VISION 20002/2000
« zum Inhalt Zeichen der Zeit

Verhütung: das moderne Tabu

Artikel drucken Jugendliche auf der Suche nach einem neuen Ideal (Tony Anatrella)

Verhütung ist kein Gegenmittel gegen die Abtreibung, die Zahlen sprechen diesbezüglich Bände. Außerdem sind ja die meisten Leute über Verhütung informiert. Das fängt bei den Jugendlichen ja schon in der achten Schulstufe im Biologieunterricht an. Aber irgendwie greift man fast absichtlich nicht auf das Wissen zurück.

Man müßte sich also viel intensiver fragen: Warum besteht diese Abneigung gegen die Verhütung, wie sie heute propagiert wird? Anders ausgedrückt: Zu behaupten, daß die Pille keinerlei biologische, psychologische oder moralische Auswirkungen hat, ist einfach eine gesellschaftliche Lüge.

Warum also diese Abneigung? Erster Grund: Sanitäre Vorschriften haben heute die moralischen ersetzt. Die moralische Norm verfolgt das Anliegen, eine Perspektive zu eröffnen, die es gestattet, sein Leben aufzubauen und zu bewerten. Früher gab es diesbezüglich einen relativ großen Konsens - und man konnte sich auch einige Freiheiten nehmen. Die sanitäre Vorschrift hingegen schreibt ziemlich präzise das Verhalten und die sexuellen Modelle vor. Man sieht ja, wie die Medien reagieren, wenn schwangere Jugendliche erklären, sie wollten ihr Baby behalten (siehe S. 23). Welcher Druck wird da ausgeübt, um sie zur Abtreibung zu drängen!

Die sanitären Modelle sind also viel umfassender und zwingender als die moralischen Normen. Heute haben wir es mit einem Modell der Verhütung zu tun, und keiner darf sich ihm entziehen. Ich habe viele Frauen in meiner Beratung, die das Verhüten wie einen Zwang empfinden, eine gesellschaftliche Einmischung in ihr Privatleben.

Ein weiterer Grund: Die feministische und kontrazeptive Ideologie ist im Grunde genommen unfähig, auf das Unbehagen der Jugendlichen Antwort zu geben, weil sie als einzigen Wert der Sexualität das Vergnügen anbieten. Nun ist zwar das Vergnügen eines der Merkmale der Sexualität, aber nicht ihre eigentliche Bestimmung.

Das Ziel der Sexualität ist aber ihre Fähigkeit, die Beziehung zum anderen zu bereichern, eine Beziehung, die offen für die Geburt eines Kindes ist. Durch das Verhütungsgerede wird die Sexualität ihres doppelten Sinns beraubt zugunsten" ihrer Beschränkung auf die Suche nach dem Vergnügen.

Tony Anatrella

Der Autor ist Priester und Psychoanalytiker, ein Spezialist für Jugendliche, sein Beitrag ist ein Auszug aus Famille Chrétienne" v. 3.2.00

© 1999-2020 Vision2000 | Sitz: Beatrixgasse 14a/12, 1030 Wien | Mail: vision2000@aon.at | Tel: +43 (0) 1 586 94 11