VISION 20003/2004
« zum Inhalt Zeitgeschehen

Pressesplitter kommentiert

Artikel drucken

Frauen fahren besser Auto

Junge Frauen haben relativ gesehen - gemessen an der Fahrleistung - um 25 Prozent weniger Unfälle als junge Männer. Sie werden außerdem seltener verletzt, weil sie weniger schwerwiegende Unfälle haben, sondern häufiger beim Einparken oder Zurückschieben einen Blechschaden verursachen. Bei Alleinunfällen, Gegenverkehrsunfällen oder Unfällen im Kreuzungsbereich, haben hingegen Männer die Nase vorn. Das ist ein Indiz für Selbstüberschätzung, falsche Einschätzung der Situation und Rasen. Feststeht, Frauen und Männer sind in unterschiedliche Unfälle verwickelt.

Presse-Information des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) v. 22.304

Die Wahrscheinlichkeit, beim Autofahren zu überleben, ist eine gute Maßzahl für gutes Autolenken, das viele Männer erst noch entdecken müssen.


Baby nach Maß

In Australien ist zur Heilung der Gen-Krankheit eines Vierjährigen gezielt ein Bruder gezeugt worden. Dazu wählten australische Spezialisten gezielt einen von mehreren künstlich befruchteten Embryos aus, der dann der Mutter eingesetzt wurde, wie die australische Zeitung Telegraph am Montag in Sydney berichtete. Mit den Stammzellen aus dem Blut der Nabelschnur des “Designer-Babys" soll der vierjährige BJ behandelt werden, der an einem als Hyper-IgM-Syndrom bekannten Immundefekt leidet. (...) Der Vater betonte, es sei ihm vollkommen egal, was irgendjemand denke. Als sie nach Sydney gekommen seien, habe er jedem erzählt, warum sie hier seien und keine einzige ablehnende Reaktion erfahren.

Der Präsident des australischen Ärzteverbandes, Bill Glasson, sagte, daß der Fall in Australien durchaus ethische Fragen aufgeworfen habe. Einerseits sei es verständlich, daß Eltern alles tun, um das Leben ihres Kindes zu retten. Andererseits habe es unter den Reagenzglas-Embryos eine bewußte “Auswahl" zu Gunsten des einen passenden Babys gegeben. Aber wenn dadurch das kranke Kind gerettet werden könne, halte er dies für ethisch vertretbar.

APA v. 8.3.04

Man darf dem Charme des Mitleidarguments nicht erliegen. Diese Rettungsaktion hat mehrere Kinder (!) das Leben gekostet. Und: Was wird sich einmal der “Auserwählte" denken, wenn er erfährt, daß er seine Existenz nur seinen “guten" Genen verdankt?


Depression - ein Massenphänomen

Je nach Definition erfüllen jedes Jahr vier bis acht Millionen Deutsche die Kriterien einer behandlungswürdigen Depression; europaweit sind es 33,4 Millionen. Jeden zehnten Deutschen - manche Studien sprechen sogar von fast jedem fünften - wird die Schwermut mindestens einmal in seinem Leben überwältigen. Jeder sechste von ihnen wird daran sterben.

Erschreckende Zahlen. Und sie steigen, nicht nur in Deutschland. Anfang des 21. Jahrhunderts ließen sich etwa in den USA 37 Prozent mehr Menschen wegen Depressionen behandeln als noch 1980. An US-Hochschulen gilt bereits jede sechste Studentin als krankhaft depressiv. (...) Schon warnt die Weltgesundheitsorganisation, daß in den entwickelten Ländern keine andere Erkrankung - mit Ausnahme der Herz-Kreislauf-Leiden - heute mehr gesunde Lebensjahre koste. (...)

Als die Sowjetunion zusammenbrach und mit ihr die Lebens- und Zukunftspläne ganzer Völker, fiel Wolfgang Rutz, dem Regionalbeauftragten der WHO für Europa, auf, daß in vielen osteuropäischen Staaten ein ganzes Cluster an Krankheiten und Verhaltensweisen schlagartig zunahm. “Dazu gehörten Depressionen, aber auch Alkoholmißbrauch, Selbstmorde, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Risikoverhalten und Gewaltbereitschaft", zählt Rutz auf. “Es war wie ein Seismograph für den Streß in der Gesellschaft." Viele dieser Dinge sind auch im Rest Europas auf dem Vormarsch.

(...) Eine Rolle könnte auch spielen, daß heute weniger Menschen Gott als den Lenker ihres Schicksals akzeptieren...

Die Zeit 12/04


Beziehungs- und Sinnverlust, die Ungeborgenheit in einer sich rasch ändernden Lebenswelt - das verträgt der Mensch nicht. Obwohl all das unübersehbar ist, wird der Weg in die Irre konsequent fortgesetzt. In Osteuropa ist die Situation besonders alarmierend. Dort hat sich der Trend zu längerer Lebensdauer umgekehrt:

Eine sinkende Lebenserwartung

Im östlichen Teil der Region Europas, vor allem in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion, ging die Lebenserwartung zwischen 1980 und 2002 bei Männern um 4,2 und bei Frauen um 1,6 Jahre zurück. In einigen Ländern haben Männer gegenüber ihren Geschlechtsgenossen in anderen industrialisierten Regionen ein drei- bis vierfach höheres Risiko, vorzeitig zu sterben. Außerdem ist die Sterblichkeit unter männlichen Erwachsenen in den östlichen Ländern der europäischen Region sehr viel höher als in Entwicklungsländern der WHO-Regionen Gesamtamerika, Asien oder östlicher Mittelmeerraum. Die Hauptursachen sind nicht übertragbare Krankheiten, sondern Herz-Kreislaufkrankheiten, alkoholbedingte Erkrankungen und Verletzungen.

In dem Bericht wird darauf hingewiesen, daß sich die HIV-Epidemie in der europäischen Region im weltweiten Vergleich am schnellsten ausbreitet und wahrscheinlich noch erheblich zunehmen wird.

Medizin populär 2/04


Die Astrologen lagen daneben

Die Astrologen und Wahrsager haben sich mit ihren Vorhersagen für das Jahr 2003 wieder kräftig blamiert. Sie lagen fast immer falsch. Eine Feststellung, die das “Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken" der “Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" an jedem Jahresende machen muß. Die 100 untersuchten Prognosen fielen für die Astrologen ernüchternd aus. Weder wurde die CDU-Vorsitzender Angela Merkel nach vorgezogenen Bundestagswahlen Bundeskanzlerin einer großen Koalition - wie die Astrologin und Handleserin Patricia Schwennold orakelte -, noch wurde die Ehe von Kanzler Schröder und Doris Schröder-Kopf geschieden. Das hatte der “Star-Astrologe" und Nostradamus-Deuter Kurt Allgeier prophezeit. Auch seine Vorhersagen, daß der Sänger Michael Jackson ein großes Comeback feiert, die niederländische Königin Beatrix abdankt und der Wechsel des Schauspielers Arnold Schwarzenegger in die Politik scheitert, erwiesen sich als Flops. (...)

Völlig daneben lag auch der Astrologe Winfried Noé, der beim Privatsender TV Berlin eine eigene Fernsehshow hat. Er hatte prognostiziert, daß der FDP-Politiker Jürgen W. Möllemann “Erfolge als Redner zwischen Mai und November" feiern wird. Stattdessen stürzte der ehemalige Wirtschaftsminister Anfang Juni mit einem ungeöffneten Fallschirm in den Tod.

Pur magazin 1/04

Man kann sich ausrechnen, wie wertvoll die oft massiv das Privatleben betreffenden Tips der astrologischen Ratgeber im Radio oder in sonstigen Medien sein können.


Ihr wollt das Leben, wir den Tod

Im folgenden die schriftliche Fassung des Videos, in dem sich Attentäter zum Massaker in Madrid bekannten:

Wir übernehmen die Verantwortung für das, was in Madrid geschehen ist - genau zweieinhalb Jahre nach den Attentaten in New York und Washington. Es ist eine Antwort auf die Verbrechen, die Ihr in der Welt, konkret im Irak und in Afghanistan begangen habt - und es wird weitere Antworten geben, so Gott will.

Ihr wollt das Leben und wir den Tod. Das ist ein Beispiel dafür, was der Prophet Mohammed gesagt hat. Wenn Ihr nicht mit Euren Ungerechtigkeiten aufhört, wird mehr Blut fließen. Auch sind diese Attentate nur ein Vorgeschmack für das, was durch den Terrorismus - so nennt Ihr ja das Geschehen - noch geschehen kann. Das ist eine Warnung des Sprechers von Al Kaida in Europa.

Le Figaro v. 15.3.04

Dieser Terror, der über die eigenen Leichen geht, lebt aus der Überzeugung, vor Gott ein gutes Werk zu tun. Das macht ihn so gefährlich. Unser Gesellschaftssystem, das nur die eigene materielle Wohlfahrt im Auge hat, kann dem nichts entgegensetzen.


Moslems unter Verdacht

Ob Frauen mit Kopftuch oder Männer mit islamischer Barttracht - seit den Anschlägen von Madrid sehen sich auch Moslems in Deutschland zunehmend Anfeindungen ausgesetzt. “Wir erleben täglich mehr verbale Angriffe; häßliche Zwischenfälle und Beleidigungen nehmen zu", sagt Nadeem Elyas, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime. Nach Ansicht des Islamwissenschaftlers und Kölner Schrifststellers Navid Kermani sind diese Vorfälle zwar “noch nicht so bedrohlich". Doch wenn Vorurteile und Ressentiments im Wahlkampf oder der Debatte um den EU-Beitritt der Türkei instrumentalisiert würden, dann könnte die Stimmung endgültig umschlagen, glaubt Kermani.

Norbert Müller, Vorsitzender der Kölner Gesellschaft muslimischer Sozial- und Geisteswissenschaftler, stimmt dem zu: Durch die undifferenzierte Forderung nach einer Videoüberwachung aller Moscheen würden nun alle Moslems “unter Generalverdacht gestellt wie eine kriminelle Gruppe". Die Mehrzahl der Moslems fühle sich deshalb ausgegrenzt aus der Gesellschaft und reagiere darauf mit Angst und Rückzug. “Das macht es uns schwer, etwa im Rat der islamischen Gemeinden für eine Politik der Öffnung auf der Basis der demokratischen Grundordnung zu plädieren", sagt der Rechtsanwalt.

Jürgen Oeder/AFP in APA v. 24.3.04

Unsere demokratische Grundordnung hat ihre Wurzeln im christlichen Menschenbild. Nur wenn sie aus diesen Wurzeln gespeist wird, kann sie auf Dauer überleben und die Kraft entwickeln, Menschen aus anderen Kulturen zu integrieren.


Opa und Oma sparen nicht mehr

Omas und Opas von heute leben nicht mehr nur für ihre Nachkommen. Sie wollen das, was sie hart erarbeitet und selbst angespart haben, selbst ausgeben. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter 1.000 Personen, die älter als 50 sind. Die Ergebnisse wurden am Montag von “Fessel-Gfk"-Chef, Rudolf Bretschneider und “Generali"-Chef, Hans Peer, der die Studie in Auftrag gegeben hat, präsentiert.

Die Details: 68 Prozent geben ihr Geld lieber für sich selber aus. Das sei ein neues Phänomen, das bisher noch nicht untersucht wurde. Dennoch ist er sich sicher, daß es deutlich mehr sind als noch vor zehn Jahren. “Die 50plus-Generation von heute zeigt durchaus den Hedonismus, den man immer den Jungen unterstellt." Geschenkt wird lieber zu Lebzeiten, so Bretschneider. Zwei Drittel geben an, Kinder und Enkel finanziell zu unterstützen. Nur noch 22 Prozent sparen lieber und vererben mehr.

Die Presse v. 30.3.04

Als kaufkräftige Einkommensgruppe werden die Senioren ja auch gezielt und heftig in den Medien umworben.


„Wir sind Kirche" blutet aus

Die katholische Kirche profiliert sich als Hort der Reformverweigerer. Verkauft wird diese Haltung als Treue zu sich selbst. Es ist eine Treue, die den Weg ins selbst gewählte Ghetto weist, der dann als “Treue zum Herrn" glorifiziert wird. Initiativen wie die Kirchenvolksbewegung “Wir sind Kirche" oder “Kirche von unten" sind - so gesehen - eigentlich wichtiger denn je. Sie halten die Vision einer offeneren und “demokratischen" - oder, wer es lieber hören möchte: synodaleren - Kirche im Bewußtsein der kirchlichen wie der nichtkirchlichen Öffentlichkeit.

Nur: Der Abwärtstrend, der die Kirchen erfaßt hat, verschont auch die Reformkreise nicht. Die Zahl ihrer Mitstreiterinnen und Mitstreiter schwindet, so wie die Mitgliederzahlen der Kirchen langsam, aber stetig sinken. Den Mitgliedsgruppen der innerkatholischen Opposition droht die “Vergreisung". Junge Mitglieder sieht man nur vereinzelt. Da hilft auch die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft “Wir sind Kirche Jugend" durch ein paar äußerst aktive junge Mitstreiterinnen und Mitstreiter nicht viel.

(...) Die jungen Leute schnuppern schon mal hier und da in ein kirchliches Projekt hinein, wenn es denn halbwegs interessant erscheint, Eventcharakter bietet und die Gewähr, Gleichaltrige zu treffen oder einen Star. Aber sonst? Null Bock auf Kirche!

Von diesem Desinteresse sind auch katholische Reformgruppen betroffen. Außerdem haben sich viele Ältere, die sich noch vor Jahren für Reformen eingesetzt und die Kirchenvolksbewegung mit viel Sympathie begleitet hatten, innerlich oder äußerlich verabschiedet. Die innerkatholische Opposition, das muß man nüchtern sehen, blutet aus - langsam, aber stetig.

Publik-Forum 5/04

Ist nicht der Hauptgrund für diese Entwicklung darin zu sehen, daß fortgesetzte Kritik an einer Einrichtung niemanden für diese begeistert? Der Parole: “Kommt alle auf unser sinkendes Schiff!", folgt eben niemand.


Verzeihen macht gesund

Nach dem positiven Denken haben die Amerikaner ein neues Allheilmittel entdeckt: das Verzeihen. In ihrer letzten Ausgabe berichtet die Frauenzeitschrift Woman über aktuelle wissenschaftliche Verzeih-Studien. Ein Fallbeispiel: 44 übergewichtige US-Frauen, allesamt Typ Frustesser, nahmen ab, nachdem sie gelernt hatten, ihren Männern kleine Verfehlungen nachzusehen. Bereits erfolgreich getestet wurde ein von US-Wissenschaftlern entwickeltes Verzeih-Training. 70 Prozent der Probanden gaben hinterher an, weniger Schmerzen zu haben. 27 Prozent litten seltener unter Rücken - oder Kopfweh, Schwindel und Schlaflosigkeit. Und 15 Prozent konnten besser mit Streß umgehen.

Pur magazin 1.04

Ein zusätzliches Motiv, sich in der schwierigen Kunst des Verzeihens zu üben.

© 1999-2021 Vision2000 | Sitz: Hohe Wand-Straße 28/6, 2344 Maria Enzersdorf, Österreich | Mail: vision2000@aon.at | Tel: +43 (0) 1 586 94 11