VISION 20006/2018
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Die Märtyrer von Uganda

Artikel drucken Botschaft an uns (Dom Antoine Marie osb)

Lieber sterben als sündigen – Dieser christliche Leitspruch stand über dem Blutzeugnis der von der Kirche 1964 heiliggesprochenen Märtyrer von Uganda und wurde auch in ein Gebet zu deren Fest aufgenommen. Diese Christen waren von P. Lourdel, dem Apostel Ugandas, auf das höchste Glaubenszeugnis vorbereitet worden.

 Siméon Lourdel schaffte im Oktober 1872 die Aufnahme in das Priesterseminar von Arras.die gerade vom Bischof von Algier Charles Lavigerie gegründet worden war.  Während seines Philosophiestudiums beschloss er, der ganz jungen Gesellschaft der Afrika-Missionare beizutreten, die gerade vom Bischof von Algier Charles Lavigerie gegründet worden war.

Am 2. Februar 1875 schloss sich Siméon den Afrika-Missionaren (den „Weißen Vätern“ an und wurde am 2. April 1877 zum Priester geweiht. 1878 stellte Bischof Lavigerie eine Karawane mit zehn Missionaren, darunter auch P. Lourdel, nach Zentralafrika zusammen, die Ende April aufbrach. Es war keine Vergnügungsfahrt: Wolkenbruchartiger Regen und sengende Sonne, Mangel an Trinkwasser, Fieber und andere Krankheiten, Angriffe auf die Karawane, Weglaufen der Träger, Gewaltmärsche durch Einöden… Ende Dezember 1878 waren die Missionare im Süden des riesigen Viktoriasees angekommen, den sie auf dem Weg nach Uganda noch überqueren mussten.

Grünbewachsene Hügel, kühle Täler und eine üppige Vegetation machten Uganda zu einem prachtvollen Land. Das Land wurde von einem absolut herrschenden König regiert. Polygamie, Sklaverei und Laster waren gang und gäbe. Doch die Bevölkerung wirkte durch ihre Haltung und Höflichkeit überaus würdevoll. Wegen ihres Respekts vor der Obrigkeit und ihres Mutes galten die Baganda als treue Untertanen und unerschrockene Krieger. Die Baganda waren Polytheisten… Viele waren sich gar nicht sicher, ob Menschenopfer, grundlose Hinrichtungen und Polygamie gerechtfertigt waren, und das machte sie dem Christentum gegenüber aufgeschlossen.

Der Monarch der Baganda, Mutesa, begriff schnell, dass das Kommen der Europäer (Engländer, Belgier, Franzosen, Deutschen) bald zu einem Wettstreit führen würde: Er würde sie gegeneinander ausspielen und mit dem Meistbietenden verhandeln können. Im Februar 1879 versetzte die Ankunft P. Lourdels und des Bruders, der ihn begleitete, den Hof Mutesas in Aufruhr. Der König bereitete ihnen schließlich einen guten Empfang. Er brachte sie in der Nähe der Hauptstadt unter und ließ sie streng überwachen. Der Premierminister hingegen sah den Einfluss der Väter mit großem Missvergnügen. Denn diese beharrten darauf, den arabischen Sklavenhändlern möglichst viele Kinder abzukaufen; sie nahmen sie in ein Waisenhaus auf und unterwiesen sie in der wahren Religion.

P. Lourdel hinterließ tiefe Spuren in Uganda. Er sprach freundlich mit den Leuten und leistete mit seinem Verbandkasten so erfolgreich Erste Hilfe, dass er bald hohes Ansehen genoss. Seine höflichen Umgangsformen erregten Aufsehen, denn man war bei einem Mann, der als überlegen galt, nicht auf solche Herzlichkeit gefasst. Eines Tages verkündete König Mutesa, er wolle Katholik werden. P. Lourdel erwiderte, zunächst müsse er dann auf die Mehrehe verzichten, doch das wollte der König nicht.

Viele Baganda hatten sich für den Katholizismus entschieden. Sie hatten die Väter lange beobachtet und ihnen lange aufmerksam zugehört, dann hatten sie sich frei entschieden. Denn diese waren hervorragende Katecheten, und die Verbreitung des Christentums wäre viel schneller vorangekommen, wenn die Häuptlinge ihre Untergebenen nicht am Erlernen der Religion gehindert hätten und wenn die Missionare sich frei im Land hätten bewegen können. Gemäß den Weisungen von Bischof Lavigerie tauften die Missionare nur diejenigen, die vier Jahre lang im Katechumenat ausgeharrt hatten.

Die Sklavenhändler sowie die Würdenträger des Landes ärgerten sich über den wachsenden Einfluss von P. Lourdel und begegneten den Vätern mit tödlichem Hass. Dieser betrachtete die Polygamie der Wohlhabenden, die den armen Dörflern die Bräute wegnahm, als eine der Ursachen für die verbreitete Homosexualität. Selbst der König ließ sich zu homosexuellen sowie pädophilen Handlungen hinreißen. P. Lourdel lehrte seine Katechumenen, sie dürften den Launen des Königs in dieser Frage nicht nachgeben, da das von Gott verurteilt werde. Ihr standhafter Widerstand setzte sie dem Zorn des Königs aus und brachte sie in Todesgefahr; doch die jungen Christen zögerten nicht, sich dem König zu verweigern. Sie bildeten bald eine Gruppe ernsthafter junger Leute, die wirklich bestrebt waren, ihr alltägliches Verhalten den empfangenen Lehren anzupassen und dennoch dem König treu zu dienen.

Das Zögern des Königs in der Frage der Religion sowie seine Angst vor den europäischen Mächten, als deren Abgesandte die Väter galten, führten Ende 1882 zu einer echten Bedrohung für die Väter. Sie beschlossen, die Mission für einige Zeit zu verlassen; sie ließen 20 Getaufte und rund 440 Katechumenen zurück. Während der Abwesenheit der Väter schlossen sich die Christen unter der Führung der zumeist 20- bis 30-jährigen Katecheten zusammen. Am 10. Oktober 1884 starb Mutesa. Zu seinem Nachfolger wurde sein Sohn Mwanga gewählt. Offen, neugierig und liebenswürdig, hatte dieser die Patres früher oft besucht und hatte großes Vertrauen und Zuneigung zu P. Lourdel bekundet.

Mitte Juli 1885 kehrten die Väter zurück. Sie stellten fest, dass die Kirche gewachsen war: Die Zahl der Christen hatte sich verdoppelt. P. Lourdel schrieb: „Mwanga ist uns wohlgesonnen, er wird uns, glaube ich, freie Hand für den Unterricht lassen: Aus ihm selbst wird kaum ein praktizierender Christ. Er hat sich zwar von allem Aberglauben des Landes losgesagt. Aber zu seinem Unglück raucht er Hanf, und das wird ihn in einigen Jahren schwachsinnig werden lassen. Viele unserer Neubekehrten haben großen Einfluss auf ihn und tun ihm mit ihren Ratschlägen viel Gutes.“ Doch Mwanga neigte wie bereits sein Vater sowohl zu plötzlichen Gesinnungsänderungen als auch zur Homo­sexualität.

In ihrer Erklärung Persona humana lehrt die Kirche: „Nach der objektiven sittlichen Ordnung sind homosexuelle Beziehungen Akte, die keine wesentliche und unverzichtbare Richtschnur haben. Sie werden in der Heiligen Schrift als schwere Laster verurteilt und sogar als die traurige Folge einer Zurückweisung Gottes dargestellt (Röm 1,24-27; 1 Kor 6,10; 1 Tim 1,10). Dieses Urteil der Schrift lässt nicht den Schluss zu, dass alle, die unter dieser Anomalie leiden, daran persönlich schuld sind, doch es bestätigt, dass Akte der Homosexualität von Grund auf lasterhaft sind und daher in keinem Falle Billigung erfahren dürfen“ (Kongregation für die Glaubenslehre, 29. Dezember 1975, Nr. 8).

Als gläubiger Christ versuchte Josef Mukasa, des Königs Berater, der nach der Lehre Christi zu leben trachtete, diesen von Unzucht, Rauschgift und Götzenverehrung abzubringen. Er zögerte nicht, junge Pagen, für die er Verantwortung trug, aus dem Palast zu entfernen, wenn der König sie für seine homosexuelle Neigung begehrte. „Wenn der König euch zum Bösen auffordert, sagt ‚Nein’!“, riet er ihnen. Diese Haltung ärgerte Mwanga…

Die Tugend der Keuschheit benötigt man, um sich vor Gott richtig zu verhalten; sie ist auch das beste Mittel im Kampf gegen die Aids-Epidemie. „Lasst euch nicht durch die leeren Sprüche derjenigen täuschen, die die Keuschheit oder eure Selbstkontrolle ins Lächerliche ziehen,“ sagte Papst Johannes Paul II. zu ugandischen Jugendlichen am 6. Februar 1993 in Kampala. „Die Kraft eurer künftigen ehelichen Liebe hängt von der Kraft eurer gegenwärtigen Bemühung ab, die wahre Liebe zu lernen, eine Keuschheit, die die Enthaltsamkeit von allen sexuellen Beziehungen außerhalb der Ehe mit beinhaltet. Die sexuelle Haltung der Keuschheit ist das einzige sichere und tugendhafte Mittel, der tragischen Aids-Plage ein Ende zu setzen, der so viele junge Leute zum Opfer fallen.“

Diese Lehre des Papstes wird durch eine in Uganda durchgeführte Studie zur Aids-Prävention bekräftigt: „Ende der 80er Jahre war die Ansteckung mit dem Aidsvirus ein dramatisches Problem in Uganda. Doch 2003 waren einer Schätzung zufolge 6% der Bevölkerung mit HIV infiziert; das ist zwar nach wie vor eine hohe Zahl, doch sie liegt viel niedriger als die von 1990 – 30%, ein trauriger Weltrekord – und als die aktuellen Zahlen aus den anderen afrikanischen Ländern.“

Der Präsident Ugandas, Yoweri Museveni, erklärte auf der internationalen Aids-Konferenz von Bangkok im Juli 2004: ‚Aids ist im Wesentlichen ein moralisches, soziales und ökonomisches Problem. Ich halte Präservative für eine Improvisation, keine Lösung.“

Am 15. November 1885 endete der Zorn Mwangas gegen Josef Mukasa damit, dass dieser zum Tode verurteilt und enthauptet wurde. Da die Katechumenen eine gewaltige Verfolgungswelle auf sich zukommen sahen, drängten sie in die Mission, um die Taufe zu empfangen.

Karl Lwanga, der die große Hütte leitete, in der der König seine feierlichen Empfänge hielt, war ein kräftiger, sanfter, stets dienstbereiter und allgemein beliebter athletischer Mann. Seine Rechtschaffenheit und seine Genauigkeit brachten ihm die Wertschätzung und das Vertrauen des Königs ein. In den ersten Monaten des Jahres 1886 schwärzten mohammedanische Sklavenhändler die Christen an: „Sie geben sich keiner Fleischeslust hin; sie lehnen Plünderungen ab; wenn du befiehlst, dass jemand getötet wird, sind sie damit nicht einverstanden und sie selbst fürchten nicht, umgebracht zu werden. Wenn alle deine Untertanen diese Art von Leben übernommen haben, was für ein König wirst du dann sein?“

Mwanga war empört: „Ich werde sie alle töten lassen!“ Am Morgen des 26. Mai rief der König die Henker und die großen Häuptlinge zusammen. Sogleich versammelte Charles Lwanga die Pagen um sich, die erst Katechumenen waren, und taufte sie. Dann erschien er zusammen mit allen Christen vor dem König, der sie aufforderte, ihren Glauben zu verleugnen. Da sie sich weigerten, sollten alle bei lebendigem Leibe verbrannt werden. Mehrere Christen starben bereits auf dem Marsch zum Scheiterhaufen nach Namugongo den Märtyrertod.

Die Haupthinrichtung fand am 3. Juni, dem Himmelfahrtsfest, statt. Die Christen freuten sich. „Man möchte meinen sie gehen zu ihrer Hochzeit!“, riefen die Henker erstaunt. Jeder Christ wurde mit Schilfgeflecht umwickelt und so auf den Scheiterhaufen gelegt, der von den Henkern in Brand gesteckt wurde. Spontan begannen die Märtyrer das Vaterunser zu beten. Die Henker hörten sprachlos zu.

Als die Märtyrer die Worte «Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern» sprachen, erschraken die Henker und schrien aus voller Kehle: „Nicht wir, sondern unsere Götter töten euch, weil ihr sie wie Dämonen behandelt!“

Für Karl Lwanga war ein besonderes Los vorgesehen. Nachdem er dem Martyrium der anderen Christen zugeschaut hatte, wurde er zu einem eigens für ihn errichteten Scheiterhaufen geführt. Während sein Körper vom Feuer verzehrt wurde, rief ihm der Henker zu: „Soll doch Gott kommen und dich aus diesem Feuer holen!“ Er antwortete: „Was du Feuer nennst, ist mir nur kühles Wasser. Nimm du dich lieber in Acht, dass Gott, den du beleidigst, dich eines Tages nicht in das wahre, niemals erlöschende Feuer taucht.“ Im Augenblick seines Todes rief er mit lauter Stimme: „Oh mein Gott!“ Zwischen 1885 und 1887 wurde rund hundert Christen die Gnade des Märtyrertodes zuteil. Am 22. Juni 1934 wurde Karl Lwanga von Pius XI. zum Patron der afrikanischen Jugend erklärt. 22 ugandische Katholiken, deren Schicksal genau dokumentiert ist, wurden 1964 von Papst Paul VI. heiliggesprochen.

Zwischen September 1888 und Februar 1890 wurden die Patres zweimal vertrieben. Als sie zum zweiten Mal zurückkehrten, erlebten sie einen wahrhaften Ansturm auf das Katechumenat. Die Missionare mussten die Aufrichtigkeit der Kandidaten prüfen, denn mittlerweile gehörte es zum guten Ton, auf der Seite der Christen zu stehen.

Die Mission in Uganda zählte damals rund 2200 Getaufte und rund 10.000 eifrige Katechumenen. Bald entstanden Seminare, Noviziate und Katechetenschulen. 1911 stellten die Katholiken 30% der Bevölkerung, die Anglikaner 21%. Das Christentum war Hauptreligion geworden, und die Baganda hatten sich seine Sitten und Gebräuche zueigen gemacht.

Der Autor ist Abt von St. Joseph de Clairval, sein Beitrag in voller Länge nachzulesen auf:www.clairval.com

 

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