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Hilfe bei Depression

Artikel drucken Die Auslöser einer Massenerkrankung verstehen

Anlässlich des Welttages für psychische Gesundheit am 10. Oktober veröffentlichte die WHO folgende Information: Es leben weltweit 350 Millionen Menschen mit Depressionen, 50% aller schweren Depressionen werden jedoch nicht behandelt. Viele der Betroffenen wollen sich die Erkrankung nicht eingestehen, da damit immer noch ein Gefühl der persönlichen Unzulänglichkeit und der Scham verbunden sei. Oft würden Betroffene zögern, Hilfe in Anspruch zu nehmen, obwohl wirksame Behandlung verfügbar sei. Folge davon ist unnötiges Leid, eine große Belastung der Angehörigen aber auch hohe Kosten für die Gesellschaft.
Depressionen würden auch Krankheiten wie Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall usw… zumindest mitverursachen. Bei 25% der Besucher einer Arztpraxis liegen laut WHO Depressionen vor. Sie fallen dem Gesundheitspersonal jedoch leider häufig nicht auf.
Ausreichend Gründe also, um sich mit diesem Thema, von dem viele von uns direkt oder indirekt betroffen sind, näher auseinanderzusetzen!
Ingeborg Obereder, Psychologin und Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie) tut dies ausführlich in ihrem Buch Depression – Verstehen, Auslöser, Hilfen. Sie sagt dazu selbst in der Einleitung, dass sie einerseits zum Verstehen von Depressionen beitragen möchte, Auslöser erklären, Hilfen aus der Psychotherapie anbieten, vor allem aber „auf Hilfen aus dem Glauben hinweisen“ möchte – was man in der umfangreichen bereits veröffentlichten Literatur zum Thema Depression eher selten findet.
Im ersten Teil des Buches erfährt der Leser, wie häufig Depressionen vorkommen und wodurch sie entstehen können, dass beispielsweise Denkfehler, Verstärkerverluste, die „gelernte Hilflosigkeit“ aber auch nicht bewältigte Schuld dafür verantwortlich sein können. Im nächsten Kapitel widmet sich die Autorin dann der „Hilfe zur Selbsthilfe“ und erklärt, auch anhand von vielen anschaulichen Beispielen und Geschichten, wie man den negativen Gedanken und Einstellungen, dem „Gefühl der Hilflosigkeit“ usw… den Kampf ansagen kann.
Im letzten großen Kapitel beschäftigt sich die Autorin dann mit den „Hilfen aus dem Glauben“, etwa den Themen: Schuld vergeben, Sinnsuche, gelebte Nächstenliebe, Dank und Lobpreis, Heilung durch die Liebe Gottes und nicht zuletzt der Freude des gelebten Christentums. Auch den Tugendkräften und Lebensregeln der Hl. Hildegard von Bingen ist ein Kapitel gewidmet.
Ich empfehle das Buch jedem, der sich für das Thema „Depression“ interessiert und mehr darüber erfahren möchte. Nach Lesen des Buches ist das Wissen um diese Erkrankung bestimmt groß genug, um bei sich selbst, aber auch bei anderen, zu erkennen, ob die Erkrankung vorliegt und es daher wichtig ist, zu handeln. Weiters erhöht die Lektüre sicher auch deutlich das Verständnis für Betroffene.
Bei Vorliegen depressiver Verstimmungen gibt es viele unterschiedlichste Anregungen, besser mit der Problematik zurechtzukommen. Bei Bestehen einer klinischen Depression, und das betont die Autorin gleich zu Beginn des Buches selbst, sollte jedoch auf jeden Fall zusätzlich zu den Hilfsangeboten, die das Buch bietet, eine psychotherapeutische und/oder fachärztliche Behandlung in Anspruch genommen werden.
Nicole Gaspari
Depression – Verstehen, Auslöser, Hilfen. Von Ingeborg Obereder. Mediatrix-Verlag, 144 Seiten, 13,30€.
Die Autorin ist Psychotherapeutin in Wien.

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