VISION 20001/2022
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Er muss wachsen – ich aber muss kleiner werden

Artikel drucken (P. Helmut Leonhard)

Die liebende Aufnahme Jesu in unserem Herzen sollte das wichtigste Anliegen in unserem Leben sein. Ist Jesus in unserem Herzen schon ganz angekommen, sind wir schon ganz eins mit Ihm? Jesus kann aber nur ganz ankommen, wenn wir Ihn ganz ins Herz aufnehmen! Leider stehen dem alle möglichen Sünden oder sündhafte Gewohnheiten und Haltungen entgegen. „Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen!“ ruft Johannes der Täufer. Diesen ganzen Schmutz weg zu räumen, ist aber anstrengend!
Ich habe den Eindruck, dass ich jetzt im Alter noch stärker mit dieser Tatsache konfrontiert werde. Es ist ein innerer Kampf. Wenn zum Beispiel bei der Messe meine Gedanken mit allem möglichen beschäftigt sind, obwohl doch in der Messe Jesus sich in der Hostie an mich hingibt, ganz und bedingungslos, einfach weil er mich so sehr liebt!
Das ist ja, wie wenn ein junger Mann mit seiner Braut am Traualtar steht, mit seinen Gedanken aber bei einem Problem ist, das er gerade an seiner Arbeitsstelle hat!
Sobald ich es bemerke, wende ich mich natürlich sofort wieder Jesus zu und bitte Ihn um Entschuldigung. Zugleich aber bin ich tief betroffen, dass das immer wieder geschieht. Dabei bitte ich Jesus immer wieder, dass Er mich davon befreit. Irgendwann fing ich an, genauer hinzuschauen, womit sich denn meine Gedanken beschäftigen. Da sah ich immer deutlicher, dass meistens mein Ego, mein egoistisches Ich, daran beteiligt ist.
Als immer mehr Jünger Johannes des Täufers ihn verließen und sich Jesus anschlossen, sagte Johannes „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.“ Ja, auch mein Ego muss kleiner werden und Jesus in mir wachsen. Das will ich und darum bemühe ich mich, aber es gelingt mir nicht. Was kann ich da tun?
Ganz einfach: Ich bitte Jesus von ganzem Herzen, mich von Innen heraus zu verändern. Ich vertraue darauf, dass Er es tun wird (soweit ich es zulasse). So bitte ich Jesus besonders in der Messe, aber oft auch mitten im Alltag in den verschiedenen Feldern dieses Kampfes: „Nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir!“ (Teil eines Gebetes des hl. Niklaus von Flüe, Gotteslob 9,5)

Der  Autor ist Claretiner, sein Beitrag ein Auszug aus seinem jüngsten Rundbrief an seinen Freundeskreis.

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