechen." Der Priester war sehr beeindruckt. Ich sagte ihm: “Das muß Jude gewesen sein. Wir hatten miteinander vor der Messe gesprochen."Zwei Wochen später ruft mich dieser Priester ganz aufgeregt an: “Briege, erinnern Sie sich an Jude? Wissen Sie, er bekam eben einen Befund, der bestätigt, daß bei ihm keinerlei Spuren von Krebs mehr anzutreffen sind! Die Ärzte sind perplex, verstehen nicht, was da los ist. Sie haben eine ganze Reihe zusätzlicher Untersuchungen angeordnet. Das Ergebnis: der Kleine ist geheilt!"

Jesus heilt. Aber man hat irgendwie den Eindruck, daß er eher mit Briege McKenna als mit anderen Leuten heilt...

Sr. Briege: Mit mir macht Er gar nicht mehr. Ich lege nicht einmal die Hände auf! Ich predige, ich spreche von der Eucharistie - das ist alles. Vor zwei Monaten hat mir eine Frau in einem Brief anvertraut, daß sie einen Psychotherapeuten aufgesucht hätte, weil sie so gelitten habe. Der Therapeut erklärte ihr darauf, daß der Umstand, daß sie zur Messe gehe und ein Glaubensleben führe, ihren Zustand nur verschlechtere, daß sie sich in gefährlichen Illusionen wiege. Sie schrieb mir: “Ich bin verzweifelt, weiß nicht mehr, wohin ich mich wenden soll." Als meine Sekretärin Jackie diesen Hilferuf las, sagte sie zu mir: “Sr. Briege, setz' Dich kurz her und schreib' dieser Frau." Ich gehorchte und schrieb: “Das erste, was zu tun ist: Schluß mit diesem Psychotherapeuten! Einerseits ist er nicht gläubig, andererseits hindert er sie am Glauben. Zweiter Rat: Gehen Sie in die Messe und glauben Sie wirklich daran, daß Sie dem lebendigen Jesus begegnen. Im Evangelium drängt sich eine Frau durch die Menge, berührt den Saum Seines Mantels - und ist geheilt; Sie müssen nicht einmal das tun! Suchen Sie nach einer Kirche in der es eucharistische Anbetung gibt, gehen Sie hin, verweilen Sie lange dort - im Gegensatz zum Psychiater ist das sogar gratis." Und ich schickte ihr ein Buch über die Realpräsenz.

Einige Tage vor meiner Abreise nach Frankreich für die Priesterexerzitien in Ars sagt mir Jackie: “Briege, lies diesen Brief!" Er kam von dieser Frau. Sie schrieb: “Ich habe ihre Ratschläge peinlich genau befolgt. Und es ist mir noch nie so gut gegangen. Alle meine Probleme sind weg. Ich fühle mich so wohl vor dem Allerheiligsten, in der Gegenwart Jesu bleiben zu können. Diese ganze Wolke der Verwirrung, die mich einhüllte, hat sich gelichtet."

Ich sage den Leuten einfach: “Mit Jesus braucht Ihr Euch vor nichts zu fürchten. Es stimmt: Nicht jeder wird geheilt, aber wenn Sie ernsthaft beschließen, sich Ihm zuzuwenden, wird Er in Ihnen Wunder wirken. Sie werden staunen."

Sie haben für Kranke gebetet, was aber nicht verhindert hat, daß sie kurz darauf gestorben sind?

Sr. Briege: Natürlich. Vor kurzem hat mir eine Frau gesagt: “Sie haben für meinen Bruder gebetet und er ist gestorben". Ich konnte nicht anders, als ihr zur Antwort geben: “Ich weiß. Eines Tages sterben wir alle..." Habe allerdings gleich hinzugefügt: “Wie ist er denn gestorben? Das ist ja die eigentliche Frage." 50 bis 75 Prozent der Leute kommen, um mir anzuvertrauen: “Meine Mutter, mein Bruder hatten einen sehr schönen, friedlichen Tod..." Jesus ist zu 100 Prozent erfolgreich - nicht ich! Ich bin nur ein Hinweisschild. Das wunderbare an meinem Dienst ist, daß ich nichts zu beweisen habe. Ich muß keinen Leistungsnachweis erbringen! Ich hatte es satt, Feiern beizuwohnen, bei denen man den Leuten sagte: “Stehen Sie auf und tun Sie so, als ob Sie geheilt seien." Ich habe mich oft gefragt: “Wer wird da letztendlich verherrlicht: die betreffende Person oder Christus?" Mittlerweile weise ich auf Jesus im ausgesetzten Allerheiligsten hin und gehe fort. Das ist ein großer Schutz.

Warum gibt es nicht mehr Frauen, die einen Dienst wie Sie ausüben?

Sr. Briege: Fragen Sie den Lieben Gott Ich denke, es gibt viele, nur kennen wir sie nicht. Ich meine, es gibt eine Reihe von Mutter Teresas - unerkannt und verborgen. Manchmal gebraucht Gott jemanden, um andere zu inspirieren.

Mit welcher Schwierigkeit sind Ihrer Meinung nach die Priester heute besonders konfrontiert?

Sr. Briege: Mit der Gleichgültigkeit der Menschen in einer säkularisierten Welt. Den Missionaren, besonders in Afrika, sage ich oft, daß sie es sehr gut hätten: Wenn sie eine Einkehr, eine Bildungsveranstaltung, ein Treffen organisieren, kommen die Leute zu Hunderten. Aber wieviele Priester in unseren alten, christlichen Ländern des Westens sind alleingelassen, wieviele entbehren jegliche soziale Anerkennung? Wenn sie in ihren zahlreichen Pfarrren etwas anbieten, wer kommt denn da schon? Zehn, vielleicht 20 oder 30 Leute, wenn es gut geht.

Wenn Sie da nicht eine ganz tiefe und innige Beziehung zu Jesus haben, werden Sie entmutigt sein. Das geht nicht anders. Wenn man das Feuer nicht nährt, erlischt es. Und so sage ich den Priestern: “Vor allem, bleiben Sie im Gebet. Verbringen Sie viel Zeit mit Jesus. Er wird sie mit den notwendigen Gnaden beschenken." Schon allein durch das Beten, erfahren die Priester, wie ihre Hoffnung wächst. Wenn sie allerdings nicht beten...

Besteht die Gefahr, daß sie dann den Glauben verlieren?

Sr. Briege: Das ist die zweite Krise, die das Priestertum durchmacht. Viele Priester sind nicht mehr davon überzeugt, daß Jesus sie gerufen und mit Vollmacht und besonderen Gnaden ausgestattet hat. Oft sage ich ihnen: “Wissen Sie, werte Väter, wären Sie Autoverkäufer, Sie würden keine guten Geschäfte machen, weil sie keineswegs überzeugend wirken! Sie müssen von der Schönheit des Geschenks ihres Priestertums überzeugt sein. Für viele ist die Begegnung mit Ihnen, die einzige Gelegenheit, Gott kennenzulernen." Und ich füge hinzu: “Ich liebe die Kirche, sie ist ein wahres Geschenk für uns, allerdings fürchte ich fast, daß ich mehr von der Schönheit des Priestertums überzeugt bin als Sie selbst. Glauben Sie doch, verkünden Sie - und die Menschen werden kommen!" (...)

Sie beten drei Stunden täglich?

Sr. Briege: Der Herr bittet mich, diese Verpflichtung einzuhalten - nicht weil Er mich braucht, sondern weil Er mir Seine Liebe und Sein Wort mitteilen will. Jesus lebt, Er ist in mir gegenwärtig, nicht weil ich Ihm etwas geben könnte, sondern durch das, was Er mir schenken kann. Ich habe begriffen, daß ich Gott diese Zeit des Gebetes, koste es, was es wolle, unbedingt einräumen solle. Mir ist mittlerweile klar, daß Gott mir - wenn ich diese Verpflichtung einhalte - Seine Gnade schenkt und mich zu beten lehrt. Und Er verändert mich während des Gebetes. Vor einigen Jahren hatte ich nach einer Heiligen Kommunion die Vision von einem Zelt. Es war in äußerst schlechtem Zustand, voller Löcher und zerrissen. Ein Mann betrat es. Ich sagte zu Ihm: “Nein, gehen Sie nicht hinein. Es ist viel zu kaputt." Der Gast gab mir zur Antwort: “Was sagst Du da? Das ist doch mein Heim."

Da war mir klar, daß dieses Zelt ein Bild für mich war, und daß Jesus trotz dieses jämmerlichen Zustands aus mir Sein Zuhause machte. Ich war beschämt und rief aus: “Mein Gott, schau doch das Zelt an. Was wird man von mir denken?" Ich begann rasch, es zu reparieren. Da sagte mir Jesus: “Briege, wenn Du Deine Aufmerksamkeit all diesen Löchern zuwendest und Dich mühst, sie zu reparieren, wirst Du Mich vergessen. Wenn Du Dich aber mir zuwendest, dann werde ich das alles wiederherstellen." Da habe ich begriffen, daß es wichtiger ist, darauf zu achten, was der Herr in uns wirkt, als sich auf all das zu konzentrieren, was wir für Seinen Empfang tun können.

Das Gespräch führte Luc Adrian. Es ist ein Auszug aus Famille Chrétiennve v. 26.11.-2.12.05

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