VISION 20005/2014
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An vorderster Front

Artikel drucken Birgit Kelle: eine Mutter von vier Kindern legt sich mit der Gender-Ideologie an (Von Alexa Gaspari)

März 2014: Ein vollbesetzter Keller in der Wiener Innenstadt – alles junge Leute, Studenten. Mittendrin eine fesche junge Frau, offene dunkle Haare, mit dem Mikrofon in der Hand: Birgit Kelle. Thema ist ihr lesenswertes Buch: Dann mach doch die Bluse zu. Temperamentvoll, lebendig, mit einem guten Schuss Humor landet sie gleich bei ihrem Lieblingsthema: die Mutter, die zu Hause selbst ihr Kind großziehen will! Antiquiert? Passé? Keineswegs, wenn man die positive Reaktion des jungen Publikums ernst nimmt. Auch bei ihren anderen Auftritten (im Herbst übrigens wieder in Österreich: Termine S. 23) geht es ähnlich zu. Kelle spricht, wie es scheint, der Jugend, aber nicht nur ihr, aus dem Herzen.
Vorige Woche: Theologische Sommerakademie in Aigen. Birgit Kelle spricht über „Genese und Ausmaß der Genderideologie“. Im diesmal stark priesterlich geprägten Publikum erntet sie mit ihrer Analyse ebenfalls Zustimmung. Anschließend setze ich mich mit der engagierten Mutter und Journalistin, die keine Angst davor hat, die „heißen Eisen“ aufzugreifen und ihre Meinung in Internet-Blogs, bei Talkshows und Vorträgen öffentlich zu äußern, zusammen. Sie erzählt mir aus ihrem Leben…
1975 kommt sie im kommunistischen Rumänien zur Welt. Ihre Familie gehört zur deutschen Minderheit der Siebenbürger Sachsen, die durchwegs evangelisch sind. Daher wird auch sie, wie ihr älterer Bruder, evangelisch getauft. In der Familie wird ein Traditionschristentum gelebt. Der kommunistische Staat sieht aber auch das nicht gern: So gibt es z.B. zu den Zeiten, in denen die Konfirmation angesetzt ist, stets staatliche Veranstaltungen, an denen alle jungen Leute teilzunehmen haben.
Birgits Eltern beschließen, dem Kommunismus, der ihnen so viel Unfreiheit beschert, den Rücken zu kehren und auszuwandern. Kein einfaches Unterfangen. Denn kaum hatten sie um eine Ausreisegenehmigung angesucht, treten auch schon Benachteiligungen ein: Birgits Mutter gilt von da an als verdächtig und darf ihren Beruf als Lehrerin nicht mehr ausüben. Nach Jahren des Wartens ist es 1984 endlich soweit: Die Familie zieht nach Deutschland, in die Nähe von Freiburg. Birgit ist neun Jahre alt.
Mit 14 geht sie zur Konfirmation: „Mit dem evangelischen Pfarrer bin ich gleich aneinandergeraten. In der Pubertät ist man interessiert und hinterfragt die Dinge. Aber er hat kritische Fragen einfach abgeblockt: Diskussion beendet – immer dann wenn es gerade spannend wurde.“ Da sie keine Antworten bekommt, lässt sie es eben bleiben: „Damals habe ich mit dem Thema Christentum eigentlich abgeschlossen…“ – „Später,“ fügt sie hinzu „in der katholischen Kirche habe ich das anders erlebt, nämlich dass Priester sich sehr wohl kritischen Fragen gestellt haben und man über alles diskutieren konnte.“
Nach dem Abitur beginnt sie mit dem Jus-Studium, bricht es aber nach der Zwischenprüfung ab, da sie lieber als Journalistin arbeiten möchte – zunächst als Praktikantin beim Badischen Verlag, später in der Radioredaktion für Boulevardnachrichten, Interviews mit Prominenten… In dieser Zeit lernt sie den sympathischen Chef kennen – und lieben: Ein Katholik, mit dem sie bald auch über das Christentum zu diskutieren beginnt. Zu den üblichen Themen: Pille, Zölibat, Frauenpriestertum… vertritt sie die Sichtweise der weltlichen Medien, überzeugt, da sei ohnedies alles klar. Ihr späterer Mann dagegen kann die katholische Position gut begründen, widerlegt ihre Argumente. „So wurde ich zum ersten Mal wieder mit dem Thema Kirche, das in meinem Leben ja keine Rolle mehr gespielt hatte, konfrontiert,“ erinnert sie sich.
Die Geburt der ersten Tochter Emma 1999 ist ein weiterer Wendepunkt in ihrem Leben. Lebhaft erzählt sie: „Das war etwas absolut Weltbewegendes. Ich war fasziniert, dass ich als Frau in der Lage war, ein Kind zu bekommen, zu spüren, wie es in mir heranwächst, wie ich es später auf die Welt bringen konnte und es – indem ich es stille – mit allem versorgen kann, was es braucht. Das ist doch ein perfekter Kreislauf.“ Und lachend setzt sie fort: „Das ist doch ein System das nicht durch zufälliges Aufeinandertreffen von Aminosäuren entstanden sein kann. Da habe ich zum ersten Mal angefangen, mich ernsthaft zu fragen, wo kommen wir her, wohin gehen wir und wer hat dieses perfekte System vollbracht?“
Dass dies nicht alles Zufall sein kann, dass diese Biologie von Gott geschaffen sein muss, wird ihr jetzt schnell klar. Nach Pauls Geburt 2001 wird geheiratet – offensichtlich haben sie es sich gut überlegt!
Als sie ihr drittes Kind, Emil, noch stillt, wird sie zu einer katholischen Frauengruppe eingeladen, die ihr sehr imponiert. „Dass ich die einzige Evangelische war, war nie ein Problem. Ich war immer willkommen,“ erinnert sie sich dankbar: „Da wurde viel diskutiert: Über das Frausein, über das Muttersein, auch wie die Kirche die Frau sieht. Ich war fasziniert davon, wie diese katholischen Frauen intensiv glaubten, völlig ohne zu zweifeln, ich kam mir dagegen recht unzulänglich vor, weil ich vor allem wissen wollte und weniger ,nur’ glauben. Ich traf da auf so viele Frauen, lebenslustig, zufrieden, in sich ruhend, die völlig in ihren Projekten wie Jugendarbeit, Pfarrgemeinde usw. und vor allem in ihrem Glauben aufgingen. Sie hatten überhaupt kein Problem mit dem Klischee, dass angeblich die katholische Kirche so frauenfeindlich sei.“ Dort kommt sie auch mit einem Priester ins Gespräch, der ihr anbietet, über den Glauben und all ihre Fragen zu sprechen.  Dieses Angebot nimmt sie gerne an und nutzt es gut in den nächsten Jahren. Niemand drängt sie. Die Initiative zu den Gesprächen muss von ihr ausgehen.
Und lächelnd stellt sie fest: „ Ja und eines Tages musste ich feststellen, dass ich schon längst katholisch, ja vielleicht sogar katholischer war als die meisten Katholiken, die ich kannte und dass es daher nur konsequent wäre, wenn ich endlich den Schritt in die Kirche tue. Es war gut, dass ich nie gedrängt worden war – auch nicht von meinem Mann. Es nutzt ja nichts, wenn man unter Druck gesetzt wird. Der Glaube muss einen innerlich berühren.“
Bis zu diesem Schritt habe es Zeiten gegeben, „wo ich Gott aus Frust, Verzweiflung und auch aus Wut alles hingeschmissen habe. Warum, fragte ich, ist alles schief gegangen, obwohl ich so viel tue?“ Und als Antwort geschahen Dinge, „wo ich wusste, das kann jetzt kein Zufall sein. Wo ich zum ersten Mal das Gefühl hatte,“ – jetzt lächelt sie – „Er hat mir wirklich zugehört. Da haben sich Dinge ereignet, die rational nicht erklärbar waren: Probleme haben sich gelöst, eine Tür ist aufgegangen, mit der man nicht gerechnet hatte, Dinge haben auf einmal funktioniert und ich wusste sicher: Das ist kein Zufall.“
Das Ergebnis: „So bin ich dann 2011 katholisch geworden und habe es nicht bereut.“
Warum das so lange gebraucht habe, frage ich. Mein Gegenüber erklärt: „Wer katholisch getauft ist, katholisch aufwächst, als Kind Ministrant ist, regelmäßig zur Kommunion geht, hinterfragt das im allgemeinen wohl nicht. Aber jemand, der sich als Erwachsener überlegt, die Konfession zu wechseln, der fällt eine weitreichende Entscheidung, die er sehr bewusst treffen muss.“
Seither wird sie ja immer wieder von Nichtkatholiken gefragt, warum sie katholisch geworden sei, wo die Kirche doch so frauenfeindlich sei. „Da antworte ich: nein, das ist mir bis jetzt nicht aufgefallen. Ich treffe da ganz viele Frauen, die weder einen unterdrückten noch unglücklichen Eindruck machen. Und übrigens: Die katholische Kirche ist die einzige Institution in unserem Land, die mich als Frau bestätigt und nicht ändern will oder kritisiert. Sie hat mit meinem Frausein – wie ich als Frau und Mutter glücklich bin – kein Problem. Für alle anderen ist es ein Ärgernis: für die Gesellschaft, die Feministinnen, die Politik. Sie sagen: Du lebst falsch, geh wieder in deinen Beruf zurück. Alle wollen, dass ich mich ändere. Nur die katholische Kirche sagt: Es ist okay, so wie du bist. Das kann ich doch nicht als frauenfeindlich empfinden!“
Eine Frau sei heutzutage eigentlich nur wertvoll, meint Birgit Kelle, wenn sie so viel verdient wie ein Mann und Karriere macht. „Wollen wir Menschen wirklich nur danach bewerten, welche Position sie in irgendeiner Hierarchie einnehmen oder wie viel Vermögen sie haben? Ist eine Frau, die oft unter schwierigen Umständen ihr Leben lang Geld durch Putzen verdient, weniger wertvoll? Das ist doch zutiefst menschenfeindlich. Hat Mutter Teresa, die nie einen Cent verdient hat, deshalb in ihrem Leben nichts geleistet?“
Bis zu ihrer ersten Schwangerschaft hatte Kelle sich immer als emanzipierte junge Frau gefühlt und nie den Eindruck gehabt, dass Frau zu sein, ein Problem sei. Wofür immer sie sich entschieden hatte, das schien in Ordnung zu sein. Dann aber stellt sie eher entsetzt fest: Das stimmt alles nur, solange sie sich nicht dafür entscheidet, als Mutter zu Hause zu bleiben. Denn kaum ist sie schwanger, fragt man sie von allen Seiten: „Wie machst du das jetzt mit deinem Kind? Wann kommst du wieder?“
Als sie erklärt, sie würde zunächst zu Hause bleiben, erntet sie nur Kritik und Unverständnis. „Ständig musste ich erklären und mich rechtfertigen, warum ich bei meinem Kind bleiben möchte, bis ich mich gefragt habe, warum ich mich dauernd verteidigen muss. Wieso glauben alle, dass meine Entscheidung falsch ist?“
Der Frage, wo diese Kritik ihren Ursprung hat, wollte sie nachgehen. Denn immerhin waren die meisten Frauen bis vor kurzem zufrieden damit gewesen, von ihren eigenen Müttern betreut worden zu sein. Wieso ist diese normale Sache plötzlich zu einem Problem geworden? „Früher haben manche Frauen dafür gekämpft, arbeiten gehen zu können. Heute muss man sich das ‚zu Hause Bleiben’ erkämpfen.“
So beginnt sie, sich mit dem Feminismus zu beschäftigen. „Er duldet keine andere Sicht vom Leben als die der Feministinnen-Elite. Sie will den Frauen vorschreiben, was sie wollen und brauchen. Rechtliche Gleichstellung ist sicher eine gute Sache, aber den Frauen heute jede andere Wahlmöglichkeit als die Berufstätigkeit nehmen zu wollen, ist nicht in Ordnung.“ Sie kenne genug Frauen, erzählt mir Frau Kelle, die nur deshalb so schnell zurück in den Beruf gehen, weil sie sich von ihrem Umfeld dazu gedrängt fühlten. Man sollte sich also als Mutter fragen: Will ich das wirklich oder fühl ich mich genötigt?
„Die Feministinnen sprechen nicht für mich,“ erklärt sie weiter. „Das wurde mir beim Überlegen klar. Sie fordern Dinge, die ich nicht will, wollen abschaffen, was mir wichtig ist. Die logische Folge: Ich muss anfangen, ihnen zu widersprechen. Sonst sitzen sie weiter da und beanspruchen allgemein für ,die Frau’ –  die es ja gar nicht gibt – zu sprechen.“
Daher beginnt sie, von daheim aus als freie Autorin Gastbeiträge zu diesen Themen in einem Internetblog (freiewelt.net) zu veröffentlichen – und sie stellt fest: Die Resonanz, ja die Zustimmung unter den Leserinnen ist sehr groß. Als sie daraufhin zwei Texte zum Onlinemagazin The European schickt, werden diese nicht genommen. Mit einem dritten „Die Diktatur des Feminismus“ hat sie mehr Glück: viele positive Reaktionen, heiße Diskussionen unter den Feministinnen… Kelle bekommt daraufhin eine wöchentliche Kolumne. Jetzt schreibt sie also jede Woche und merkt am Echo: Es gibt zweifelsfrei auch für ihre Sichtweise einen großen Markt!
Eines Tages fällt ein Gast bei Maybritt Illners Talkrunde zum Thema „Frauenquote“ aus und Birgit Kelle wird als Ersatz vorgeschlagen. „Eine tolle Sendung. Am Ende hatte ich das komplette Publikum auf meiner Seite,“ erzählt sie zu Recht ein wenig stolz. Von da an wird sie als überzeugte, mit ihrem Status als vierfache Mutter zufriedene junge Frau, die nicht auf den Mund gefallen ist und nicht dem Klischee vom grauen Hausmütterchen entspricht, immer wieder zu Fernsehrunden eingeladen.
Dabei macht sie unterschiedliche Erfahrungen: Alles läuft recht gut, solange die Feministinnen sie ignorieren. Nachdem sie aber in verschiedensten Medien immer präsenter und beliebter wird, obwohl sie unumwunden ihre Meinung kundtut, wird sie nun am laufenden Band von Vertretern des Feminismus verbal heftig attackiert. (Nach einer Hart aber fair-Debatte war auf einem Twitter-Account zu lesen: „ „ich glaub frau kelle ist eine hexe! HEXE! VERBRENNEN!). Ich bewundere ihren Mut.
„Wie spielen sich solche Talk­runden ab?“ frage ich. In den meist linkslastigen Talkshows gehört sie zur Minderheit, die vorgeführt werden soll. „Ich werde immer für den Part der ,konservativen Spaßbremse’ eingeladen, aber ich denke, ich werde dem Klischee nicht gerecht.“ Manche Moderatoren behandeln sie von Beginn der Sendung an recht unfair. Auch mit einer manipulierten Publikumsauswahl war sie schon konfrontiert. Andere wiederum leiten die Sendungen korrekt und fair.
„Sich dafür einzusetzen, dass Frauen auch zu Hause bleiben können, weckt recht viele Aggressionen, gerade bei Frauen, die es anders machen. Diese Debatte ist immer persönlich: Ist man ,Rabenmutter oder Heimchen am Herd’….? Feministinnen fürchten, dass ich einen Schritt zurück bewirken will, und verstehen nicht, dass es viele Frauen gibt, die diesen Schritt nach vorne nie tun wollten oder ihn überhaupt getan haben.“
Die Angriffe, die Beschimpfungen (vor allem via Internet) erschrecken Birgit Kelle am Anfang schon einigermaßen. Doch sie gibt nicht auf. Im Gegenteil: Nach der Debatte um das Betreuungsgeld – Frau Kelle ist eine der wenigen Befürworterinnen, die sich das auch öffentlich zu sagen getraut (Ich frage mich: ist das nicht eigentlich mehr als Selbstverständlich?) – stürzt sie sich in die Debatte über die Homo-„Ehe“. „Bei keiner Debatte schlagen die Aggressionswellen so hoch wie bei diesem Thema. Da wird auch Hass spürbar. Daher trauen sich nicht viele, dagegen öffentlich aufzutreten,“ stellt sie nüchtern fest.
Als Kelle in der Sendung hart aber fair bei Plasberg zum diesem Thema eingeladen wird und kundtut, so eine Verbindung mache für sie einfach keinen Sinn, bekommt sie allerdings enormen Zuspruch sowohl von den Zusehern wie vom anwesenden Publikum. „Man kann hier rein weltlich, sachlich und wissenschaftlich argumentieren. Die Argumente müssen ja für alle Religionsgemeinschaften und auch für Atheisten gleich überzeugend und gültig sein,“ erklärt sie ihre Vorgangsweise und fährt fort: „Es ist ja auch im Sinne des Staates die Lebensform, die sich weltweit als die stabilste kleine Keimzelle einer Gesellschaft erwiesen hat, die Ehe von Mann und Frau – trotz der Scheidungen macht sie auch am wenigsten Probleme – zu fördern und vor Angriffen zu schützen. Aus dieser Verbindung gehen die meisten Kinder hervor, für die wiederum die eigenen Eltern die beständigste Umgebung darstellen. Nur das verspricht Zukunft.“ Wieder so ein Thema, denke ich mir, wo sich so viele Menschen ihren gesunden Hausverstand von einigen Wenigen haben vernebeln lassen.
„Geht es heute nicht darum, die Sinnhaftigkeit von Gottes Geboten wieder verständlich zu machen?“, frage ich meine Gesprächspartnerin. „Wir leben in einer christlich geprägten Demokratie,“ erwidert sie und setzt ihre klaren Überlegungen fort: „Es kann sich doch nicht die Mehrheit einer Minderheit beugen, nur weil diese sagt: ,Sonst fühlen wir uns diskriminiert!’ Wo dies geschieht, landet man unweigerlich in der Diktatur einer Minderheit.“
Die Reaktionen des Publikums in und außerhalb des Fernsehgeschehens zeigen ihr jedenfalls, dass sie zu einer – allerdings meist stimmlosen – Mehrheit gehört. Daher lässt sie sich weder von Moderatoren noch von anderen Diskussionsteilnehmern einschüchtern oder erschüttern: „Bei den Sendungen weiß ich, ich habe viel mehr Leute, die hinter mir stehen, als Leute, die vor mir sitzen.“
90 Prozent der Zuschriften, die sie bekommt, sind positiv. Viele beten für sie, Priester lesen Messen, wenn sie im Fernsehen auftritt. Ihr Glaube und die Gemeinschaft der Gläubigen sind ihr eine große Stütze. „Ich weiß, für wen ich da rede, wie viele Leute sich dafür bedanken, dass ich da draußen den Kopf auch für sie hinhalte, dass ich da sitze, obwohl ich weiß, dass ich dafür auch angefeindet werde. ,Gut, dass Sie da sind’, ‘Du sprichst mir aus der Seele’, ‘ wir begleiten Sie im Hintergrund und versuchen Sie zu stützen,’ bekomme ich zu hören. Ich weiß ich bin nicht allein unterwegs, ich habe viel Rückhalt.“
Ob ihr Mann sie manchmal begleitet? „Nein“, lacht sie, „er bringt ja dann die Kinder ins Bett. Die Großen schauen aber auch oft zu, wenn ich im Fernsehen bin. Sie finden das schon spannend.“ So lernen die Kinder, „dass Christsein nicht heißt, nur sonntags in die Kirche zu gehen,“ sondern auch sich zu engagieren und die christlichen Werte – sie erweisen sich eben immer auch als die tragfähigeren – zu verteidigen.
„Bei uns zu Hause wird viel über lebensnahe Themen, die uns berühren und interessieren geredet, auch mit dem befreundeten Priester. So kommen unsere Kinder mit vielen Problematiken in Berührung, von denen andere kaum etwas hören. So lernen sie auch schon, recht gut zu argumentieren.“ Wie unglaublich wichtig ist dies gerade heute, da in den Schulen so viel gelehrt wird, was gegen den Glauben steht!
„Haben Sie nicht schon genug davon, öffentlich angepöbelt und beschimpft zu werden?“ Mir drängt sich diese Frage einfach auf. Sie lacht: „Nein, ich nehme doch gerade erst einen Anlauf. Es gibt doch noch so vieles, das noch nicht umgesetzt worden ist. Ich werde so lange meinen Mund aufmachen, bis es umgesetzt ist.“
Und Ihr Lieblingsthema? „Übers Muttersein. Wie großartig es ist, Kinder großzuziehen. Und wie schön es ist, wenn man auch die Zeit und Muße dazu hat. Wenn man nicht gehetzt ist und denkt, ich müsste jetzt doch dies oder jenes machen. Wenn man sich darauf einlässt, Kinder auf dem Weg ins Erwachsensein zu begleiten  ist das phantastisch. Mir geht z.B. jetzt jedes Mal das Herz auf, wenn ich unsere Jüngste, Martha, die gerade eingeschult worden ist, von der Schule abhole und sie dann zu Hause beispielsweise lauter Dinge sucht, die mit A anfangen, weil sie diesen Buchstaben gerade in der Schule gelernt hat. Und dann möchte sie schnell essen, damit sie zu ihrer Hausaufgabe kommt. Da schmelze ich dahin und denke mir was sie doch für ein zauberhaftes Wesen ist!“
Wir beschließen unser Gespräch: „1.200 Euro kostet ein Krippenplatz. Warum gibt man das nicht den Frauen, die zu Hause bleiben wollen? Diese Frage muss ich erst politisch gelöst sehen, bevor ich aufhöre,“ erklärt Frau Kelle. Sie könne diese Frage ja dann auch gleich für Österreich mitverhandeln, schlage ich vor, denke dann aber: Eigentlich ist es an der Zeit, dass wir uns selbst auch auf die Beine stellen und uns nicht von einigen wenigen Ideologen, die es durchaus nicht so gut mit uns meinen, wie sie vorgeben, unser Leben und das unserer Kinder auf gefährliche Irrwege führen lassen.

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