VISION 20001/2020
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Das Martyrium gehört zum Christsein

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Paulus ist nicht nur der eifrige Evangelisierer, der unerschrockene Missionar unter den Heiden, der neue christliche Gemeinden zum Leben erweckt, sondern auch der leidende Zeuge des Auferstandenen. Die Ankunft des Apostels in Jerusalem, die in Kapitel 21 der Apos­telgeschichte beschrieben wird, entfesselt einen grausamen Hass ihm gegenüber. Ihm wird vorgeworfen: „Ach, der war ein Verfolger! Vertraut ihm nicht!“ Wie für Jesus war Jerusalem auch für ihn eine feindselige Stadt.
Als er sich in den Tempel begibt, wird er erkannt, hinausgeführt, um gelyncht zu werden, und im letzten Augenblick von den römischen Soldaten gerettet. Angeklagt, gegen das Gesetz und den Tempel zu lehren, wird er festgenommen, und es beginnt sein Pilgerweg als Gefangener, zunächst vor dem Hohen Rat, dann vor dem römischen Statthalter in Cäsarea und schließlich vor dem König Agrippa.
Lukas hebt die Ähnlichkeit zwischen Paulus und Jesus hervor, die beide von den Gegnern gehasst, öffentlich angeklagt und von den kaiserlichen Obrigkeiten als unschuldig erkannt werden. Und so wird Paulus mit dem Leiden seines Meisters vereint, und sein Leiden wird zu einem lebendigen Evangelium.
Ich komme aus der Petersbasilika; dort hatte ich heute Morgen eine erste Audienz mit den ukrainischen Pilgern, aus einer ukrainischen Diözese.
Wie sehr sind diese Menschen verfolgt worden; wie sehr haben sie für das Evangelium gelitten! Aber sie sind im Hinblick auf den Glauben keine Kompromisse eingegangen. Sie sind ein Vorbild. Heute sind in der Welt, in Europa viele Christen verfolgt und geben das Leben für ihren Glauben hin, oder sie werden „mit weißen Handschuhen“ verfolgt, also beiseite gelassen, ausgegrenzt… Das Martyrium ist die Luft des Lebens eines Christen, einer christlichen Gemeinde.
Immer wird es Märtyrer unter uns geben: Das ist das Zeichen, dass wir auf dem Weg Jesu wandeln. Es ist ein Segen des Herrn, wenn es im Gottesvolk jemanden – einen Mann oder eine Frau – gibt, der dieses Zeugnis des Martyriums ablegt. (…)
Paulus wird für unschuldig erklärt, kann aber nicht freigelassen werden, weil er an den Kaiser appelliert hat. So wird der unaufhaltsame Weg des Wortes Gottes nach Rom fortgesetzt. Schließlich wird Paulus in Ketten hier in Rom ankommen.
Von diesem Augenblick an ist das Bild des Paulus das des Gefangenen, dessen Ketten das Zeichen seiner Treue zum Evangelium und seines Zeugnisses vom Auferstandenen sind. Gewiss sind die Ketten eine demütigende Prüfung für den Apostel, der vor den Augen der Welt wie ein „Verbrecher“ erscheint. Aber seine Liebe zu Christus ist so stark, dass auch diese Ketten mit den Augen des Glaubens betrachtet werden; eines Glaubens, der für Paulus „nicht eine Theorie, nicht eine Meinung über Gott und die Welt“, sondern „das Auftreffen der Liebe Gottes in seinem Herzen […], Liebe zu Jesus Christus“ ist (Benedikt XVI., Predigt in der Vesper zur Eröffnung des Paulusjahres, 28. Juni 2008).
Auszug aus der Ansprache bei der Generalaudienz am 11.12.19


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