VISION 20004/2006
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Wir sind schon zu 90 Prozent vereinigt

Artikel drucken Über die Ökumene der Märtyrer und Heiligen (Von P. Daniel-Ange)

Die Einheit ist eine absolute Gewißheit. Wie kann man einen einzigen Moment an ihrem Zustandekommen zweifeln? Sie wird uns geschenkt werden, weil Gott selbst zu Gott gebetet hat: “Sie sollen eins sein!"

Es ist unmöglich, daß Sein Gebet nicht verwirklicht wird. Ist es nicht ein göttliches Gebet? Also ein schöpferisches Wort, das bewirkt, was es sagt. Das schließlich immer verwirklicht, was es besagt.

Eine zweite Gewißheit bzw. Realität: Die Kirche ist tatsächlich schon, auch ohne die Wiederkunft des Herrn abzuwarten, zu mindestens 90 Prozent vereinigt. Warum? Wegen drei unumstößlicher Tatsachen:

* Die erste Tatsache: Alle Getauften haben genau denselben Heiligen Geist empfangen, der ihnen ermöglicht, in derselben Heiligkeit zu wachsen. Jede und jeder einzelne trägt in sich dieselbe göttliche Saat, denselben “genetischen Taufcode", den sie oder er aber noch im persönlichen Leben entfalten muß. Das ist der Haken daran, klar!

Der Geist der Einheit vernetzt uns also viel tiefer miteinander, als alle spaltenden Viren uns trennen können. Er schafft unsere Gemeinschaft, so wie er es zwischen dem Vater und dem Sohn tut - einfach mit einigen Problemen und Widerständen zusätzlich. Ja, da ist wieder der Haken, klar!

Zudem ist die Gemeinschaft mit unseren orthodoxen Geschwistern eine physische, denn dank eines einheitlichen Priestertums, das in Treue seit den Aposteln weitergegeben wurde, kommunizieren wir alle im selben Eucharistischen Leib Jesu.

Mit unseren Geschwistern, die die sakramentale Eucharistie (noch) nicht in ihrer Fülle haben, sind es ihre Akte der göttlichen Nächstenliebe, Früchte des Sakramentes der Liebe schlechthin, die uns im Herzen Gottes selbst verbinden. Es gibt nicht zwei Formen der Nächstenliebe, denn es gibt nur einen Heiligen Geist!

Nein, wir sind keine verstreuten und zusammengewürfelten Teile, sondern ganze, in Christus einverleibte Glieder. Wir sind nicht vereinzelte Bestandteile eines Computers, sondern integrierte Glieder des Erlösers. Es gibt aber nicht nur diese sakramentale Gemeinschaft, auf der Ebene der Taufe für alle und auf der Ebene der Eucharistie für die meisten: Es gibt das Blutsband.

* Die zweite Tatsache: Alle unsere Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften haben uns Märtyrer geschenkt. Orthodoxe, Katholiken, Protestanten verschiedener Kirchen, Baptisten, Pfingstler und Evangelikale jeden Bekenntnisses vermischten ihr Blut mit demselben Blut desselben Lammes. In den Tiefen der Kerker, Gulags, der Vernichtungs- und Umerziehungslager erduldeten Getaufte aller Ausrichtungen dieselben Foltern aus Liebe zum selben Herrn.

Sie verbrüderten sich, beteten miteinander, liebten einander verrückt, im Maß der Verrücktheit ihrer Liebe zu ihrer einzigen Liebe, die Jesus heißt.

Die Einheit der Kirche ist um einen hohen Preis, jenen des Blutes, erkauft und in diesem höchsten Zeugnis besiegelt: dem Gipfel der Nächstenliebe, der äußersten Frucht der Eucharistie, der letzten Konsequenz der Taufe, dem ersten aller Charismen. Johannes Paul II. hat es auf vielfache Weise wiederholt: “Die überzeugendste Ökumene ist jene der Märtyrer. Das Blut der Märtyrer schreit lauter als die Wunden unserer Trennungen. Es ist ihre Heilung."

Warum nur müssen in Zeiten des Friedens Uneinigkeiten und engstirnige Streitigkeiten die Oberhand gewinnen? Heißt das nicht, das Blut unserer Märtyrer unfruchtbar zu machen? Im himmlischen Altar versiegelt - wie die Reliquien der Märtyrer im Stein unserer katholischen und orthodoxen Altäre versiegelt sind - hören wir sie da nicht schreien: “Wie lange noch? Wie lange werdet ihr noch taub sein für den Schrei unseres Blutes?" (...)

* Die dritte Tatsache: All das ist schon wunderbar, aber es gibt etwas noch Phantastischeres. Die Kirche ist ganz einfach deshalb schon eins und zu neunzig Prozent vereint, weil 90 Prozent der Kirche bereits im Himmel sind. Die Mauern der Trennung reichen nicht bis in den Himmel. Sie existieren nur in der Kirche, in ihrem vorübergehenden Zustand der Geschichte. Und die Kirche der Erde ist, betrachtet man ihre Gesamtheit, ganz und gar in der Minderheit.

All unsere Zwistigkeiten sind nur vorläufig, vorübergehend, nur an unseren irdischen Zustand gebunden. Diese zwei Gewißheiten miteinander verbunden, relativieren das Drama unserer Trennung und trösten uns wunderbar.

Der Papst wagt es, Gott um ein Wunder zu bitten, um in einigen Jahren die Spaltung, die sich während Jahrhunderten vertieft hat, abzudichten. Ein persönliches Eingreifen Gottes, der der Geist der Einheit ist. Ein direktes Eingreifen der Muttergottes. Ist sie nicht die Mutter der Einheit, weil sie die Mutter des ganzen Leibes Christi ist?

Daß ein phantastisches geschichtliches Wunder geschehe: So wie die Berliner Mauer fiel - in der Folge einer weltweit angelegten Gebetskampagne, auf völlig unerhoffte, unerwartete Art und Weise, allen Prognosen zum Trotz!

Auszug aus dem sehr empfehlenswerten Buch: Die Kirche meine Freude, Medienverlag Christoph Hurnaus, ISBN 3-902354-03-8

Diese und andere Bücher können bezogen werden bei: Christoph Hurnaus, Waltherstr. 21, 4020 Linz, Tel/Fax: 0732 788 117; Email: hurnaus@aon.at

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