VISION 20006/2012
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Eine Wende für den Religionsunterricht

Artikel drucken Ein erster Schritt: die Korrektur der Religionsbücher (Von Weihbischof Andreas Laun)

Religionsunterricht: erfreulich, dass er an öffentlichen Schulen angeboten, aber auch sehr be­fremdlich, dass in ihm vielfach nicht der Glaube gelehrt und nahegebracht wird. Da bedürfe es dringend einer Erneuerung. Wie sie vonstatten gehen könnte, im folgenden Beitrag.

Viele Eltern habe schon die Erfahrung gemacht: Es steht nicht gut um den katholischen Religionsunterricht und es gibt Eltern, die ihre Kinder abmelden – nicht, weil sie den Glauben der Kirche ablehnen, sondern im Gegenteil, weil sie ihn ihren Kindern bewahren wollen! Nicht, dass es nicht auch gute Religionslehrer gäbe, Tatsache ist aber: Diejenigen, die klagen, können Dinge erzählen, die man nie und nimmer für möglich gehalten hätte.
Vor allem Zeitgeist-Ideologien wie das Ja zur Evolution, zu Abtreibung, zu sexueller Freizügigkeit und Gendermainstream sind weithin eingedrungen. Die oft gehörten Klagen über den Religionsunterricht, in Österreich so gut wie in Deutschland und anderen Ländern, sind, das lässt sich nicht leugnen, in den meisten Fällen berechtigt. (…)
In Österreich hat Christoph Kardinal Schönborn nach US-Vorbild den Katechismus als Richtschnur für Religionsbücher gefordert, was nicht hindert, dass ein Buchautor offenbar die Fristenlösung für richtig hält (trotz KKK Nr. 2273), ein anderer lehren lässt, dass Homosexualität heute akzeptiert sei – ohne die Unterscheidung zwischen öffentlicher Meinung und kirchlicher Lehre (trotz KKK Nr. 2257), und ein dritter das häretische Kirchenvolksbegehren als Reformbewegung in der Kirche bezeichnet.
Andere Beispiele wären leicht zu nennen, die Diagnose ist nicht schwer zu erstellen und die Richtung, in der die Therapie gehen müsste, lässt sich skizzieren: Auf der einen Seite hat und hätte die Kirche in Mitteleuropa immer noch – wie lange noch? – die historisch einzigartige Chance, die Kenntnis des katholischen Glaubens im Rahmen der Schule und großteils vom Staat bezahlt weiterzugeben. Aber angesichts der fehlerhaften Bücher, angesichts der vielen Klagen über den Religionsunterricht und auch angesichts des religiösen Nichtwissens der Jugend trotz jahrelangen Unterrichts ist dies unabweisbar: Die Kirche nutzt ihre Jahrhundert-Chance mit dem in der Schule verankerten Religionsunterricht nicht wirklich gut!
Daraus ergibt sich die Frage: Woran liegt es? Die Antwort: Es sind die Unterlagen nicht, wie sie sein sollten; es liegt an schlecht gebildeten und verbildeten, manchmal sogar an nicht wirklich gläubigen Lehrern; das Übel kommt von den Ausbildungsstätten der Lehrer und zuletzt von den Theologischen Fakultäten.
Wenn diese Diagnose stimmt, lässt sich die Wende etwa so beschreiben: Man muss die Bücher korrigieren, sich bemühen um eine Erneuerung der Lehrer, die Religion unterrichten, und ebenso um eine Reform der Religionsakademien für Religionslehrer – und zuletzt um Reform der katholischen Universitäten!
Unmittelbaren und leichten Zugang haben die Verantwortlichen zu den Büchern und anderen Materialien im Religionsunterricht. Auch wenn es das „vollkommene“ Buch nicht geben mag, ein fehlerfreies Buch, das mit den Lehren der Kirche über­einstimmt, zu schaffen, ist möglich. Nach einer ebenfalls notwendigen Korrektur der Lehrpläne kann man die Bücher sehr wohl ändern.
Falsch wäre dabei die Annahme, man könne die Bücher nur „schrittweise“ ändern! Warum nicht sofort, warum schrittweise, welche Schritte könnten gemeint sein? Ein kritischer guter Theologe kann ein Religionsbuch durcharbeiten und „in einem Schritt“ korrigieren, was zu korrigieren ist! Man stelle sich vor, jemand wollte bei Fehlern in einem medizinischen Handbuch oder in der Bedienungsanleitung für einen Airbus schrittweise Verbesserungen vorschlagen! Wie viele Menschen wären schon tot, bis die Bücher „fertig“ korrigiert sind? Nein, fehlerhafte Religionsbücher kann man sofort vollständig fehlerfrei machen!
Nur ein Ahnungsloser kann meinen, mit der Korrektur der Bücher wäre schon fast alles getan. Natürlich nicht, damit könnte nur ein langer Weg beginnen, der steiler wird, je weiter man ihn geht: Verpflichten auf ein Buch kann man die Lehrer nicht, wenn sie das Buch erbittert ablehnen und die katholischen Inhalte selbst nicht für wahr halten! Es wäre, wie wenn man einen Piloten zwingen wollte, ein Flugzeug zu fliegen, auf das er nicht eingeschult wurde! Aber immerhin, man könnte katholische Bücher auf den Markt bringen und sie wenigstens „gleichberechtigt“ zu den noch existierenden, anderen Büchern anbieten! – Eine persönliche Anmerkung sei erlaubt: Ich selbst habe eine Serie von acht „orthodoxen“ Religionsbüchern geschrieben (siehe www.glaube-und-leben.at): Es wäre leicht, sie als erste Notmaßnahme einzusetzen!
Nicht Bücher lehren, sondern Menschen! Darum wäre es das Wichtigste, mit den Lehrern ins Gespräch zu kommen: über den katholischen Glauben, über das Für-wahr-Halten von Dingen, die man nicht sieht, über das Lehramt der Kirche. Ebenso müsste besprochen werden, was „kirchlicher Gehorsam“ bedeutet und dass der Religionslehrer angestellt und bezahlt wird für die Vermittlung der katholischen Lehre und nicht die seiner, des Lehrers persönliche, vom Glauben der Kirche abweichende Meinung. Er sollte sich auch klar werden: Wenn er den Glauben der Kirche wirklich nicht mehr teilt und sich auch nicht mehr in der Lage sieht, ihn sachlich und objektiv zu lehren (wenigstens so neutral, wie er den Islam und andere Religionen darstellt), sollte er redlicherweise gehen.
Der nächste Schritt könnte die Veränderung des Nachwuchses sein: Zunächst müsste die Erteilung der „venia legendi“ ernsthaft gehandhabt werden, mit Hilfe eines ernsthaften, wirklichen Scrutiniums der Kandidaten. Es darf nicht genügen zu hören, der Bewerber sei „engagiert“. Das ist kein katholisches Gütesiegel, daraus folgt keineswegs, dass er wirklich rechtgläubig und bereit ist, den Glauben der Kirche zu lehren, im Konfliktfall auch trotz einer anderen „eigenen Meinung“. „Engagiert“ waren alle Häretiker der Geschichte und engagiert ist auch der Teufel selbst!
Zudem könnte man die Lehrer nachschulen in verpflichtenden Sommer-Seminaren! Viele, nicht alle, könnte man so erreichen und zu wirklich katholischen Religionslehrern formen. Niemand wird vermuten, dass dann alle Religionslehrer wirklich gläubige Katholiken und glänzende Pädagogen sein werden! Das nicht, aber es wäre ein großer Schritt in die richtige Richtung!'
Schwieriger wird es sein, die Akademien zu verändern, an denen die Religionslehrer ausgebildet werden. Dazu wird es vieler Gespräche bedürfen, aber auch sanften Drucks: Wenn die Akademie nicht orthodoxe Lehrer ausbildet, können ihre Absolventen nicht in den Dienst der Kirche übernommen werden und müssen in andere Berufe ausweichen! Dann wird es vielleicht nötig sein, alternative, rechtgläubige Ausbildungsstätten zu schaffen.
Der letzte Schritt ist der schwierigste: die Veränderung der katholischen Universitäten. Der einzelne Bischof wird kaum die Möglichkeit haben, eine nachhaltige Reform herbeizuführen. Aber anfangen müsste man und der erste Schritt wäre: die Situation zu analysieren, sich auch ein bedrückendes Ergebnis einzugestehen und dann nicht mehr aufzuhören darüber nachzudenken, was man machen könnte.
Es ist klar, die hier vorgelegten Gedanken müssten sorgfältig bedacht und auch diskutiert werden. Wer sich darauf einlässt, muss wissen: Es wird ein langer Weg sein und ein steiniger! Das ist wahr, aber jeder lange Weg beginnt mit dem ersten Schritt und dieser erste Schritt wird es sein, nach dem Gott uns zuerst fragen wird!
Auszug aus: Ihr sollt meine Zeugen sein! Beiträge zum Zeitgeschehen. Von Andreas Laun. kirche heute. 252 Seiten. Kirche heute Verlags-GmbH, PF 1406, D-84498 Altötting,
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