VISION 20001/2020
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Die Seele kann nicht auferstehen, sie ist unsterblich

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Zusammen mit Weihnachtsgrüßen schickte uns heuer ein guter Bekannter Gedanken, die er im Anschluss an ein Requiem angestellt hatte.
 
Bei dieser Heiligen Messe sei ihm zweierlei aufgefallen. Erstens war die Rede von der „Auferstehung der Seele“ und zweitens wurde die Messe „Auferstehungsmesse“ ge­nannt. Das ist heute eine häufig verwendete Bezeichnung, die  deswegen irreführend ist, weil sie unterstellt, der Verstorbene sei schon in die Herrlichkeit Gottes eingetreten. Und dabei bedürfen wohl die meisten von uns noch einer Läuterung und nach unserem Ableben dringend des Fürbittgebets der Hinterbliebenen.
Nun aber ein Auszug aus dem erwähnten Brief, der wichtige Klarstellungen enthält:
CG

Ich sehe das so: Vom Herrn selbst haben wir das Wort (Mt 28,10) ,,Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können“. Entsprechend lehrt uns auch die Kirche (wie heute teilweise auch schon die Naturwissenschaft etwa der Kardiologe Pim van Lommel in Das unendliche Bewußtsein), dass die Seele unsterblich ist (KKK 366). Entsprechend wissen wir, dass es allein unser Leib ist, der im Tod stirbt. Auferstehen kann, so meine zumindest ich, nur das, was gestorben und tot ist.
Auferstehung ist also eine Sache des Leibes. Dass Auferstehung eine Sache des Leibes ist, sagt uns auch klar das apostolische Glaubensbekenntnis mit Credo „carnis resurrectionem“: Ich .glaube an die Auferstehung des Fleisches. Der lateinische Text ist leider heute (wie nicht wenige andere liturgische Texte auch) im Deutschen verfälscht zu ,,Auferstehung der Toten“. (…) Im alten Gotteslob gab es sogar noch ein deutsches Kirchenlied zum Glaubensbekenntnis, dass diesen jetzt unterschlagenen Glaubenssatz herausstellt: ,,Wir glauben an die Kirch allein, die einig, heilig, allgemein, und an des Leibes Auferstehn und ewges Leben in den Höhn.“
Bestätigt wird unser Glaubenswissen von Tod und Auferstehung allein des Leibes auch durch die Aussage im apostolischen Glaubensbekenntnis zum Wirken Jesu zwischen seinem Tod und seiner Auferstehung. Die Worte „descendit ad inferros“ werden in KKK 632 so erklärt: ,,Jesus erlitt wie alle Menschen den Tod und begab sich der Seele nach zum Aufenthalts­ort der Toten. Aber er stieg in diesen hinab als Retter und verkündete den Seelen, die dort festgehalten wurden, die Frohbotschaft.“ Jesus war also zwischen Karfreitag und dem Ostermorgen tätig, obwohl sein abgestorbener Leib noch tot im Grabe lag.
Ist es also allein der Leib, der im Tode stirbt und aufersteht, dann ist die Rede von der „Auferstehung der Seele“ irreführend. Denn die Seele ist unsterblich. Sie stirbt nicht, ist nie tot und kann nicht vom Tode auferstehen. Irreführend ist auch die Bezeichnung einer solchen Totenmesse als „Auferstehungsmesse“. Denn wir legen ja danach den offensichtlich für die Würmer bestimmten Leichnam ins Grab. Vorerst ist es halt noch nichts mit der Auferstehung unseres Leibes. Die erwarten wir ja auch erst für den jüngsten Tag.

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