VISION 20001/2020
« zum Inhalt Zeichen der Zeit

Familien, in denen Kinder gedeihen können

Artikel drucken Die frühzeitige außerhäusliche Betreuung der Kinder ist ein ruinöses Konzept (Von Christa Meves)

Gläubige Eltern stehen heute – weitaus mehr als noch vor 50-60 Jahren – vor der schwierigen Frage: Wie können wir unsere Kinder in unserem Umfeld, das  so viel äußerst Fragwürdiges an uns und unsere Kinder heranträgt, groß ziehen? Im Folgenden Antworten einer weisen Frau, Jugendtherapeutin mit jahrzehntelanger Erfahrung:

Der Zeitgeist enthält heute so viel Bedenkliches im Hinblick auf unsere Kinder, dass es doch schwerer möglich ist als früher, das Richtige vom Schädlichen zu unterscheiden. Wenn Sie, liebe Leser, das für Panikmache halten, brauchen Sie sich auf Youtube lediglich z. B. einen Vortrag des Neurowissenschaftlers Manfred Spitzer herunterzuholen. Dort erfahren Sie aus umfänglichen wissenschaftlichen Studien – vor allem aus den USA – hieb- und stichfest, dass allein bereits das Smartphone und alles Digitale darüber hinaus keineswegs zufriedenstellend bildungsfähig machen, sondern vor allem die Lernfähigkeit des noch unreifen Kindergehirns lebenslänglich mindern.
Aber es reicht auch schon, ratlos zu werden, wenn man heute Gelegenheit bekommt, Einblick in Grundschulklassen oder in das Leben junger, moderner Familien mit ihren Kita- und Grundschulkindern zu nehmen. Täglich schreiben mich verzweifelte Jung-Mütter an, die hilflos dem so häufigen Protestgeschrei ihrer Trotzkinder gegenüberstehen. Vergeblich kämpfen manche Eltern gegen die hartnäckige Lernunlust und die Unruhe ihrer kleinen Grundschulkinder an.
Verzweifelt sucht ein ganzer Clan nach einem (der aber meist bereits ausgebuchten) Therapeuten, weil eine Erstklässlerin von einem – allen unerklärlichen – seelischen Schmerz erfasst ist. Zwar sind hierzulande – der Not entsprechend – Hilfsstationen aus dem Boden geschossen. Aber die sind meist auch schon ausgebucht oder unbezahlbar.
Wie erschreckend: Hier kommt jetzt offenbar eine Kindergeneration ins Blickfeld, der in einer epidemischen Zahl die Möglichkeit fehlt, unbeschwert angepasst heranzuwachsen. Was geht hier vor sich, was ist geschehen?
Nun, eine Zunahme der Verhaltensstörungen ließ sich bereits seit den 60er Jahren erkennen und ihre Zunahme voraussagen. Von dieser Zeit ab wurde den Belangen der Kinder in unserer Gesellschaft immer weniger jene zentrale Beachtung eingeräumt, die diesen Ressourcen für erfolgreiche Zukunft nun einmal zugestanden werden muss. Kurzfristig gewinnträchtige wirtschaftliche Akzente und damit auch die Erwerbs­tätigkeit der Frau bekamen von nun an Vorrang.
Die Familie als Wert wurde häufig in den gesellschaftlichen Plänen gar nicht mehr gesehen und die gärtner-ähnliche Aufgabe, Kinder in ihren Wachstumsphasen aufmerksam zu begleiten, verschwand seufzerlos unter all den Möglichkeiten, sich das Leben lustvoll und sexy zu gestalten.
Deswegen ist das Aufziehen der Kinder heute schleichend zu einer übergriffigen Angelegenheit des Staates geworden: Die Krippe – spätestens ab dem ers­ten Lebensjahr – ist zu einer Art ungeschriebenem Gesetz für junge Familien geworden. Das ist jedoch ein verheerender Fehler! Seriöse Wissenschaft sagt heute völlig abgesichert aus: Ganz besonders um diese Zeit brauchen die Kleinen Mutters Gegenwart bei ihren ersten Schritten in die Welt. Trennung von ihr zu dieser Zeit stanzt sich sonst in ihren Kopf ein und taucht später in Krisen als ein übermächtiges Gefühl von Verlassensein immer wieder auf!
Auch den Kindergarten ab drei als eiserne Pflicht aufzufassen, ist nicht kindgerecht, wenn das Nachdenken über die Bekömmlichkeit für das einzelne Kind ausgelassen wird. Und in der Grundschule gehört nun oft drastischer Sexualkundeunterricht schon zum Programm. Neuerdings wird sogar Ganztagsschulbeaufsichtigung geplant!
Mitten im Zeitalter entfesselter Freiheit geschieht dieser Kindergeneration der Verlust eines behüteten Freiraums! Dadurch wird das Leben mit schwierigen, unglücklichen, im Grunde bereits gestörten Kindern immer häufiger zu einer katastrophalen Qual in den Familien.
Es ist also bereits sehr spät; denn seriöse Hirnforschung weiß: Wenn in den ersten drei Lebensjahren die gesunden Wachstumsbedingungen  des sich entfaltenden Gehirns nicht erfüllt worden sind, begleiten ein unruhiger Habitus und das Suchen nach Ausgewogenheit den Menschen unbewusst lebenslänglich. Was sein Leben vielfältig erschweren kann.
Dabei ließe sich diese dramatische Situation rasch ändern: Gäbe man den Müttern für ein längeres Daheimbleiben ein Gehalt und für ihr Alter eine Rente, würden viele junge Mütter mit Erleichterung länger daheim bleiben. Das weiß ich aus der Praxis. Denn es ist vor allem die Nähe zu Mama, die die Kleinen zur Entwicklung einer stabilen Ausgeglichenheit und seelischen Gesundheit brauchen. Aber für ein solches Programm gibt es in den meisten Staaten des Westens kaum Anzeichen.
Dennoch brauchen wir nicht zu verzagen; denn es existieren in unserem Land immerhin noch Familien, die der Schöpfungsordnung treu bleiben – mit Einschränkungen zwar, doch nicht selten unterstützt von wachen, verantwortungsbewussten Großeltern und Paten. Hier gibt es noch folgende Berichte: „Bei uns ist alles ziemlich in Ordnung. Munter, fröhlich und aufgeschlossen sind unsere Kinder. Wir haben eine recht normale Schule für sie gefunden. Dort kommen sie gut zurecht und machen anstandslos ihre Schularbeiten. Bei uns herrscht ein solides Familienklima mit klaren Linien für unsere Kinder. Und sogar eine tägliche gemeinsame Abendbrotmahlzeit gehört dazu.“
Solche Eltern legen großen Wert darauf, dass ihre Kinder selbstständig werden. Sie haben die berechtigte Hoffnung, dass diese später ihre Ausbildung anpacken und eine eigene Lebensgrundlage zustande bringen.
Aber diesen Eltern ist das eben Gesagte allein noch nicht genug. Sie hoffen darüber hinaus, dass ihre Sprösslinge in ihrem familiären Umfeld einen dauerhaften Rückhalt entwickeln. Dabei zeigt sich: Das Vorbild der Eltern, ihre direkte Zuwendung und ein unbekümmert natürlicher (am besten gläubiger) Verhaltensstil hat sich als das erfolgreichste Modell herausgestellt. Denn dadurch entsteht unterschwellig ein Band, das dennoch freilässt und dadurch später auch realistische Bindung an neu hinzukommende Menschen ermöglicht.
Unter dem Strich bedeutet das: Bei einem kontinuierlichen Erziehungsstil dieser Art können wir auch hoffen, dass Kinder als Erwachsene genug Festig­keit besitzen, den eigenen Stürmen des Lebens zu widerstehen, indem sie die Fähigkeit erworben haben, auch gegen Widerstände kontinuierlich standfest zu bleiben und in einem eigenen Umfeld Kraft zum Lieben, zum Durchhalten – auch zum Mitsorgen und Helfen angesichts der Schwächeren in der Familie, den ganz Kleinen und den Uralten – zu entfalten.
Es hat sich aber auch neu herausgestellt, dass solche beglückenden familiären Erfolge am ehesten zu erreichen sind, wenn Familien auf dem Boden eines festen christlichen Wertesystems, ja, mit einer eigenen emotionalen Festigkeit im christlichen Glauben stehen. Denn aus einer solchen Haltung erwächst ein bewussteres Verantwortungsgefühl und darüber hinaus eine selbstverständliche, freiwillige Opferbereitschaft für die anderen. Besonders Familien, in denen auch der Vater – nicht die Mutter und Großmutter allein – diesen Stil bewusst lebt, haben eher eine Chance, dass ihre Kinder sich besonders von ihm beschützt fühlen und deshalb leichter eine Verhaltenskultur entwickeln.
Einem getreulichen Vater, der seinen Glauben an Gott und die zehn Gebote ernst nimmt und sich bei wichtigen Entscheidungen danach ausrichtet, gelingt es oft auch besser, mit den Jugendlichen durch die Pubertät zu kommen.
Seit vor 50 Jahren mit der sogenannten Studentenrevolte eine mächtige Lebensveränderung, eine Liberalisierung, ja, eine Entfesselung der Sexualität stattgefunden hat, war diese neue Nachdenklichkeit dringend nötig geworden. Von nun an gelang es jungen Eltern nicht mehr selbstverständlich, die Vorbilder einer gut funktionierenden Eltern-Familie einfach zu wiederholen und mit ihren Kindern nachzuahmen. Die Voraussetzungen für eine stabile Kindererziehung mussten neu bewusst aufgenommen werden, um damit den vielen Übertretungen und Auswüchsen standhalten zu können.
Spätestens heute müssen wir uns klarmachen: Unversehens wurden in den Gesellschaften des Westens die gesunden Möglichkeiten eines vernünftigen Lebens überschritten. Heute kann man nicht mehr weiter einfach die Augen und Ohren vor den Folgen verschließen: Rechtsbrüche und chronische Krankheiten in der Bevölkerung nehmen in dem Maß zu, in dem Menschen in den unbekömmlichen Trends mitlaufen. Dann geht gesundes Maßhalten verloren, und manch einer rutscht da sogar auf die schiefe Bahn.
Resümee: Eltern sollten wissen, dass unsere Gesellschaft derzeit einer Ideologie erlegen ist, die, wenn sie fortdauert, vielen Kindern schweren seelischen Schaden zuzufügen vermag. Ich habe deshalb in meinen Büchern und in vielen Vorträgen und Aufsätzen unermüdlich davor gewarnt, sich durch Befolgen dieses Zeitgeistes Unglück über Unglück einzuhandeln. Auch heute gebe ich noch (unentgeltlich) Rat jedem, der aus diesem Feld bei mir anklopft.
Aber wir können uns selbst jetzt noch retten, wenn wir mit der ganzen Tiefe des Herzens wieder aufnehmen, was wir zu Weihnachten gefeiert haben: Da stand die echte Krippe unseres Gottes im Zentrum und lud uns ein,  mit Freude hinaufzuflehen: „Welt, gehst du auch verloren, doch uns ist Christus geboren – mit dem leuchtenden Stern einer klaren Ausrichtung über Bethlehems Stall!

© 1999-2020 Vision2000 | Sitz: Beatrixgasse 14a/12, 1030 Wien | Mail: vision2000@aon.at | Tel: +43 (0) 1 586 94 11