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Weltverfolgungsindex 2019

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Jedes Jahr veröffentlicht „Open Doors“ einen Weltverfolgungsindex. Er zählt die 50 Länder auf, in denen Chri­­s­­­­­­­­­ten am meisten verfolgt werden. Seit Jahren steht Nordkorea an der Spitze der Liste, gefolgt von Ländern, in denen der Islam vorherrscht (die Plätze 2 bis 9 und 11 bis 17). Auf Platz 10 ist Indien vorgerückt.  

Was versteht Open Doors unter Christenverfolgung? „Jegliche Form von Anfeindung oder Benachteiligung, die ein Christ wegen seines Glaubens an Christus erfährt. Das können feindselige Haltungen, Aussagen und Taten sein, die von außerhalb oder auch innerhalb der christlichen Gemeinschaft herrühren.“
Wie wird der Index erhoben? Dazu Open Doors: „Der Index stützt sich auf Einschätzungen von Fachleuten – Open Door-interne und externe Forscher und Experten auf dem Gebiet der Glaubensfreiheit und Christenverfolgung – und wurde mit anderen unabhängigen Quellen abgeglichen.“ Dabei werden zwei Hauptformen von Verfolgung unterschieden: durch offene Gewalt und durch subtilen Druck.
Was sind nun die Motive für die Unterdrückung der Christen? Open Doors nennt insbesondere drei Triebkräfte. Da ist zunächst religiöser Extremismus und da an erster Stelle der islamische. Aber auch andere Religionen (Hinduismus, Buddhismus, orthodoxes Judentum, ja christlich konfessioneller Protektionismus) tun sich in dieser Hinsicht hervor.
Zweites Motiv: eine Staatsideologie, wie der Kommunismus, die Ausschließlichkeit für sich in Anspruch nimmt und religiöse Konzepte zu verbannen versucht. Schließlich gibt es andere missbräuchliche Systeme mit totalitärem Anspruch.
Welche Trends lassen sich nun aus den von Open Doors 2019 gesammelten Informationen herauslesen? An erster Stelle rangiert wachsender staatlicher Autoritarismus, mit einer zunehmenden Zahl von Gesetzen, die Religion unter Kuratel stellen. Besonders markant in Nordkorea (siehe nebenan), aber zunehmend auch in China. Dort bestehe ein klar erkennbarer Wille, „Kinder und Jugendliche vom Hören religiöser Lehren abzuhalten“. Sonntagsschulen würden geschlossen, Sommerlager verboten, und die Kirchen zwingt man, „Schilder am Eingang anzubringen, die jedem unter 18 den Zutritt verbieten“.
Ähnlich die Situation in Vietnam. Dort werde im Anschluss an ein Gesetz aus 2018 Religion als soziales Problem behandelt und als „potenzielle Bedrohung für die nationale Sicherheit“ angesehen.
Der zweite Trend, den Open Doors registriert: die Entwicklung zu einem Ultranationalismus, „der gesetzestreue Minderheiten nicht nur als Bedrohung ansieht, sondern sie auch durch Gewalt dazu zwingt, ihre Identität aufzugeben oder gar das Land zu verlassen“. Paradebeispiel: Indien (siehe Interview S. 7).
Auch sei ein auffälliger Trend zu weiterhin verstärkter, durch den Islam motivierte Gewalttätigkeit festzustellen. Der Gebietsverlust des Islamischen Staats habe dazu geführt, dass dessen Kämpfer in anderen Ländern aktiv wurden, vor allem „auch in Afrika südlich der Sahara. Seit 2017 haben militante Islamisten auch in Ägypten, Somalia, Libyen und im Jemen an Stärke gewonnen, wo sie weiterhin rekrutieren und Gebiete einnehmen.“
CG


Wo Christen am meisten verfolgt werden

1 Nordkorea
2 Afghanistan
3 Somalia
4 Libyen
5 Pakistan
6 Sudan
7 Eritrea
8 Jemen
9 Iran

10 Indien
11 Syrien
12 Nigeria
13 Irak
14 Malediven
15 Saudi Arabien
16 Ägypten
17 Usbekistan
18 Myanmar
19 Laos
20 Vietnam

 
   

 

 

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