VISION 20005/2007
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Ein einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn

Artikel drucken Wie Benedikt der XVI. seinen Dienst versteht

Nach einem großen Papst Johannes Paul II. haben die Herrn Kardinäle mich gewählt, einen einfachen und bescheidenen Arbeiter im Weinberg des Herrn. Mich tröstet die Tatsache, daß der Herr auch mit ungenügenden Werkzeugen zu arbeiten und zu wirken weiß. Vor allem vertraue ich mich euren Gebeten an. In der Freude des auferstandenen Herrn und im Vertrauen auf seine immerwährende Hilfe gehen wir voran. Der Herr wird uns helfen, und Maria, seine allerseligste Mutter, steht uns zur Seite. Danke.

Erster Gruß nach seiner Wahl am 19.4.05


Ein mutiger, treuer Hirt

Du bist der Messias! Du bist Petrus! Es kommt mir vor, als würde ich die im Evangelium beschriebene Szene miterleben; ich, der Nachfolger des Petrus, wiederhole mit Bangen die furchtsamen Worte des Fischers von Galiläa und höre mit innerer Bewegung die beruhigende Verheißung des göttlichen Meisters. Wenn die Last der Verantwortung, die auf meine schwachen Schultern gelegt wird, übermäßig groß ist, so ist die göttliche Macht, auf die ich zählen kann, sicher grenzenlos: “Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen" (Mt 16,18). Als er mich zum Bischof von Rom erwählt hat, wollte der Herr mich zu seinem Stellvertreter, er wollte mich zum “Felsen" machen, auf den sich alle sicher stützen können. Ich bitte ihn, meinen schwachen Kräften Abhilfe zu leisten, damit ich ein mutiger und treuer Hirt Seiner Herde sein und den Eingebungen seines Geistes folgen kann.

Ich schicke mich an, dieses besondere Dienstamt anzutreten, das Petrusamt im Dienst der universalen Kirche, indem ich mich demütig den Händen der göttlichen Vorsehung überlasse.


Im Dienst an der Einheit

Zu Beginn seines Amtes in der Kirche von Rom, die Petrus mit seinem Blut getränkt hat, übernimmt sein jetziger Nachfolger ganz bewußt als vorrangige Verpflichtung die Aufgabe, mit allen Kräften an der Wiederherstellung der vollen und sichtbaren Einheit aller Jünger Christi zu arbeiten. Das ist sein Bestreben, das ist seine dringende Pflicht. Er ist sich dessen bewußt, daß dafür die Bekundung aufrichtiger Gefühle nicht ausreicht. Es bedarf konkreter Gesten, die das Herz erfassen und die Gewissen aufrütteln, indem sie jeden zu der inneren Umkehr bewegen, die die Voraussetzung für jedes Fortschreiten auf dem Weg der Ökumene ist.

(...) Vor Ihn, den höchsten Richter allen Lebens, muß jeder von uns hintreten in dem Bewußtsein, daß er Ihm eines Tages Rechenschaft ablegen muß über das, was er getan, und das, was er nicht getan hat im Hinblick auf das große Gut der vollen und sichtbaren Einheit aller seiner Jünger. Der jetzige Nachfolger Petri läßt sich in erster Person diese Frage stellen und ist bereit, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um das grundlegende Anliegen der Ökumene zu fördern.

Erste Botschaft in der Missa pro Sancta Ecclesia mit den wahlberechtigten Kardinälen in d. Sixtinischen Kapelle am 20.4.05


Einander helfen

Ich bitte euch, laßt es nie an eurer Unterstützung für mich fehlen! Auch wenn mir einerseits die Grenzen meiner Person und meiner Fähigkeiten bewußt sind, weiß ich andererseits nur zu gut um das Wesen des Auftrags, der mir anvertraut wurde und an dessen Erfüllung ich mit innerer Hingabe herangehen will. Hier geht es nicht um Ehren, sondern um einen Dienst, den es mit Einfachheit und Bereitwilligkeit zu leisten gilt, in der Nachfolge unseres Meisters und Herrn, der nicht gekommen ist, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen (vgl. Mt 20,28), und der beim Letzten Abendmahl den Jüngern die Füße gewaschen und ihnen aufgetragen hat, dasselbe zu tun (vgl. Joh 13,13-14). Es bleibt mir und uns allen zusammen daher nichts anderes übrig, als den Willen Gottes von der Vorsehung anzunehmen und unser Bestes zu tun, um ihm zu entsprechen, indem wir uns bei der Erfüllung der jeweiligen Aufgaben im Dienst an der Kirche gegenseitig helfen.

Ansprache an die in Rom versammelten Kardinäle am 22.4.05


Kein Monarch

Wir wissen einerseits, daß der Papst kein absoluter Monarch ist, sondern sozusagen das Ganze verkörpern muß in dem gemeinsamen Hinhören auf Christus. Aber das Bewußtsein dafür, daß es sozusagen eine vereinigende Instanz braucht, die auch Unabhängigkeit von den politischen Kräften verschafft und die dafür sorgt, daß sich Christianismen nicht zu sehr mit Nationalitäten identifizieren: diese Einsicht, daß es eine solche übergreifende Instanz braucht, die im Zusammenspiel des Ganzen Einheit schafft und andererseits die Vielheit aufnimmt, annimmt und fördert, die ist sehr stark. Insofern gibt es in dem Sinn, glaube ich, wirklich auch eine innere Zustimmung zum Petrusamt in dem Willen, es so weiter zu entwickeln, daß es dem Willen des Herrn und den Anforderungen der Zeit entspricht.

Interview mit ARD, ZDF, Deutscher Welle, Radio Vatikan gesendet am 13. August 2006

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