VISION 20007/2007
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Kein Weg zum lebendigen Gott

Artikel drucken Ein Gespräch über Reiki, Pendeln, Bachblütentherapie und esoterisch gewirkte “Heilung"
 
P. Dr. Clemens Pilar COp
 
“Reiki" und Bachblüten: Angebote, die sich heute regen Zuspruchs erfreuen. Sie verheißen ganzheitliche Heilung und Hilfe, wo die Schulmedizin ansteht. Was ist von beiden zu halten?
 

“Reiki" ist heute weitverbreitet. Können Sie diese esoterische Praxis charakterisieren?

P. Clemens Pilar: Die Ursprünge von Reiki gehen auf den japanisch-christlichen Mönch Usui zurück. Er hat im 19. Jahrhundert gelebt. Während einer Meditation erschien ihm eine Lichtgestalt, die ihm “heilige Rituale, Symbole und Mantras" zeigte und erläuterte. Deren Empfang war seine Einweihung in das Reiki. Reiki bedeutet “göttliche" oder “kosmische Kraft". Wer eingeweiht ist, kann diese Kraft kanalisieren. Sie soll auf den Kranken gelenkt werden, auf die Chakren - nach taoistischem Glauben Energiezentren im Körper -, um so den Menschen zu heilen oder - in den weiteren Stufen des Reiki - ihn spirituell weiter zu entwickeln.

Wie ist Reiki zu bewerten?

P. Clemens: Schon die Fragestellung, die Usui umgetrieben hatte, ist verkehrt: Mit welcher Methode hat Christus geheilt? Hinter dieser Frage steht ein falsches Gottesbild: Jesus wird nur als Meister mit größerem Know-how angesehen, der weiß, wie man heilt. Jesus habe nur eine Kraft verwendet, die der Mensch auch anzuwenden lernen kann. Das Ziel der Heilung wird hier völlig falsch gesehen, nämlich, den Menschen in Harmonie mit einer “göttlichen Energie" oder mit dem Kosmos zu setzen. Die Heilung, die Jesus bringt, setzt uns nicht in Harmonie mit dem Kosmos, sondern besteht darin, daß das Geschöpf eine neue Beziehung mit Gott eingeht. Heilung geschieht nicht durch etwas, sondern durch Begegnung mit jemandem - mit dem lebendigen Gott.

Hat Reiki etwas mit Gebet zu tun?

P. Clemens: Es gibt Reiki-Meister, die vor ihrem Wirken um Öffnung für die Reiki-Kraft beten. Die Lehrmeister behaupten, Reiki sei neutral, jeder könne in seiner religiösen Tradition “beten", um ein Kanal für die Reiki-Kraft zu sein. Daß Reiki-Meister häufig “Gottheiten" oder “Meister der geistigen Hierarchien" - also personale Wesenheiten, “kosmische Geister" - anrufen, um Energien zu aktivieren, sagen sie nicht unbedingt allen, die sie initiieren. Es wird teilweise bewußt verschwiegen, weil - so steht es geschrieben: “Dies der Einzuweihende ohnehin nicht richtig verstehen könnte". Christen, die Reiki anwenden, meinen daher, daß sie zu Jesus beten. Es gibt sogar Reiki-Heiler, die vor der Behandlung den Rosenkranz beten. Es ist in diesem Zusammenhang erhellend, daß in der Bibel eine feine Unterscheidung angebracht wird zwischen denen, die mit dem Namen Jesu Wunder tun (vgl Mt 7,22) und denen, die es im Namen Jesu tun (vgl Mk 16,17). Zu denen, die auf falschen Wegen gehend mit dem Namen Jesu Wunder wirken, sagt Jesus: “Weg von mir, ihr Übertreter des Gesetzes" (vgl Mt 7,23)

Geschehen tatsächlich Heilungen?

P. Clemens: Wie bei allen Okkult- und Geistheilmethoden gibt es Effekte. Manches könnte mit dem Placebo-Effekt erklärt werden: Zuwendung, Entspannung sind wohltuend. Ich meine allerdings, daß solche Erklärungen zu kurz greifen. Tatsächlich kommt man bei Reiki in Kontakt mit einer geistigen Welt. Dieser Umstand wird bagatellisiert. Gibt es aber eine geistige Welt, so kommt man dort nicht mit Kräften und Energien in Kontakt, die passiv sind wie der elektrische Strom. Vielmehr handelt es sich um Kräfte mit einem Willen. Bei allen okkulten Methoden öffnen sich Menschen für den Einfluß geistiger Mächte, die so Zugriff auf den Geist dieser Menschen gewinnen.

Zur Klarstellung: Im Glauben, man zapfe eine Kraft an, läßt man sich also mit personalen Wesen ein.

P. Clemens: Ich würde es so sagen. Viele Reiki-Meister würden sich allerdings gegen diese Sicht wehren. Heute neigt man nämlich dazu, nicht mehr an persönliche Geistwesen zu glauben. Man spricht nur von Energien und Schwingungen. Durch diese Lüge öffnen sich aber viele für Geistwesen, ohne zu wissen, was eigentlich geschieht - und zwar nicht nur jene, die Reiki anwenden, sondern auch jene, die behandelt werden.

Geschieht das auch bei jenen, die meinen, Sie ließen sich mit Jesus ein?

P. Clemens: Ja. Ich muß mich nämlich zunächst fragen, ob ich etwas im Namen Jesu tun kann oder ob ich es im Ungehorsam Gott gegenüber tue. Die Frage also ist: Hat Gott mir das aufgetragen? Die Antwort scheint klar: Göttliche Kraft kann ich niemals als Besitz haben. All diese Ansätze sind schon von der Methode her verkehrt. Wer durch die falsche Tür hineingeht, kann doch nicht glauben, trotzdem mit Gott in Kontakt zu kommen.

Was kann hinter dieser falschen Tür geschehen?

P. Clemens: Ein Vergleich: Ich habe einmal bei einem Buchversand ein Buch bestellt. Dann aber nie mehr wieder. Dennoch bekam ich jahrelang das Werbematerial. Man hatte dort meine Adresse. Genauso sehe ich es bei den erwähnten Methoden: Den Ursprung der Methoden, die okkult sind, sehe ich als “Lügenfirma". Bestelle ich nun dort etwas, so hat diese meine Adresse. Ich habe mich bereiterklärt, etwas von ihr in Anspruch zu nehmen. Ich muß damit rechnen, daß ich nicht nur bekomme, was ich wollte, sondern darüber hinaus mit viel Werbematerial zwangsbeglückt werde - etwa in Form von Einflüsterungen. Dann drängen Inhalte an mich heran, die ich gar nicht hören wollte, die mir schaden: Es kommt zu Depressionen, man kann kein Kreuz mehr anschauen... Mit solchen Folgen muß man rechnen, wenn man sich auf dieses schlüpfrige Terrain begibt.

Geschieht das immer?

P. Clemens: Nein. Das ist wie ein Minenfeld. Man kann durchkommen, es passiert nichts. Aber man läuft Gefahr, daß man sich dieser Weltanschauung öffnet. Wenn ich heute generell rate, Abstand zu nehmen von diesen paramedizinischen Formen mit dubiosem Hintergrund und enger Verbindung zu esoterischen Inhalten, dann deswegen: Sie sind Werbeträger für die esoterische Weltanschauung, für die Lehre von der universellen Lebensenergie. Ob man will oder nicht: Man öffnet sich selbst für diese Lehren, Schritt für Schritt, meist unbewußt.

Ist jede Alternativmedizin gefährlich?

P. Clemens: Es gibt Formen, die nichts mit Okkultismus zu tun haben, etwa die Behandlung mit Kräutertee. Nicht jede Massage ist Geistheilerei. Die Kneipp-Therapie ist auch alternativ, aber sicher nicht okkult. Deshalb verwende ich lieber den Begriff Paramedizin für Methoden, die die klassische Medizin als “Betrug am Patienten" bezeichnet.

Wie unterscheiden sich die Gebete von Christen um Heilung von den erwähnten Heilpraktiken?

P. Clemens: Wenn ich als Christ um Heilung bete, nehme ich den Kranken bei der Hand, gehe mit ihm zu Jesus und sage: “Schau, Jesus, er leidet." Ich bete für ihn, weiß aber nicht, was Gott tun wird. Durch das Gebet helfe ich mit, daß der Leidende eine Beziehung zu Gott aufbaut. Wie Gott heilt, wann Er eingreift, das weiß ich nicht. Ich verfüge nicht über Energien. Genau das aber tut der Reiki-Meister. Er verfügt über diese Energie wie über elektrischen Strom. Wer für einen Menschen betet, ist niemals Herr über das Geschehen. Das Wesen der Heilung, die Gott schenkt, besteht darin, daß der Mensch in eine Liebesbeziehung zu Gott eintritt, ein Kind Gottes wird.

Was sind Merkmale des Heilungsdienstes der Kirche im Gegensatz zu okkulten Heilungen?

P. Clemens: Um das treffend zu beantworten, bräuchte ich eine Zeit der Anbetung. Aber was mir spontan einfällt: Wenn ich für jemanden um Heilung bete, habe ich kein bestimmtes Gebet, das sicher “funktioniert". Vielmehr übergebe ich den ganzen Menschen Gott. Und Gott weiß, was dieser wirklich braucht. Feststeht, daß jedes Gebet um Heilung bei Gott ankommt und erhört wird. Wie die Erhörung ausschaut, weiß ich aber nicht.

Weiters: An den Früchten werden wir erkennen, wer wirkt, sagt Jesus. Eine Wunderheilung ist an sich noch kein Zeichen, daß Gott am Werk ist. Es gibt Scheinheilungen und Symptomverschiebungen. Wen aber der Sohn befreit, der ist wirklich frei (Vgl Joh 6,36). Ich glaube, daß nur Gott ein Problem wirklich wegnehmen kann. Nur Er allein heilt übernatürlich. Geistheilungen sind Verschiebungen der Probleme. Nur Jesus kann ein Problem so aus der Welt schaffen, daß es nie wieder auftaucht. Durch die Heilung, die Gott schenkt, wird man nicht nur gesund, sondern es wird die Beziehung zu Gott vertieft.

Es wird behauptet Dr. Bach, der Urheber der Bachblütentherapie, sei ein gläubiger Mensch gewesen, habe helfen wollen und seine Medizin sei für Christen annehmbar. Stimmt das?

P. Clemens: Beim neuerlichen Durchblättern der Schriften von Dr. Bach wurde mir klar: Wenn jemand lernen möchte, in die Hölle zu wollen, muß er sich nur an das halten, was Bach in seinen Schriften empfiehlt. Sein Menschenbild kann man so kennzeichnen: Der Mensch ist von Natur aus vollkommen, muß diese Vollkommenheit nur in sich entdecken und entfalten. Sünde gibt es nicht. Allein das widerspricht dem christlichen Weltbild. Das zweite: Bach glaubt an Reinkarnation. Zitat: “Es sei daran erinnert, daß das Kind, dessen Schutz uns vorübergehend anvertraut ist, eine viel ältere und reifere Seele sein kann als wir selbst..."

Außerdem ist die Bachblüten-Therapie keine Körpertherapie. Da geht es um die Seele. Und sie zielt auf einen ins Groteske übersteigerten Individualismus. Nur das Ich ist wichtig. Man darf sich nichts von anderen sagen lassen. Letztlich läuft es auf einen absoluten Autismus hinaus.

Dazu zwei Zitate: “Wir dürfen uns von Umständen oder anderen Menschen nicht berühren lassen, damit wir unsere eigenen Herren werden ... Wir müssen absolute und vollständige Freiheit gewinnen, sodaß alles, was wir tun, jede Handlung, ja selbst jeder unserer Gedanken seinen Ursprung in uns selbst hat. Dann werden wir frei aus eigenem Antrieb leben, aus eigenem Antrieb allein."

“Die Mittel, mit denen wir an der Erfüllung unseres Schicksals gehindert werden sollen, mögen sehr subtil sein. Zum Beispiel die Vorspiegelung von Liebe und Zuneigung, ein falsches Pflichtgefühl, Methoden, die uns versklaven und fesseln an die Wünsche anderer. Sie alle müssen erbarmungslos beseitigt werden. ... Die Individualität muß bis zum äußersten entwickelt werden und wir müssen lernen, uns im Leben auf nichts anderes als auf Geleit, Weisung und Hilfe unserer Seele zu verlassen, unsere Freiheit mit beiden Händen zu ergreifen..."

Das ist die Hölle, wie sie C.S. Lewis beschreibt: “Das Kennzeichen der verlorenen Seele ist, daß sie alles von sich weist, das nicht sie selber ist. Der Egoist, den wir uns vorstellen, versucht alles, was ihm begegnet, zu einer Provinz oder zu einem Bestandteil seiner selbst zu machen. Der Sinn für das andere, das heißt eben die Fähigkeit, Gutes zu genießen, ist in ihm erstickt, sofern nicht sein Leib ihn noch hin und wieder in Kontakt bringt zu der Welt außerhalb seiner selbst. Dieser letzte Kontakt aber erlischt im Tod. Nun hat er, was er will. Er lebt ganz und gar im Selbst. Er nimmt Vorlieb mit dem, was er dort findet. Was er aber findet, ist die Hölle."

Im letzten ist die Doktrin des Dr. Bach: Tue nur das, was du wirklich willst. Und das ist ident mit der Philosophie des Neo-Satanismus: Tue, was du willst, das sei das ganze Gesetz. (Aleister Crowley, Begründer des Neo-Satanismus)

Das Gespräch führten Alexa und Christof Gaspari.

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