VISION 20001/2020
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Gott liebt auch die Tiere

Artikel drucken Tiergeschichten eines Bischofs (Christof Gaspari)

Jetzt kenne ich Bischof Andreas Laun wirklich schon lange, aber bei der Lektüre seines neuen Buches Gott liebt auch die Tiere – Tiergeschichten eines Bischofs habe ich ihn von einer neuen Seite – einer besonders liebenswerten – entdeckt. Und zwar vor allem beim Lesen des Kapitels „Leben mit Pamina und der Abschied“. Darin erzählt er seine Erlebnisse mit seiner Hündin: die „Liebe auf den ersten Blick“ im Tierheim, wie er sie zum Schwimmen animiert, sie aus einer schlammigen Zisterne gerettet hat… – und seinen großen Schmerz, als er nach 13 Jahren von ihr Abschied nehmen musste.
Mit diesem Kapitel (nicht mit dem ersten, das etwas untypisch wirkt) sollte man die Lektüre beginnen, um zu verstehen, warum sich ein Bischof so eingehend mit der Frage beschäftigt hat, ob Gott tatsächlich auch die Tiere liebt. Und alle Tierfreunde darf ich beruhigen, der Bischof weist uns mit beachtlicher Kenntnis der einschlägigen Stellen in der Heiligen Schrift nach: Gott liebt sie, die Tiere.
Und im Kapitel „Gibt es einen Tierhimmel?“ hält der Autor nach ausführlicher Argumentation fest: „Also bin ich geneigt zu denken, dass es auf der neuen Erde alles Schöne und Gute wieder geben wird, wahrscheinlich noch schöner und besser als jetzt – also wohl auch mit Pamina und allen anderen Geschöpfen Gottes.“
Bischof Laun geht interessanten Fragestellungen nach. Ein Kapitel etwa heißt: „Was sind eigentlich Tiere?“ Und zunächst die erstaunliche Antwort: „Ich schreibe über Tiere, muss aber zugeben: Ich weiß nicht, was Tiere eigentlich sind.“ Dann aber hält der Autor doch einige Merkmale fest: „Tiere haben eine Seele, eine Tierseele.“ Die Heilige Schrift rede von der Seele der Tiere, „unterscheidet aber sorgfältig vom Geist des Menschen“. Jedenfalls sind viele dieser Geschöpfe zu ganz erstaunlichen Leistungen fähig, die jedem Techniker Bewunderung abringen würden. Und weil die Tiere „Gott nahe sind“, wie Papst Johannes Paul II. festgehalten hat, dürften wir sie nicht als reine Nutzobjekte betrachten.
Trotz aller Wertschätzung für das Tier warnt der Autor aber auch im Kapitel „Irrwege der Tierliebe“ vor der Vermenschlichung dieser Lebewesen. Es sei des Menschen unwürdig, „Tiere schwärmerisch als Kindersatz (zu) behandeln“, selber aber kein Kind zu wollen.
Durch das ganze Buch zieht sich somit eine den Tieren gegenüber wohlwollende, aber ausgewogene Einstellung, die dem Zugang der katholischen Kirche zu diesem Thema entspricht. Was sie über den Umgang mit den Tieren sagt? Man dürfe „sich der Tiere zur Ernährung und zur Herstellung von Kleidern bedienen. Man darf sie zähmen, um sie dem Menschen bei der Arbeit und in der Freizeit dienstbar zu machen.“
Allerdings  widerspreche es der Moral, „Tiere nutzlos leiden zu lassen und zu töten. Auch ist es unwürdig, für sie Geld auszugeben, das in erster Linie menschliche Not lindern sollte. Man darf Tiere gernhaben, soll ihnen aber nicht die Liebe zuwenden, die einzig Menschen gebührt.“
Klar, dass der Bischof den Gedanken, Tiere als Wiedergeburt des Menschen anzusehen als Unsinn bezeichnet und interessant, wie er sich mit dem Thema Evolution auseinandersetzt. Da gefallen mir die zwei Absätze des einschlägigen Kapitels: „Gott hat alles geschaffen, natürlich auch die Tiere und Menschen, aber wir wissen nicht, wie es war und wie wir uns den Tag vorstellen könnten, als das erste Mal Menschen auf der Erde waren und auch Tiere.“ Und mit Bezug auf die Evolutionisten: „Es ist wissenschaftlich redlicher, das Nichtwissen zuzugeben als eine Theorie zu verteidigen, die man nur braucht, um den eigenen Atheismus besser verteidigen zu können.“
Das Buch beschließt eine Reihe von Geschichten. Wer zwischen den grundsätzlichen Überlegungen zum Thema Tier nach einer netten Abwechslung sucht, dem empfehle ich „Die Geschichte von der armen Maus und der glücklichen Katze“ zu lesen.

Gott liebt auch die Tiere. Tiergeschichten eines Bischofs. Von Andreas Laun. Be&Be-Verlag, 146 Seiten mit Bildern, 21,90€.

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