VISION 20004/2006
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Vorsicht - Werbung!

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Die Werbung geht so vor, daß sie Superlative in ihrer Sprache verwendet, um von der Überlegenheit der Produkte, die sie anpreist, zu überzeugen. So werden Worte, die früher etwas Absolutes bezeichneten - etwa Schönheit und Glück, um zwei zu nennen - auf Vulgäres angewendet. Auf diese Weise wird die Sprache zerrieben. Wie niemand sonst trägt die Werbung zur Entweihung der Welt durch Herabsetzung der Sprache bei. (...)

Diese Aufblähung des Superlativs in der Sprache, diese Veränderung des ursprünglichen Wortsinns hat sich in unseren Hirnen breitgemacht. Und unsere Abwehr dagegen nimmt ab, weil unser täglicher Sprachgebrauch in den banalsten Alltagsbeziehungen, zum Gerede des Marketings selbst geworden ist.

Unser Wortschatz, unsere Sprache unterliegen dem Realitätsverlust, der heimtückischen Entfremdung von ihren ursprünglichen Wurzeln. So hat die Werbung durch ihre Sprache und ihren eingeschränkten Wortschatz eine abbauende Wirkung. Sie wendet sich nämlich an einen Massenmenschen, den sie einerseits für dumm hält, den sie aber vor allem verdummen will - und zwar damit er sich zu guter Letzt nur mehr in Sprechblasen artikulieren und so seine freudige Zustimmung zu jener Welt ausdrücken kann, die man ihm vorschlägt. (...)

Unsere Sprache, die Ausdruck unserer Logik ist, sie widerspiegelt unsere intellektuelle und psychische Struktur. Sie wird derzeit nach den Regeln des Marketing gebogen. Das hat eine schwerwiegende Folge: Ohne es zu wissen, denken wir alle auf Marketingart.

So gesehen ist Werbung gut und gern die Umkehrung des Logos. Die Umkehrung des Wortes. Die Speerspitze des Bösen.

Gwen Garnier-Duguy

Der Autor hat im Marketing gearbeitet und ist Autor eines Romans über Bekehrung, der Text ein Auszug aus einem Artikel in “L'Homme Nouveau" v. 13.5.06.

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