VISION 20005/2014
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Geschieden und wieder versöhnt

Artikel drucken Geschichte einer wieder gekitteten Ehe (Florence Briere-Loth)

Als ich erfuhr, dass mich mein Mann betrügt, habe ich einen Priester aufgesucht,“ erzählt Do­rothée im Rückblick auf ihre Ehekrise. „Dieser hat mich zu einer Eheberaterin geschickt, die mir zur Scheidung geraten hat. Noch am selben Nachmittag war ich beim Anwalt…
Rein menschlich gesehen, hatte die Ehe von Eric und Dorothée schlecht begonnen: nämlich von den Eltern zum Heiraten gedrängt, damit das Baby, das unterwegs war,  nicht unehelich sei. Die beiden sind damals 18 und 20. Sie lieben einander seit drei Jahren. Sie ist noch in der Schule, er arbeitslos. Das Kind stirbt einen Monat vor der Hochzeit. Im August 1976 wird geheiratet. Ohne Glanz. Die Eltern wollen keine Feierlichkeiten. „Wir haben das wie eine Hochzeit zu Ausverkaufspreisen erlebt,“ erinnert sich Eric. „Sie war verpatzt. Kaum Freunde, alles war irgendwie trist…“
Damit beginnen auch schon die Probleme. Dorothée arbeitet als Verkäuferin im Geschäft der Eltern. Eric stürzt sich seinerseits in ein Studium, gibt aber nach einem Jahr auf. „Verheiratet zu sein, macht es schwierig, abends zu lernen.“ Er hat also keine Ausbildung. „Man hat mir kleine Jobs angeboten.“ Den Eltern missfällt das.
1978 und 1980 kommen zwei Mädchen zur Welt: Aurélie und Marie. Eric macht ein Diplom als Turnlehrer. Ein guter Job wird ihm in der Hauptschule von Arras angeboten, zusammen mit wichtigen pädagogischen Aufgaben. Dorothée wiederum übernimmt die Leitung des neuen Geschäfts der Familie in der Kleinstadt, in der sie leben, 80 Kilometer von Arras entfernt. Sie geht in ihrem Job auf, verdient mehr als ihr Mann. „Für mich ist Eric in den Hintergrund gerückt,“ gesteht sie. „Er arbeitete anderswo, verdiente wenig. Das hat ihn in meinen Augen abgewertet.“
Dorothée wird eine richtige Geschäftsfrau. Bei ihr zählt die Rentabilität. „Mir war nicht bewusst, dass Eric in seinem Job glücklich war. Ich habe einfach nur  wie eine Buchhalterin den Ertrag berechnet.“ Eric wird bedrängt und wechselt in eine näher gelegene Schule. „Sie war kleiner,“ erzählt er, „mit weniger Möglichkeiten. Langsam wurde ich depressiv.“ Zwischen beiden öffnet sich ein Graben. Eric landet in den Armen einer Schülerin.
Die Ehe wird geschieden. Für Eric beginnt der Absturz. „Mein Verhältnis ist bald aufgeflogen. Ich habe meinen Job verloren. Sechs Monate war ich komplett am Boden, allein.“ Ein schwaches Licht am Ende des Tunnels: eine Woche in Paray-le-Monial. Jugendfreunde, Michel und Patricia, beide sehr gläubig, nehmen ihn mit. Dort ist er vom Glauben berührt: „Wieder daheim, war ich überzeugt, ich würde Dorothée wiederfinden.“
Solche Gedanken sind ihr jedoch völlig fremd. „Nach unserer Scheidung habe ich mein Herz ein für alle Mal verschlossen. Ich wurde zur Kämpferin. Während meiner Scheidung haben mich alle für total stark gehalten. Tatsächlich aber war ich todunglücklich. Tief im Inneren liebte ich Eric immer noch. Aber ich hatte Angst, weil das Leben mit ihm unerträglich geworden war.“
Eric findet mehr und mehr zum Glauben. Er gibt die Hoffnung nicht auf, seine Familie wiederaufzubauen – aber mit der Hilfe Gottes: „Ich liebte Dorothée immer noch, wollte aber nichts übers Knie brechen.“ Er zieht zurück in ihre Gegend, ohne großes Aufsehen, sieht Dorothée erst drei Monate später. „Damals hat er mir viel von Gott erzählt. Langsam hat mich Eric bekehrt.“ Von Versöhnung ist jedoch keine Rede.
Seit seiner Rückkehr nimmt Eric an einer Gebetsgruppe teil. Ein Beichtvater begleitet ihn. „Das hat mir geholfen, mein Unrecht zu erkennen.“
Anlässlich einer Geschäftsreise bittet Dorothée Eric, sie zu begleiten. Der Mann, den sie treffen wollte, erzählt zufällig von Einkehrtagen für Paare. „Eric hat den Prospekt eingesteckt und wir beschlossen hinzufahren.“
„Für mich,“ gesteht Dorothée, „war das dort eine kalte Dusche. Wir haben Vorträge über Mann und Frau gehört, einfache Wahrheiten, die wir nie zuvor gehört hatten. Ich begriff: Jesus ist mein Retter, Er kann auch meine Ehe retten. Mit Seiner Hilfe könnten wir wieder zusammenfinden.“ Sie versöhnen sich während der Einkehr, bitten einander um Vergebung. Dorothée erkennt, was sie falsch gemacht hat: „Und dabei hatte ich stets gedacht, nur er sei schuld. Jetzt wurde mir klar, dass er aus seelischer Not gehandelt hatte und nicht so sehr mit dem Willen, uns  zu verlassen.“
Nach ihrer Rückkehr ziehen sie wieder zusammen. Ihr Umfeld bleibt skeptisch. „Uns wurde klar, es sei besser,“ erklärt Eric, „die Gegend zu verlassen, um unsere Ehe zu retten. In der Kleinstadt lastete die Erinnerung an unsere Vergangenheit zu schwer auf uns.“ Dorothée wiederum begreift, dass sie sich mehr auf Eric als auf ihre Familie verlassen soll: „Wir wollten wieder von Null aus beginnen, um etwas zu zweit aufzubauen.“
Ihr beruflicher Neustart im Süden schlägt fehl. Das Geschäft geht nicht, sie müssen es schließen. „Wir merkten, der Herr nimmt uns alles.“ 1992 stehen sie mittellos da, müssen Nahrungsmittelhilfe für die Kinder in Anspruch nehmen, vor allem weil sich ein drittes Mädchen, Frucht ihrer Versöhnung, eingestellt hatte. „Ganz schlimme Zeiten,“ erzählt Dorothée, „aber nie zuvor haben wir so viel miteinander gebetet, oft zwei Stunden täglich. Was unsere Versöhnung anbelangt, daran wurde nie gerüttelt.“
Am 13. Juni 1992 heiraten sie wieder auf dem Gemeindeamt. Eine neue Betätigung für Eric steht in Aussicht. Das Schlimmste haben sie hinter sich, auch die Kinder. „Für sie ist unsere Versöhnung das größte Geschenk. Alles andere zählt kaum,“ stellt Dorothée fest. Und Eric ergänzt: „Ohne Gott wäre unsere Ehe nicht wieder aufgelebt. Wir durften die Kraft des Ehesakraments erfahren.“

Aus Famille Chrétienne v. 3.6.93

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