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Artikel drucken Das Heil der Muslime steht auf dem Spiel (Benjamin Coste)

Michel-Marie Zanotti-Sorkine ist Pfarrer in Saint-Vincent-de-Paul in Marseille und er zählt einige ehemalige Muslime, die er selbst getauft hat, zur Schar seiner Pfarrkinder. Im Umgang mit ihnen hat sich seine Meinung gebildet, wie man Muslimen das Evangelium verkünden sollte.
„Die Religion zu wechseln, ist keine Kleinigkeit. Dahinter steckt eine schwerwiegende Entscheidung, besonders wenn man aus dem Islam kommt.“ P. Zanotti-Sorkine weiß, wovon er redet, denn er hat, seitdem er seine Pfarre in Marseille übernommen hat, nicht wenige Männer und Frauen, die davor Muslime waren, getauft. Der Pfarrer erinnert sich noch gut an den jungen Muslim, der drei Wochen vor seiner Taufe plötzlich verschwunden war. Er selbst hat sich danach auch niemals mehr in der Pfarre, die ihn aufnehmen wollte, gemeldet. P. Zanotti erzählt: „Nur einmal haben mich seine Eltern angerufen und mich gewarnt: Ihr Sohn sei Muslim und werde es bleiben.“
Unter den Katechumenen befinde sich derzeit auch eine junge Frau, die sich einfach nicht traut, ihren Eltern vom bevorstehenden Glaubenswechsel zu erzählen. „Sie hat ihnen vor Monaten einen Brief geschrieben, in dem alles drinsteht. Aber sie schafft es nicht, ihn einzuwerfen, aus Angst vor deren Reaktion.“
In diesem Bezirk mit einer starken muslimischen Mehrheit, ist der Pfarrer, der„die Zahl seiner Schäfchen laufend erhöht“ – wie die Regionalzeitung La Provence geschrieben hat – nicht auf die Bekehrung der Muslime fixiert.
Aber im täglichen Kontakt mit diesen ist er zu einigen Einsichten diesbezüglich gelangt. „Ich stelle bei den Muslimen, die an unsere Kirchentür klopfen eine gewisse Frustration und Unzufriedenheit fest. Der Islam kann das Herz des Menschen einfach nicht erfüllen, weil es da keine Liebesbeziehung zu Gott gibt“, hebt der Pfarrer hervor. Seiner Meinung nach muss man aus der Dialektik herausfinden, die den „Islam zu einem unter vielen Wegen zu Gott“ machen will. Er erinnert daran, dass es vor jeder Evangelisation darum gehe, „selbst davon überzeugt zu sein, dass Christus der einzige Retter der Welt ist.“
„Jenen, die behaupten, der Islam führe ebenso wie der christliche Glaube zu Gott, habe ich Lust zu sagen: Nur die Entdeckung Christi eröffnet uns den Weg zum Guten. Eine radikalisierte islamische Lehre kann Muslime von diesem Weg abweichen lassen und ihr ewiges Heil in Gefahr bringen. Erfüllt uns die Überzeugung, dass da das Heil der Muslime auf dem Spiel steht?“
Wenn er einem Muslim begegnet, geht es P. Zanotti-Sorkine keineswegs um Theologie. Seiner Ansicht nach findet Evangelisation durch freundschaftliche Beziehungen im Alltag statt. Diesbezüglich hält er es mit dem seligen P. Charles de Foucauld.
Weiters ist dem Priester die besondere Sensibilität gläubiger Muslime für das Übernatürliche aufgefallen. „Sie haben Träume, sehen Jesus am Kreuz…“, bestätigt der Priester aus Marseille, den der Sinn für Transzendenz bei seinen muslimischen Brüdern beeindruckt. „Meiner Ansicht nach muss man auf einige Punkte besonders achten, wenn man das Herz der Muslime ansprechen will: eine schöne Liturgie, eine kräftige Predigt, eine Haltung der Nächstenliebe, Sinn für die Transzendenz…“
Und noch etwas Entscheidendes liegt ihm am Herzen: „Beten wir intensiv genug darum, dass die Muslime zu Christus finden?“
Famille Chrétienne v. 11.5.11

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