VISION 20006/2008
« zum Inhalt Christ in der Welt

Wenn Europas Christen in Bedrängnis geraten

Artikel drucken Appell, sich öffentlich zum Glauben zu bekennen

Von vielen unbemerkt, hat sich in Europa eine Stimmung breitgemacht, die das öffentliche Bekenntnis zum christlichen Glauben als Störung empfindet. Der jüdische Gelehrte Joseph Weiler bezeichnete dies als Christianophobie. Im folgenden Gedanken zu diesem Phänomen:

Vor wenigen Tagen wurde bekannt, daß in den Linzer Kindergärten und Horten schon seit Jahren keine Kreuze mehr aufgehängt werden. Obwohl im Kinderbetreuungsgesetz festgelegt ist, daß ein Kreuz in jedem Gruppenraum anzubringen ist, wenn im Kindergarten die Kinder mit christlichem Glauben in der Mehrheit sind, verteidigte die SPÖ-Vizebürgermeisterin Holzhammer diese Praxis gegenüber einer kritischen Anfrage aus der ÖVP.

Sie berief sich unter anderem auf die Trennung von Kirche und Staat und darauf, daß man ja auch “keine anderen religiösen Symbole aufhängen würde". Die Islamische Religionsgemeinde für Oberösterreich betonte daraufhin in einer Aussendung, Kreuze in Kindergärten und Schulen stellten kein Problem für Muslime dar.

Dieses Beispiel zeigt uns mehrere Aspekte eines in Europa relativ neuen Phänomens: die Christianophobie, ein vom jüdischen Gelehrten Joseph Weiler geprägter Begriff. Er bezeichnet eine zunehmend vorherrschende Intoleranz, die sich in der schrittweisen Verbannung christlicher Symbole und in der Diskriminierung von Menschen mit christlicher Überzeugung manifestiert.

Der Linzer Fall wirft u.a. die Frage nach der Reaktion der Christen selbst auf: Ist den katholischen Eltern in Linz seit Jahren keine Veränderung aufgefallen oder waren sie nicht mutig genug, nach dem Kreuz zu fragen? Vielleicht ist auch den Christen gar nicht so klar, was “Trennung von Kirche und Staat" bedeutet und daß sie keineswegs das Verbot religiöser Symbole verlangt.

Joseph Weiler, Professor für Völkerrecht an der New York University, meint dazu: “Der europäische Laizismus ist, im Gegensatz zum amerikanischen Säkularismus, nicht einfach nur ein ’Ich glaube nicht an Gott', sondern eine Art Glaube für sich. Es handelt sich um eine aktive Feindseligkeit gegenüber der Religion, im Fall Europas gegenüber dem Christentum."

Weiler weist darauf hin, daß ein Verbot des Anbringens von Kreuzen im öffentlichen Raum keineswegs ein Zeichen der Neutralität des Staates sei. Es sei eine klare Parteinahme zugunsten einer agnostischen Weltsicht. Auch eine weiße Wand im Gericht oder Spital ist ein Symbol, insbesondere, wenn vorher jahrhundertelang ein Marienbild oder ein Kreuz diese Wand geschmückt hatten.

In anderen europäischen Ländern weht der laizistische Wind den Christen allerdings viel aggressiver ins Gesicht als bei uns. Die Verfolgung jener “politisch inkorrekten" Positionen, die wesentlich zum christlichen Glauben gehören - etwa die Ablehnung der Abtreibung oder der “Homo-Ehe" - ist teilweise massiv: Dokumentierte Fälle reichen von Entlassungen - einer Angestellten an einem Schalter von British Airways in London, die ihr kleines Kreuz am Hals weiterhin tragen wollte - bis hin zur Verhängung von Strafen. In einigen Fällen wurden Personen sogar zu Gefängnishaft verurteilt.

Der französische Parlamentarier Christian Vanneste wurde 2006 wegen kritischer Äußerungen zur Homosexualität zu rund 10.000 Euro Strafe verurteilt. Ein Jahr später wurde der anglikanische Bischof von Herford, Anthony Priddis, zu einer Strafe von über 60.000 Euro und zur Absolvierung eines “equal opportunities trainig" verurteilt, weil er einen homosexuellen Bewerber für eine Stelle in der Jugendseelsorge - übrigens auf sehr sachliche Weise - abwies.

Bischof Hilarion Alfeyev, Repräsentant des Moskauer Patriarchats (der russisch-orthodoxen Kirche) für die europäischen Organisationen, beschuldigt die EU, anti-christliche Diskriminierung in EU-Mitgliedsländern zu ignorieren: “Im Beharren auf Toleranz verurteilen EU-Spitzen Islamophobie und Antisemitismus, ignorieren aber allzu oft verschiedenste anti-christliche Praktiken." Bischof Hilarion nennt als eine der Praktiken das vielfältige Bemühen, die Kirche aus dem öffentlichen Leben zu verbannen.

Papst Johannes Paul II. forderte Europa schon 1983 in Lourdes auf, neben Tod, Gefängnis und Verbannung “raffiniertere Strafen" nicht zu übersehen, etwa soziale Diskriminierung oder subtile Freiheitseinschränkungen, die “eine Art zivilen Todes" bedeuten können: “Auch ein materialistisches oder religiös gleichgültiges Klima, das alle geistigen Bestrebungen erstickt", könne den Gläubigen viel Mut abverlangen, “einen klaren Blick zu bewahren, treu zu bleiben und ihre Freiheit gut zu gebrauchen."

Eine Gegenstrategie zum intoleranten Geist im Namen der “Toleranz" ist die Stärkung des Selbstvertrauens der Christen: Viel von dem, wofür Europa berühmt ist, stammt aus dem Christentum. Zur Humanisierung Europas hat es entscheidend beigetragen - und hat immer noch viel zu bieten. Es liegt an uns Christen, mit Selbstbewußtsein am öffentlichen Leben teilzunehmen. Dadurch werden christianophobe Tendenzen abgeschwächt.

Die Initiative “Europa für Christus!" unterstützt christliches Engagement durch Kurztexte, die Hintergrundinformation liefern, aber auch beschreiben, wie man als Christ erfolgreich zu öffentlichen Debatten beitragen kann. “Europa für Christus" ist außerdem ein Gebetsnetzwerk: Viele tausend Menschen beten täglich ein Vaterunser für ein Europa, das seinen christlichen Bauplan nicht verleugnet und dadurch seine historisch einmalige Dynamik wiedergewinnt.

Martin Kugler


Christianophobie

Die christliche Netzwerk-Initiative “Europa für Christus" in Wien hat kürzlich eine Webseite gestartet. Sie erklärt den Begriff, stellt wichtige Zitate und Anregungen darüber bereit und veröffentlicht Fälle von Christianophobie (Verspottung oder Verhöhnung des christlichen Glaubens, Entfernung christlicher Symbole, Attacken auf den Glauben in Film und Fernsehen) in ganz Europa. “Christianophobie bedeutet irrationaler Haß gegenüber Christen oder dem christlichen Glauben," erklärt Gudrun Kugler, Juristin und Initiatorin der Webseite. Der Begriff hat bereits Eingang in diverse Dokumente der UNO und OSZE gefunden. Auch der Vatikan, u.a. Erzbischof Dominique Mamberti, Sekretär für die Beziehungen mit den Staaten, unterstützt die offizielle Anerkennung des Phänomens.

Siehe: www.christianophobia.eu und: www.europe4christ.net.

© 1999-2020 Vision2000 | Sitz: Beatrixgasse 14a/12, 1030 Wien | Mail: vision2000@aon.at | Tel: +43 (0) 1 586 94 11