VISION 20004/2005
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Österreichs Freiheit und die Macht beständigen Gebets

Artikel drucken Die Rolle des Rosenkranz-Sühnekreuzzugs für den Abschluß des Staatsvertrags

60 Jahre Österreichischer Staatsvertrag: Anlaß für die Regierung gebührend am Ort der Unterzeichnung, im Wiener Belvedere, zu feiern, Anlaß auch für die Medien zu ausführlichen Rückblicken auf die Nachkriegszeit im Land. Weitgehend ausgeblendet wurde jedoch, daß Österreich seine Befreiung vor allem dem vertrauensvollen Gebet vieler Landsleute verdankt, wie der folgende Beitrag berichtet.

Während die Österreicher bei Austro-Pop und “Sound of Music"-Romantik durch den Park schlenderten, schien keine richtige Begeisterung aufzukommen, als es am vergangenen 15. Mai “Österreich ist frei!" vom Balkon des Belvederes hallte. Nach 60 Jahren Frieden klingen diese Worte wie eine Selbstverständlichkeit in den Ohren der meisten unter 60jährigen.

Allzu sehr hat sich das inzwischen gesättigte Österreich an seine wiedergewonnene Freiheit gewöhnt, all zu selbstverständlich geht es mit seiner Geschichte um, verdrängt Unangenehmes und will nicht immer wieder an seine Vergangenheit erinnert werden, weder an die Jubelrufe am Heldenplatz noch an das Elend der Nachkriegszeit. In den vergangenen Jahren und Monaten wurde das Thema “Zweiter Weltkrieg" in den Medien so oft wiedergekaut, daß eine Art Übersättigung eingetreten ist.

Da fällt es kaum auf, daß ein Mann im Belvedere-Park tausende Flugblätter verteilt, die den Österreichern den eigentlichen Grund ihrer Befreiung in Erinnerung rufen sollen: Auf dem Flugblatt ist nicht nur das Foto der berühmten Balkonszene abgebildet, auf dem der österreichische Außenminister Leopold Figl, umgeben von den Außenministern der vier Großmächte und Bundeskanzler Julius Raab stolz den Staatsvertrag mit den Worten “Österreich ist frei!" zeigt.

Nein, daneben sieht man Leopold Figl - er war in den Jahren von 1945 bis 1953 Bundeskanzler - auf den Knien betend in der Wiener Franziskanerkirche. Darüber die Worte Figls: “Dem Segen des Allmächtigen und der Bitte der Schutzfrau Österreichs können wir auch weiterhin nicht entraten."

Heute erinnert sich kaum jemand mehr daran, daß es in der Vergangenheit Politiker gab, die in einer aussichtslosen Situation die Hilfe Gottes erfleht haben und daß das erbetene Ereignis dann auch wirklich und wunderbar eingetreten ist.

Denn im Fall Österreichs kann man wirklich von einem Wunder sprechen, wenn man nur bedenkt, daß nach zehnjähriger Sowjetokupation dem nördlichen Teil Österreichs und Wien das selbe Schicksal wie Berlin und Ostdeutschland drohte. Noch bei der 268. Verhandlungssitzung in Berlin sagte der sowjetische Außenminister Molotow Bundeskanzler Figl ins Gesicht: “Herr Figl, machen Sie sich keine Hoffnungen."

Umso unerklärlicher ist, daß sich Rußland dann doch plötzlich aus dem österreichischen Gebiet zurückzog und nach der 354. Verhandlungssitzung gemeinsam mit den anderen Außenministern der Besatzungsmächte den österreichischen Staatsvertrag unterzeichnete.

Julius Raab, der zu diesem Zeitpunkt Bundeskanzler war, fügte damals auf dem Balkon des Belvedere die bedeutenden Worte hinzu: “Wenn nicht soviel gebetet worden wäre, so viele Hände in Österreich sich zum Gebet gefaltet hätten, so hätten wir es wohl nicht geschafft."

Immer mehr Österreicher, zuletzt sogar eine halbe Million, hatten zuvor in Bittprozessionen “für unser Vaterland und um den Frieden" gebetet und “Maria, die erhabene Schutzfrau Österreichs" angefleht.

Die Initiative ging auf einen unscheinbaren Franziskanermönch zurück, der einem inneren Anruf der Muttergottes folgte, die zu ihm gesagt hatte: “Tut, was ich euch sage, und ihr werdet Frieden haben." Pater Petrus Pavlicek gründete daraufhin im Februar 1947 eine Gebetsgemeinschaft basierend auf dem geistigen Hintergrund der Marienerscheinungen von Fatima, dem bald auch Bundeskanzler Figl beitrat.

Der Rosenkranz-Sühnekreuzzug verbreitete sich schnell in Österreich und Pater Petrus predigte unermüdlich, daß das Gebet eine Macht sei, vor allem der Rosenkranz, und daß “nur Gott den wahren Frieden schenken" könne. Vor allem in den Tagen vor den Nationalratswahlen von 1949 organisierte Pater Petrus “Sturmgebete" und Lichterprozessionen, weil man Angst hatte, die Kommunisten würden bei den Wahlen siegen. Und schon damals ging die Wahl gut aus: Die Kommunisten erhielten eine klare Absage.

Noch mehrere Male kam es zu bedrohlichen Situationen für Österreich, etwa beim Putschversuch im Oktober 1950, als kommunistische Rollkommandos einen Generalstreik erzwangen und das unter russischer Kontrolle stehende Radio Wien gegen die Regierung aufgehetzt wurde. Die Freiheit der Österreicher in der sowjetischen Besatzungszone hing damals an einem seidenen Faden.

Die österreichische Bischofskonferenz hat den Rosenkranz-Sühnekreuzzug 1949 offiziell anerkannt, und ab 1953 nahm Julius Raab, der Figl als Bundeskanzler folgte, regelmäßig an der Lichterprozession am Gedenktag “Mariae Namen" teil. Je frustrierender die Verhandlungen liefen, umso mehr setzten die Gläubigen in jenen Jahren auf das Gebet.

Daher ist es nicht verwunderlich, daß viele - und eben auch maßgebende Politiker - im unerwarteten Gesinnungswandel von 1955 eine Frucht des treuen Gebets sahen. Daher konnte dann auch Bundeskanzler Raab ausrufen: “Vor allem möchte ich meinen Dank sagen dem Herrgott, daß wir diese Stunde für Österreich erleben durften."

Marie Czernin

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