VISION 20003/2002
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Bedroht von Bildern, die uns vergiften

Artikel drucken Tag für Tag Botschaften ausgesetzt, die nicht neutral sind (Von Gabriele Kuby)

Die letzten 30 Jahre brachten einen Dammbruch im Bereich der Medien: Gewaftdarstellungen und Sexmotive, wohin man schaut. Und diese Bilder hinterlassen Spuren in unserem Inneren, sie vergiften uns. Besonders gefährdet sind die Kinder ...

Bei einer Nachtfahrt im Auto hörte ich ein Kriminalhörspiel, um wach zu bleiben. Einige Leute waren ermordet worden und andere, die mit ihnen in Kontakt standen, verfügten über auffallend viel Geld. Der Verdacht erhärtete sich, daß das Geld mit Kinderpomos verdient wurde. Die 16-jährige Tochter des Kommissars bekam ein solches Video in die Finger und vor die Augen. Hysterisch schreiend wälzte sie sich am Boden. Sie hatte zugesehen, wie ein Kleinkind beim sexuellen Verbrauch getötet wurde. Mir war plötzlich klar: Es gibt im Medienzeitalter eine neue Ah tiefer, bleibender Verletzung: Bilder des Bösen. Für diese Schäden gibt es keine Ärzte.

Als mein erstes Kind anfing, Filme anzuschauen, die ich für schädlich hielt, war die Antwort: "Das ist doch nur ein Film." Ich vermute, daß die meisten Menschen, die das Angebot der Massenmedien wahllos konsumieren, so denken: "Sind doch nur Bilder", soll heißen: eine künstliche Realität, ohne Wirkung auf Denken, Fühlen und Handeln dessen, der die Bilder sieht.

Mit der Gesundheitswelle hat sich die Ansicht durchgesetzt, daß es empfehlenswert ist, sich gesund zu ernähren und Lebensmittel zu meiden, die mit Umweltgiften belastet sind. Auch geistige Nahrung kann gesund oder vergiftet sein. So wie die materielle Nahrung den Körper gesund oder krank macht, macht auch die geistige Nahrung die Persönlichkeit des Menschen gesund oder krank.

Fragen wir uns selbst, welche Wirkung Bilder des Bösen auf uns haben, Bilder der Gewaltausübung, des Leidens unter Gewalt, der sexuellen Anmache, des Geschlechtsaktes in allen Ausprägungen, der Gier bis zum gewalttätigen Mißbrauch.

–  Die erste Stufe ist die passive Infiltration, –  die zweite die Unterhaltung mit Sex und Gewalt - die Normalkost der Femsehzuschauer - und

–  die dritte Bilder, die tatsächliche Ausübung von Sex oder/und Gewalt zeigen. Die Übergänge sind fließend.

So wenig man Umweltgifte in der Nahrung vermeiden kann, so wenig kann man in unserer Kultur den Bildern von Gewalt und Sex entkommen. Kaum eine Nachrichtensendung, in der wir nicht Menschen in extremen Leidenssituationen sehen, seien sie verursacht durch Naturkatastrophen, Krieg oder Verbrechen. Regt sich noch ein Gefühl in uns?

In der Regel bleibt es bei einem "Schlimm!!" und dem Gefühl, daß sich die dunkle Last auf dieser Welt vergrößert. Kein Antrieb zu handeln, im Gegenteil: Bilder der Gewalt erzeugen das Gefühl der Ohnmacht, sie töten die Hoffnung, und Hoffnungslosigkeit erzeugt Lähmung: "Es hat ja doch keinen Sinn, gegen die Übermacht des Bösen anzugehen." Was könnte dem, der das Böse will, lieber sein?

Man kann keine Zeitung aufschlagen, an keiner Plakatwand vorbeigehen, keinen Werbeprospekt durchblättern, keinen Film anschauen, ohne Bilder sehen zu müssen, die es mit immer größerer Raffinesse darauf anlegen, den Betrachter sexuell zu stimulieren. Was ist die kulturelle Botschaft, die sich im Bewußtsein der Massen unbewußt festsetzt? Sex sei ein frei verfügbares Konsumgut zur Steigerung des Lebensgenusses.

Man kann den Bildern zwar nicht ausweichen, aber man ist nicht gezwungen, sich damit zu unterhalten. Doch die meisten Menschen tun es, viele Stunden täglich. Wenn jemand einen großen Teil seines Tages mit Fernsehen (Video und Internet) füllt, hat er vermutlich in seinem Leben nur dürftige Quellen lebendiger Erfahrung. Wer würde nicht lieber selbst aus der Quelle trinken, als durstig auf dem Bildschirm anderen dabei zuzusehen?

Der Mensch dürstet nach Leben. Wenn er diesen Durst mit elektronischer Ersatzwirklichkeit zu stillen sucht, dann muß der Ersatz Empfindungen stimulieren, die ihn über den Betrug hinwegtäuschen. Das geschieht durch Spannung. Am spannendsten ist es, wenn es um Sieg oder Niederlage, um Leben und Tod geht. Bei Gewalt geht es um Leben und Tod, und bei Sexualität geht es in Wahrheit auch um Leben und Tod, selbst wenn diese Tatsache mit aller Macht verschleiert wird.

Am allerspannendsten ist es, wenn es wirklich um Leben und Tod geht - das nennt man dann Reality-TV. Ein Schauder, eine Dosis Angst, ein Quantum sexueller Stimulation in der Geborgenheit des Femsehsessels bei Chips und Bier, und der Abend ist gelaufen, wie ungezählte vorher und ungezählte nachher.

Aber was ist die Folge? Die ständige Überflutung mit Bildern, auf denen die Menschen sündigen – ein Wort, das wie Sand im Schmieröl unserer Lustgesellschaft knirscht - läßt die Sünde normal erscheinen, bringt die Stimme des Gewissens zum Schweigen und erweitert den Möglichkeitssinn für böses Tun.

Wenn man, bis man 18 ist, tausende Morde im Film gesehen hat, erscheint Gewalt "normal". Die Gefühle werden von der Wahrnehmung abgekoppelt. Das Gewissen beißt nicht mehr. Gerät man eines Tages in Bedrängnis, tut man das, was man tausendmal Menschen in Bedrängnis hat tun sehen: Man schlägt zu, räumt den Gegner aus dem Weg. Die Fernsehscheinlebendigkeit hat unfähig zur Hemmung durch Mitgefühl gemacht, unfähig zur Gewissensregung. Wird man Zeuge von Gewalt, schießt kein Adrenalin mehr in die Adern, das einen dazu bringen könnte, trotz der Angst für den bedrohten Schwachen einzutreten.

Dem unbefriedigten Lebenshunger des Femsehkonsumenten bieten Bilder von praktizierter Sexualität heißes Futter. Schon im Nachmittagsprogramm der Fernsehsender wird man zum "Spanner" gemacht, zum Voyeur des Geschlechtsaktes anderer. Die Bilder erregen den Sexualtrieb. befriedigen ihn aber nie. Darin liegt der Kein der Dynamik, die den, der sich daran labt, auf eine schiefe Ebene befördert, auf der er immer weiter in die eiskalte Hölle harter Pornographie abrutscht.

Sexualität, die nicht Ausdruck liebender Hingabe von zwei Menscheu ist, benutzt einen anderen Menschen zur eigenen Befriedigung und wirft ihn (zusammen mit dem Kondom) weg, wenn er ihm keinen Nutzen mehr bringt. Sexualität ist der Akt, in dem sich zwei Menschen im innersten Kein begegnen. Die Bibel hat dafür das wunderbare Wort "erkennen". Einer erkennt den anderen in der Tiefe seines Wesens im sexuellen Akt. Wer aber den anderen benutzt oder sich benutzen läßt, wird in der Tiefe seines Wesens verletzt.

Unfähigkeit zu lieben, Un fähigkeit zur Bindung, dadurch die Zerstörung der inneren Voraussetzungen für Familie, Entwürdigung, Entwertung, Trostlosigkeit, Einsamkeit und Verzweiflung sind der Preis, der unerbittlich gezahlt werden muß, wenn man den Vor-Bildem folgt. Auf der Vorderseite Glanz, auf der Rückseite heulendes Elend und zerstörtes Leben.

Für den, der Gott als Schöpfer anerkennt, gibt es noch eine weitere Dimension. Die Sexualität ist der Punkt, an dem der Mensch unmittelbar mit der Schöpferkraft Gottes zusammenwirkt. Gott, der Schöpfer und Vater jedes Menschen, hat die Fortzeugung des Menschen, dem Er die ewige Seele einhaucht, in den Schoß der Frau gelegt. Deswegen ist die Sexualität der zentrale Angriffspunkt des Bösen.

Da man heute jemandem, der offen von Satan spricht, mit der Guillotine des Fundamentalismusvorwurfs schnell die Zunge abhackt, will ich erläutern, was ich meine, wenn ich vom Teufel spreche. Ich glaube, daß ein unsichtbarer Kampf um die ewige Seele des Menschen stattfindet, ein Kampf zwischen Gott, der die Liebe ist, und einer aktiven, bewußten, bösen Kraft. Das wunderbar Gute und das unfaßbar Böse, das auf dieser Welt geschieht, kann mit der eigenen Kraft des Menschen nicht erklärt werden, sondern damit, daß er sich zum Instrument der unsichtbaren guten oder bösen Kräfte macht, die ihn weit übersteigen.

Die Kinder vor Bildern des Bösen zu schützen, ist nicht mehr möglich, sobald sie sich von der Hand der Mutter gelöst haben. Die Massenjugendzeitschriften Bravo und Girl, die spätestens mit 10 Jahren von fast allen Jugendlichen gelesen werden, sind Pornoblätter, die unsere Kinder und heranwachsenden Jugendlichen in verbrauchende Sexualität hineintreiben. Was ihnen als "normal" verkauft wird, hätte noch vor 30.. Jahren Empörung und Widerstand ausgelöst.

Soll also, so könnte jemand fragen, nur noch Heidi im Fernsehen laufen? Nein, gewiß nicht. Die Frage ist, ob der Spiegel, den sich der Mensch mit den Bildern vorhält, seine niedrigsten Triebe stimuliert und ihn allmählich und indirekt zur schweren Sünde verleitet. Oder werden in diesem Spiegel Wege aufgezeigt, wie sich der Mensch in der objektiven Spannung zwischen Gut und Böse zum Guten durchringt? Das war zu allen Zeiten das Thema der Kunst, die dann kein Kitsch ist, wenn sie sich der ganzen Wirklichkeit von Gut und Böse stellt.

Was sollen wir tun? Was können wir tun?

Die erste Frage ist: Wie kommen wir aus der Lähmung heraus? Das Gefühl der Ohnmacht tötet die Hoffnung, und Hoffnungslosigkeit erzeugt Lähmung. Also ist die Hoffnung der Weg zur Überwindung der Ohnmacht.

In einem Zustand der Hoffnungslosigkeit scheint es, als ließen die äußeren Faktoren keine andere Wahl als eben Hoffnungslosigkeit. Das ist ein Trugschluß. Man muß nur eine halbe Stunde joggen, um die Erfahrung zu machen, daß das Gefühl der Ohnmacht abnimmt, wenn der Sauerstoff im Blut zunimmt – bei gleichbleibenden äußeren Umständen. Das heißt: Die Erfahrung der eigenen inneren Veränderung zum Guten ist der Boden, auf dem Hoffnung gedeiht. Schaffen wir in den eigenen vier Wänden Oasen, die von geistiger Umweltverschmutzung frei sind. Fernsehen und Internet erfordern ein neues Bewußtsein für Informationshygiene. Wie viel Information über das Böse in der Welt brauchen wir? Einerseits ist es nötig zu wissen, in welcher Welt man lebt und wohin sie steuert. Andererseits fördern negative Nachrichten das Gefühl der Ohnmacht. Also: Nur das Nötigste in nüchterner Form.

Wenn man Kinder hat, muß man prüfen, ob man in der Familie zu einem gesunden Umgang mit Fernsehen und Internet finden kann oder diese Einfallstore von Unzucht und Gewalt aus dem eigenen Haus entfernt oder bis zu einem bestimmten Alter unzugänglich macht.

Wir hatten zwölf Jahre lang keinen Femseher, dann einen mit Kindersicherung. Es war unglaublich, mit welcher Entschlossenheit die Kinder die Fernbedienung im verborgensten Winkel des Hauses aufspürten, um sich kopfüber in die Fernsehwelt zu stürzen. Mein erwachsener Sohn sagt, daß er noch heute, zehn Jahre später, Bilder in sich trägt, die ihn damals zutiefst geängstigt und schockiert haben, ohne daß wir etwas davon wußten.

Auch wir Erwachsene tragen vielleicht solche Bilder in uns. Wie reinigen wir uns davon? Es geht um Heilung der Erinnerung. Ich weiß kein anderes Mittel als das Gebet eines Priesters, der seine dreifache Vollmacht in Anspruch nimmt, zu heilen, Dämonen auszutreiben und Sünden zu vergeben.

Hat man das eigene Haus gereinigt, entsteht die Möglichkeit und vielleicht das Bedürfnis, in der Außenwelt etwas zu unternehmen. Wie lange lassen wir Mütter noch zu, daß unsere Kinder systematisch auf Mißbrauch der Sexualität programmiert werden? Wechselnde Sexualpartner von der Pubertät an sind die schlechteste Voraussetzung für den Bau einer gelingenden Familie.

In den Scheidungswahnsinn unserer Zeit hineingeboren, glauben viele gar nicht mehr daran, daß eine glückliche Familie möglich ist. Denkbar wären Elterninitiativen in Schulen und Gemeinden die den Kampf gegen sexuelle Verführung der Kinder durch Bilder aufnehmen. Muß Bravo denn wirklich überall erhältlich sein?

Wir leben in einer Zeit schneller und unvorhergesehener Veränderungen. Wie konnte der Feminismus in drei Jahrzehnten die gesamte Wertordnung unserer Kultur auf den Kopf stellen? Wie konnten die Grünen innerhalb von zwei Jahrzehnten von einem Grüppchen engagierter Aussteiger in die Machtpositionen dieses Staates gelangen? Wie konnten die Homosexuellen, die bislang nur zwei bis drei Prozent der Bevölkerung ausmachen, erreichen, daß gleichgeschlechtliche Partnerschaften per Gesetz in , den Rang der vom Grundgesetz geschützten Familie erhoben wurden? Wer hat den Fall der Berliner Mauer vorausgesehen?

Gesellschaftliche Veränderung ist also möglich. Sie wird von einzelnen initiiert, die sich von bestehenden Verhältnissen nicht ins Boxhorn der Hoffnungslosigkeit jagen lassen, die entschlossen und beharrlich handeln. Wir haben die Machtverhältnisse gegen uns, aber das Leben und den Himmel auf unserer Seite.

 

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