VISION 20002/2000
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Einiges muß sich da noch ändern

Artikel drucken Wie gegenseitiges Verständnis wächst (Alexa Gaspari)

Unlängst war ein Bericht im Fernsehen über Probleme von Frauen im Vorderen Orient, wenn es um die Trennung ihrer Ehen geht. Mir hat allein schon die Vorschau genügt: Eine Frau, die weinend vor einem Beamten um das Recht kämpft, ihr kleines Kind behalten zu dürfen. Ich wußte sofort, wenn ich mir das anschaue, kann ich wahrscheinlich die ganze Nacht nicht schlafen.

Ja, es ist wahr. Es gibt auf der Welt noch genug Elend von Frauen, Staaten, in denen Frauen nicht nur schlecht behandelt und gedemütigt werden, sondern faktisch rechtlos sind.

Und auch bei uns gibt es jede Menge Ungerechtigkeiten: Frauen, die von ihren Männern miserabel behandelt werden, oder Töchter, denen es mit ihren Vätern ähnlich ergeht. In wievielen Familien gelten heute noch die Mädchen weniger als die Buben?

So gesehen ist es verständlich, daß Frauen diese Zustände verändern wollen. Hier im Westen meinen nun aber viele von ihnen, dieses Problem sei nur zu lösen, wenn sich die Frauen verändern und zwar so, daß sie ihre weiblichen Verhaltensweisen, Interessen und Eigenschaften ablegen, um männliche Verhaltensmuster anzunehmen (siehe Seite 5). Der Erfolg: ein beinhartes Ringen um Macht ohne Verständnis füreinander, ohne gegenseitige Anerkennung.

Ginge es nicht viel eher darum, daß Männer und Frauen erkennen, wie sehr sie aufeinander angewiesen sind - und wie schön und bereichernd dies für das tägliche Leben sein kann? Und wäre es nicht an der Zeit einzusehen, welch großes Unrecht es ist, den besonderen Eigenschaften und Aufgaben von Mann und Frau nicht Rechnung zu tragen?

Ist es nicht traurig zu sehen, wieviele Frauen mittlerweile die ureigensten weiblichen Eigenschaften - zu behüten, zu umsorgen, für andere da zu sein, gütig zu sein, zu heilen, zuzuhören - nicht mehr zu schätzen wissen? Und ebenso wenig akzeptieren sie im Grunde genommen die männlichen Haltungen.

Gibt es einen Ausweg? Wenn ich so an die Männer denke, über die ich in den letzten Jahren Portraits geschrieben habe, dann fällt mir folgendes auf: Männer, die einen tiefen Glauben haben, die im Gebet offen für Gottes Weisungen sind, erfahren durchwegs eine Veränderung. Wenn der Mann sich nämlich für Gott, der die Quelle aller positiven Eigenschaften von Mann und Frau ist, öffnet, vollzieht sich in ihm auch eine Öffnung, ein Verständnis für das Weibliche: Er wird einfühlsamer, leidensfähiger, behütender, bewahrender, ausdauernder. Damit lernt er, die Frauen besser zu verstehen und sie zu achten.

Gleichzeitig versucht er auch, die männlichen Eigenschaften in einer zunehmend geläuterten Form zu leben. So wird er zu einem Haupt der Familie, zu einem, das Frau und Kinder zu lieben lernt, ohne sie zu bevormunden, zu beschützen, ohne sie zu unterdrücken.

Gleiches gilt auch für die Frau: Im Gebet gewinnt sie die notwendige Stärke, ein gesundes Selbstbewußtsein, ohne deswegen ein besserer Mann werden und dessen Aktivitäten übernehmen zu wollen. So bleibt jeder, was er ist: Mann oder Frau. Doch das Verständnis füreinander kann enorm wachsen. Allerdings bleibt dieses Wachstum ein lebenslanger Prozeß. Beispiele eines solchen Wachsens aber gibt es mehr als man glaubt. Beten wir um dieses Verständnis.

Alexa Gaspari

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