VISION 20006/2018
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Warum der Skandal an die Wurzel geht

Artikel drucken Für Griechen und Römer war Sex mit Knaben kein Problem (Benjamin Wiker)

Zurecht äußert die Welt schwere Kritik an der  Kirche wegen der Missbrauchsskandale. Nur sind sich die Wenigsten bewusst, dass die Ächtung des sexuellen Kindesmissbrauchs dem Einfluss der Kirche zu verdanken ist. Ihre Lehre hat sich erfolgreich gegen diese gängige heidnische Praxis durchgesetzt. Umso schlimmer ist daher, dass die Kirche auf diesem Sektor versagt hat.
Eine größere Klarheit über den Charakter dieser Krise erlangen wir, wenn wir die umfassendere moralisch-historische Perspektive betrachten. Es gibt nur einen Grund, warum Pädophilie heute überhaupt ein moralisches Problem ist. Historisch gesehen hat die katholische Kirche es zu einem gemacht. Sex mit Buben und Mädchen, aber vor allem mit Buben, war in den alten griechischen und römischen Kulturkreisen eine anerkannte Praxis. Christus selbst, und so auch die Kirche, wurde in diesen Kulturkreis hineingeboren.
Das Christentum hat diese gängige, heidnische Sexualpraktik als Deformierung von Sexualität verworfen und dementsprechend evangelisiert. Ohne den Erfolg der Bemühungen in der Evangelisation des Christentums, wären die heute immer noch aktuellen Gesetze gegen Pädophilie überhaupt nie da gewesen.
Noch ein paar Details zu diesem historischen Umriss: Im antiken Griechenland und Rom begehrten Männer Sex mit Buben zwischen 12 und 18 Jahren, wenn die Buben gerade dabei waren, Männer zu werden und ihre sexuelle Reife sich entfaltete. Kurz gesagt, homosexuelle Handlungen fielen also in erster Linie in die Definition von Pädophilie. Es gab keine künstlichen Unterscheidungen zwischen Homosexualität, Pädophilie, Ephebophilie (Sex mit Buben zwischen 12 und 14 Jahren) und Hebephilia (Sex mit Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren). Es gab einfach den, in der Kultur üblichen, Wunsch von Männern mit Buben zwischen 12 bis 18 Jahren Sex zu haben.
Außerdem war Pädophilie mit Buben nicht auf ein paar perverse Einzelpersonen mit einer ausschließlich homosexuellen Neigung beschränkt.
Die Mehrheit der Männer hat die Pädophilie als ein Teil der griechisch-römischen Kultur ausgeübt, ob sie nun homosexuell oder heterosexuell (so wie wir sie heute bezeichnen würden) waren. So war also Pädophilie kein moralisches Problem, sondern eine kulturelle Praxis, die die meisten Männer ausgeübt haben. (Das ist ein wichtiger Punkt, über den ich später noch einen anderen Artikel schreiben werde. Das bedeutet nämlich, dass unsere momentanen Bemühungen einen festgesetzten „Prozentsatz“ von Homosexuellen in der Bevölkerung festzulegen – zum Beispiel zwei Prozent oder zehn Prozent – nicht berücksichtigen, dass Homosexualität und Pädophilie durch eine deformierte Gesellschaft die Mehrheit betreffen kann. )
So war also die Situation im antiken, heidnischen Griechenland und Rom. Dann kam Christus. Das Christentum hat Pädophilie zu einem moralischen Problem gemacht. Im Zuge der langsamen Evangelisation des heidnischen, römischen Reiches durch das Christentum, wurde die weitverbreitete Akzeptanz von Sex zwischen Männern und Buben durch eine weitverbreitete moralische Abscheu ersetzt. (Und darauf folgte die Akzeptanz von Anti-Pädophilie Gesetzen.)
Dasselbe gilt für Homosexualität, Sexsklaverei, Abtreibung, Kindesmord und Euthanasie. Nur aufgrund der christlichen Evangelisation wurden diese zu moralischen Problemen und waren nicht mehr akzeptierte, heidnische Praktiken in der Gesellschaft.
Wir müssen also von dieser Geschichte eine Lektion lernen. Der einzige Grund, warum es immer noch weltliche Gesetze gibt, welche Pädophilie verbieten und bestrafen, ist dass das Christentum die westliche Kultur durch Evangelisation gezeichnet hat.
Und der einzige Grund, warum wir Homosexualität in unserer Kultur und unseren Gesetzen akzeptiert haben, ist die voranschreitende De-Christianisierung unserer westlichen Kultur. Wenn wir immer mehr säkularisiert werden, dann werden wir bald auch Pädophilie wieder akzeptieren, genauso wie Homo­sexualität, Abtreibung, Kindesmord und Eu­thanasie bereits wieder gutgeheißen werden.
Das ist eine gewaltige, gewaltige Krise in und für die Kirche, da ein tief verwurzeltes homosexuelles Netzwerk von Priestern, Bischöfen und Kardinälen aktiv beschäftigt ist, eine vollständige De-Christianisierung der Welt herbeizuführen, indem es sich an Buben zwischen 12 und 18 Jahren vergreift.
So wird eine griechisch-römische Sexualkultur in unseren Priesterseminaren und Diözesen neu heraufbeschworen.

 Der Autor ist Professor für Politikwissenschaften an der Franciscan University of Steubenville in National Catholic Register, zitiert in kath.net v. 8.9.18

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