VISION 20006/2007
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Klar und konsequent im politischen Leben

Artikel drucken Appell an christdemokratische Politiker

Meine Damn und Herren Abgeordneten, Ihre Arbeit, die sich an Grundsätzen orientiert, wird heute, in einer Atmosphäre tiefgreifender Wandlungen, die unsere Gemeinschaften erleben, erschwert. Daher möchte ich Sie noch mehr ermutigen, Ihre Bemühungen, dem Gemeinwohl zu dienen, fortzusetzen und dafür zu sorgen, daß Ideologien, die die Gewissen verdunkeln oder verwirren und die eine illusorische Auffassung vom Wahren und Guten vertreten, keine Verbreitung finden mögen.

Zum Beispiel gibt es im wirtschaftlichen Bereich eine Tendenz, die das Wohl mit dem Profit gleichsetzt. Auf diese Weise zersetzt sie die Kraft des Ethos von innen her und bringt am Ende den Profit selbst in Gefahr. Einige meinen, daß die menschliche Vernunft nicht in der Lage sei, die Wahrheit zu erfassen, und daher unfähig, das Wohl anzustreben, das der Würde der Person entspricht.

Einige halten auch die Zerstörung des menschlichen Lebens in seiner vorgeburtlichen Phase oder in seiner Endphase für rechtmäßig. Besorgniserregend ist darüber hinaus die Krise, in der sich die Familie befindet, die Keimzelle der Gesellschaft, die auf der unauflöslichen Ehe zwischen einem Mann und einer Frau gründet. Die Erfahrung zeigt: Wenn die Wahrheit des Menschen verletzt wird, wenn die Fundamente der Familie untergraben werden, dann ist der Friede selbst gefährdet, dann droht das Recht Schaden zu nehmen und man geht, als logische Folge daraus, Ungerechtigkeiten und Gewalt entgegen.

Ein weiterer Bereich, der euch am Herzen liegt, ist die Verteidigung der Religionsfreiheit, eines unaufhebbaren, unveräußerlichen und unverletzlichen Grundrechts, das in der Würde jedes Menschen verwurzelt und durch mehrere internationale Dokumente anerkannt ist, vor allem durch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Die Ausübung dieser Freiheit umfaßt auch das Recht, die Religion zu wechseln, das nicht nur juridisch, sondern auch in der täglichen Praxis gewährleistet sein muß.

(...) Die Kirche (...) will der Gewissensbildung in der Politik dienen und helfen, daß die Hellsichtigkeit für die wahren Ansprüche der Gerechtigkeit wächst und zugleich auch die Bereitschaft, von ihnen her zu handeln, selbst wenn das verbreiteten Interessenlagen widerspricht. In ihrer Sendung wird die Kirche bewegt von der Liebe zu Gott und zum Menschen sowie von dem Wunsch, mit allen Menschen guten Willens zusammenzuarbeiten, um eine Welt aufzubauen, in der die Würde und die unveräußerlichen Rechte aller Personen gewahrt werden.

Diejenigen, die an Christus glauben, bittet die Kirche, diesen Glauben heute zu bezeugen, mit noch mehr Mut und Großherzigkeit. Die Konsequenz der Christen ist nämlich auch im politischen Leben unverzichtbar, damit das “Salz" des apostolischen Einsatzes seinen “Geschmack" nicht verliert und das “Licht" der Ideale des Evangeliums in ihrem täglichen Handeln nicht verdunkelt wird.

Papst Benedikt XVI.

Ansprache am 21.9.07 beim Empfang des Weltverbandes “Centrist Democrat International" in Castel Gandolfo zitiert in zenit.org v. 12.10.07

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