VISION 20002/2016
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Zeugen der Hoffnung sein

Artikel drucken Charles de Foucauld (Johannes Hartl)

Ich glaube auch, dass die aktuellen Erschütterungen in der muslimischen Welt der ideale Nährboden dafür sind, dass Muslime Jesus Christus kennenlernen. Genau das passiert auch haufenweise in Deutschland.

Und durch Muslimen-Feindlichkeit und eine kollektive Verachtung gegen den Islam werden wir nur die Türen zu diesen Menschen versperren. Grundsätzlich verdient jede menschliche Religion und Kultur eine Haltung von offenem Dialog, von Respekt und von Toleranz. Ich rufe ausdrücklich dazu auf, Muslime kennen zu lernen. Ihnen herzlich und offen zu begegnen. Man wird fast immer herzlichen, friedlichen und in erster Linie einfach ganz normalen Menschen begegnen.
Doch aus der Perspektive des Staates gibt es noch mehr zu bedenken als nur die Willkommenskultur. Da, wo der Staat Rahmenvorgaben machen muss, wird ein freiheitlich-demokratischer Staat an vielen Stellen in direktem Gegensatz zur kulturell-religiösen Praxis traditioneller Muslime treten müssen. Er wird das tun müssen, wenn er als Staat glaubhaft bleiben möchte.
Die Integration von muslimischen Neubürgern wird nur dann funktionieren, wenn der gesamte Staat noch viel deutlicher macht, in was hinein man sich überhaupt integrieren muss und was passiert, wenn man sich weigert, die Gesetze des Landes zu respektieren. Und die Gesetze des Landes entstammen der auf das jüdisch-christliche Erbe gegründeten liberalen westlichen Gesellschaftsordnung.
Es ist genau jene Gesellschaftsordnung, die zu hassen Millionen von Muslime seit Kindesbeinen antrainiert bekommen haben. Dieser Hass ist Teil der kulturellen DNA der meisten muslimischen Nationen ebenso wie die niedrigere Stellung der Frau und der Hass auf Israel.  Die Ankunft vieler Muslime wird genau dann zu Ghettobildung, zu größerer Feindschaft gegen Muslime und zu einem größeren Auseinanderklaffen der Gesellschaft führen, wenn der Staat sich so liberal gibt, dass er die Pflichten nicht klar benennt, die jemand zu erbringen hat, der in Deutschland leben möchte.
Diesen Pflichten nachzukommen wird besonders jenen Menschen schwerfallen, die einer traditionellen und wörtlichen Lesart des Koran anhängen. Man könnte auch sagen: je verbindlicher jemand den Islam lebt, desto schwieriger wird die Integration in die deutsche Gesellschaft sein. Je weniger Rolle der Islam im Alltag spielt, desto weniger Probleme wird es dabei geben, sich in eine Gesellschaft einzufügen, in der Frauen wählen gehen, überall Kirchen und Kreuze herumstehen, Schülerinnen zum Baden gehen, weibliche Schuldirektoren tatsächlich etwas entscheiden dürfen, ohne dass ein Mann dabei ist, Teenager Sex haben können und Bier und Schweinebraten Grundnahrungsmittel sind.
Selbstverständlich gibt es liberale muslimische Theologen, die eine strikt demokratische und tolerante Lesart des Islams vorlegen. Gut, dass es sie gibt! Doch leider haben sie in mehrheitlich muslimischen Ländern nicht nur nicht die Mehrheit auf ihrer Seite, sondern sie könnten sich dort höchstwahrscheinlich nur unter Polizeischutz bewegen, weil sie als Verräter gelten!
Ich befürchte, dass die Stimmung in der nahen Zukunft weiter schnell kippen und sich aus einer Euphorie in immer größere Fremdenfeindlichkeit wandeln wird. Es wird dann genauso wie jetzt unsere Aufgabe als Christen sein, für unsere Politiker zu beten, auch wenn wir nicht alle Entscheidungen für weise halten. Flüchtlinge zu lieben und ihnen zu helfen, auch wenn wir nicht glauben, dass es der richtige Weg sein kann, dass jeder bleiben kann. Muslimen durch Tat und Wort ein Zeugnis von Jesus zu geben, auch wenn eine größer werdende Anzahl von muslimischen Menschen trotzdem zunehmend unser Land prägen wird. Auf Probleme hinweisen, ohne Panik zu verbreiten. Träger der Hoffnung sein, auch wenn ich für meinen Teil ein „wir schaffen das!“ ohne konkrete Hinweise, wie es langfristig zu schaffen sein soll, für fahrlässig halte. Für jemanden, der glaubt, gibt es immer Hoffnung. Und es war schon immer Gottes Eigenart, das, was der Feind zum Verderben geplant hat, letztendlich in einen Plan des Heils umzuschmieden! Betest Du mit, dass genau das geschieht?

Dr. Johannes Hartl ist katholischer Theologe und leitet das Gebetshaus Augsburg.
Kath.net v 22.10.15

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