VISION 20001/2007
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Überzeugt, daß Gott sie führt

Artikel drucken Helga Sebernik, eine Frau mit großem Engagement für die Jugend (Von Alexa Gaspari)

Haben Sie schon einmal etwas von TeenStar gehört? Nein? Haben Sie Jugendliche in Ihrer Familie - so zwischen 11 und 20? Ja?

Dann wäre es gut, wenn diese jungen Leute Gelegenheit bekämen, TeenStar, eine christlich orientierte Sexualerziehung, kennenzulernen. Helga Sebernik, eine engagierte junge Frau hat sich vor Jahren vorgenommen, dieses internationale Programm in Österreich bekannt zu machen.

Helga kenne ich schon seit längerem. Von Anfang an hat mich ihr frohes Wesen, ihr Temperament, ihre Zielstrebigkeit und nicht zuletzt ihr absolutes Vertrauen in Gottes Führung fasziniert. Ein Interview wurde ins Auge gefaßt und unlängst waren mein Mann und ich bei ihr in Krummnußbaum, in Niederösterreich. Von ihrer Wohnung hat man einen wunderschönen Blick auf die Donau wie auch auf die Kirche von Maria Taferl. Herrlich! In einer gemütlichen Ecke erzählt sie mir aus ihrem Leben.

Jedesmal, wenn ich sie treffe - zuletzt beim internationalen TeenStar-Kongreß in St. Gabriel -, stelle ich fest, daß ihre herzliche, fröhliche Art es einem leicht macht, mit ihr ins Gespräch zu kommen. Ihre Eltern - so beginnt sie - beide aus ganz armen Familien, lernen sich im oberösterreichischen Hinterstoder kennen. Die Mutter hütet hier Kühe und der Vater war aus der Südsteiermark zugewandert. Sie heiraten und ziehen später nach Kremsmünster. Hier werden beide viele Jahre in der Landwirtschaft des Stiftes arbeiten: Die Mutter betreut die Hühnerfarm, der Vater kümmert sich um die Grünflächen des Stiftes.

Sie sind nicht mehr die Jüngsten, als sie eine Wallfahrt nach Mariazell unternehmen, um die Muttergottes um Hilfe bei ihrem Kindeswunsch zu bitten. Die Bitte wird erhört. So kommt Helga am 13. Juni 1964 in Kirchdorf auf die Welt. Allerdings gibt es große Komplikationen: Die 42jährige Mutter leidet zum Zeitpunkt der Geburt an einer schweren Vergiftung und das Baby wiegt, trotz neunmonatiger Schwangerschaft, nur 1,20 Kilo. Die Ärzte geben Mutter und Tochter kaum eine Überlebenschance.

Das winzige Baby - “wie ein abgezogener Hase, ganz blau" beschreibt sich Helga - liegt unbeweglich im Brutkasten. Eine besorgte Klosterschwester spendet ihm die Nottaufe. Die Mutter bekommt die Krankensalbung. Siehe da: Nach einiger Zeit im Brutkasten, wo es nicht viel beachtet wird, bewegt sich das Baby. Bald ist das kleine Wesen sogar so quirlig, daß es den Spitznamen “Quecksilber" bekommt. Ein unbändiger Lebensmut macht sich bemerkbar. Auch die Mutter erholt sich wunderbarerweise. Ist das nicht ein Beispiel dafür, daß wir den Sakramenten der Kirche mehr Vertrauen schenken sollten?

Helga entwickelt sich, trotz der negativen Prognosen, in der Folge ganz ohne Schäden. Der schwierige Lebensbeginn: die Wallfahrt der Eltern nach Mariazell, ihr Geburtstag, der auf einen 13. (Fatimatag) fällt, die Nottaufe, ihr Überleben trotz der ganz geringen Chance, haben für sie eine tiefe Bedeutung als sprechende Zeichen des Wirkens Gottes.

Im Stift Kremsmünster tritt eine Frau in das Leben der Familie, von der Helga sicher ist, daß Gott sie ihr geschickt hat, um in ihrem Leben segensreich zu wirken. Tante Frieda - wie Helga sie nennt - war aus Südmähren geflohen und auf der Suche nach einer Anstellung in Kremsmünster gelandet. Dort freundet sie sich mit Helgas Eltern an und schließt besonders deren Tochter in ihr Herz.

Helga ist erst acht Jahre alt, als sich der Vater unter tragischen Umständen das Leben nimmt. In seiner Jugend, erzählt Helga, war er seelisch tief verletzt worden - die bettelarmen Eltern konnten sich kaum um ihn kümmern. So war er im Laufe seines Lebens zum Alkoholiker geworden und es gelang ihm einfach nicht, davon wegzukommen. Für Helga jedoch war er vor allem ein gläubiger Mensch, der ihr jeden Abend mit dem Weihwasser ein Kreuzerl auf die Stirn zeichnete und sie am Sonntag in die Messe mitnahm. “Er war sicher ein Mensch, der viel Gutes in mir grundgelegt hat," erinnert sich die Tochter dankbar.

Nach dem Tod des Vaters kümmert sich nun Tante Frieda in liebevoller Weise um die Halbwaise. Noch vor seinem Tod hatte der Vater sie nämlich gebeten, sich - im Falle seines Todes - gemeinsam mit der Mutter des Kindes anzunehmen. Lächelnd meint Helga: “Die Tante hat das sehr ernst genommen und ist 90 geworden."

Wie wichtig diese Hilfe war, erklärt mir Helga: “Für meine Mutter, eine Arbeiterin, war Ausbildung nicht so wichtig, aber für die Tante war eine gute Schulausbildung unverzichtbar." So sorgt Tante Frieda dafür, daß Helga in die Hauptschule der Franziskanerinnen nach Wels kommt. Sie ist es auch, die sich ab nun um alle schulischen Belange des Mädchens kümmert, die Sprechstunden der Lehrer besucht und dem Kind mit Rat und Tat zur Seite steht. “Ich glaube, daß sie, die selbst keine Kinder hatte, in mir ihre Lebensaufgabe gesehen hat," ist Helga dankbar für diesen Menschen, den Gott ihr geschickt hat.

Wie segensreich die Entscheidung war, das Mädchen zu den Franziskanerinnen zu schicken, sieht Helga heute deutlich: “Dort habe ich mich in der zweiten Klasse sozusagen bekehrt." Auslöser ist die Religionslehrerin. Sie erzählt den Kindern vom Leben vieler Heiligen wie der Hl. Thérèse von Lisieux oder von P. Pio: “In der Klasse war es sehr laut. Die Kinder haben nicht aufgepaßt - nur ich. Für mich war es faszinierend, ihr zuzuhören, wenn sie über Heilige erzählt hat."

An eine Episode erinnert sich Helga: “Einmal sagte die Lehrerin: ,Wenn ihr etwas für die Welt tun wollt, dann betet für die Menschen, die Gott nicht kennen.' Nur wie sollte das gehen? Zu Hause wurde ja nicht wirklich gebetet." So nimmt die 12jährige das Heft, in dem der Rosenkranz-Text steht, mit nach Hause, denn merken kann sie sich ihn zunächst nicht. Von da an wird sie jeden Freitag den Rosenkranz vom Heft ablesen, um für andere etwas Gutes zu tun. Außerdem verzichtet sie am Freitag auf Fleisch. Die Mutter ist damit nicht einverstanden, hält das alles für übertrieben und ungesund. “Doch ich habe das durchgezogen," lächelt Helga. Ja, zielstrebig ist sie wohl immer schon gewesen.

Die Schwestern in der Schule sind ihre Vorbilder. Immer wieder kommt sie mit Fragen zur Religionslehrerin und beherzigt insbesondere deren Rat, sich bei Problemen an die Heiligen - deren Bilder sie zu Hause in Ehren hält - um Hilfe zu wenden. “Diese Frau hatte einen sehr großen, guten Einfluß auf mich," erinnert sie sich. Wohl ein Grund, warum Helga heute davon überzeugt ist , daß ein guter Religionsunterricht nicht nur wertvoll, sondern unverzichtbar ist.

Zurück zu Helgas Lebensweg: Nach der Hauptschule geht sie auf die Höhere Bundeslehranstalt für Wirtschaftliche Berufe und wird zur Pendlerin zwischen Linz und Kremsmünster. In dieser Zeit wird ihr religiöses Leben von den Jugendvespern, die P. Dr. Zacherl im Stift Kremsmünster hält, geprägt. “Er hat uns Jugendlichen einen lebendigen Gott nahegebracht. Das war sehr schön," erinnert sie sich dankbar.

Nach der Matura will Helga Hauswirtschaft und Ernährungslehre unterrichten. Sie schwimmt auf der Biowelle, weil eine Lehrerin ihr den Wert dieser gesunden Lebensweise vermitteln konnte. Das möchte auch sie anderen weitergeben. Wie wichtig doch gute Lehrer sind, die ihre Schüler motivieren und ihnen Wertvolles weitergeben können - ob in Religion oder anderen Fächern, denke ich mir bei Helgas Erzählung.

Allerdings beginnt die Maturantin zunächst mit einer Ausbildung zur Volksschullehrerin. Nach einigen Wochen steigt sie aber aus, weil sie zu erkennen meint, daß ihr die Kleinen nicht liegen. Am letzten Tag der Einschreibfrist in die Berufspädagogische Akademie in Wien meldet sie sich dort an, ohne die geringste Idee, wo sie unterkommen wird. Doch Gott, den sie sofort um Hilfe bittet, läßt sie nicht im Stich: Wie von selbst regelt sich das Wohnungsproblem. Zufall?

Die zwei Jahre in Wien werden vor allem spirituell für sie zum Erlebnis. Sie lernt hier so ziemlich alle Erneuerungsbewegungen kennen. Weil es da beinahe zu viel zu entdecken gibt, bleibt nicht genug Zeit fürs Lernen. Die Gefahr ist daher groß, daß sie bei der abschließenden Biologieprüfung versagen wird.

Sollte sie trotzdem durchkommen, so verspricht sie Gott, werde sie die Schullaufbahn ergreifen. Ihre Aufgabe bei der Prüfung: Die Gestaltung einer Unterrichtsstunde zum Thema: Wert des Lebens. “Ich hatte damals auch ,Jugend für das Leben' kennengelernt und mich für diese Idee begeistert. So war das einfach mein Thema." Die bei der Prüfung anwesenden Professoren, die bis dahin eher vor sich hin gedöst hatten, spitzen die Ohren bei ihrem engagierten Vortrag.

Nach der Prüfung erklärt ihr Professor, dieses Thema sei noch nie so souverän behandelt worden. Er bietet ihr eine Stelle an einer Volkshochschule an. Doch Helga lehnt ab: Sie hatte doch Gott versprochen, im Falle eines Erfolgs an einer Schule und nicht bei Erwachsenen zu unterrichten. Und siehe da: Noch bevor sie sich wo bewirbt, bekommt sie einen Anruf aus St.Pölten, ob sie nicht bei den englischen Fräulein eine Karenzvertretung bei 15jährigen übernehmen könne, um Kochen, Ernährungslehre, Gesundheitslehre und Hauswirtschaft zu unterrichten. “Das hat sich eigentlich bis jetzt immer in meinem Leben wie ein roter Faden durchgezogen: Nicht ich bewerbe mich, sondern an mich ergeht ein Anruf," erkennt Helga im Nachhinein das fortgesetzte Wirken Gottes.

Nach St. Pölten geht sie als Lehrerin ins Sacré Coeur nach Preßbaum und wird dann als Erzieherin für den Lilienhof gebraucht. Hier leben Kinder aus desolaten Familienverhältnissen sowie Kinder, die von den Eltern wegen ihrer Behinderung nicht versorgt werden können. Eines dieser Kinder, der kleine Patrick, wird ihr Patenkind. “Ich hab dich lieb und den Jesus hab ich auch lieb," erklärt ihr eines Tages der Sechsjährige. Er möchte getauft werden und sie soll seine Taufpatin sein. Diesen Buben aus schwierigen Verhältnissen begleitet Helga nun seit vielen Jahren.

13 Jahre lang unterrichtet sie dann in Ybbs in der Haushaltungsschule der Schulschwestern: erstmals auch in Deutsch, Berufskunde und - auf Anregung der damaligen Direktorin - nach einem Fernstudium, auch in Religion. Weil aber auch die Schwestern ihre Schule schließen - dieser wertvolle Schultyp wird immer weniger nachgefragt - macht Helga das Lehramt für Religion an Pflichtschulen und übernimmt nunmehr häufiger dieses Fach, das sie an einer Sonder- und an mehreren Pflichtschulen unterrichtet.

Welche Erfahrungen sie in diesen Jahren, in denen sie in Schule, im Hort oder im Internat tätig war, gemacht habe, frage ich. Worauf sie mir folgendes erzählt: “Ich komme gerade aus einer Volksschule, wo ich für eine andere Lehrkraft einspringe, und bin erstaunt über die große Unterschiedlichkeit der Kinder: da gibt es solche, die innerlich total verwahrlost sind, da lassen die Eltern total aus, geben jede Verantwortung an die Lehrer ab, andererseits haben manche Kinder eine so tiefe Spiritualität, daß man große Hoffnung für die heranwachsende Jugend haben kann."

Engagiert fährt sie fort: “Man merkt sofort, welche Kinder regelmäßig mit den Eltern in die Kirche gehen. Die Offenheit der Kinder beeindruckt mich. Wie begeisterungsfähig sie für Jesus sind! Ich zünde die Kerzen am Adventkranz an, beginne mit einem freien Gebet und bitte die Kinder, einfach mit Jesus zu reden. Wir könnten Ihm alles erzählen. Und da sprudelt es aus ihnen nur so heraus: Sie danken, erzählen Sorgen, bitten um Wichtiges..."

Ob die Kinder das zu Hause auch so machten, fragt sie manchmal nach. Manche, ja. Aber andere werden in ihrer Begeisterung zu Hause regelrecht blockiert. Ein Beispiel: “Eines Tages spreche ich in der Volksschule über die Hl. Messe, erkläre den Kindern, daß es sich dabei auch um ein großes Geschenk handelt. Wer nicht zum Gottesdienst geht, holt ein Geschenk nicht ab, das für ihn ganz persönlich bestimmt ist. Da beginnt eine 9jährige zu weinen: sie würde gerne zur Messe kommen, aber niemand in der Familie mag sie begleiten."

Und Helga ergänzt traurig: “Wenn Kinder gut geführt werden und zu Hause Unterstützung hätten, wären sie leicht für Jesus zu gewinnen. Und die religiös offenen Kinder können wiederum ihre Schulkameraden mitziehen. Da hat ein Bub z.B. ein Armbändchen mit der Aufschrift: ,What would Jesus do?" Ich bitte ihn, seinen Mitschülern den Sinn der Aufschrift zu erklären und so kommen die Kinder miteinander ins Gespräch über Jesus."

Ich fühle mich richtig in die Kirche versetzt, als Helga mir anschaulich erzählt, wie sich das heute mit den 9- bis 10jährigen bei der Beichte abgespielt hat. Vor dem Tabernakel seien sie gesessen und sie habe die wartenden Kinder aufgefordert, für alle Kinder zu beten, die nichts von Jesus wissen. “Und dann haben die Kinder Jesus gedankt: daß sie ein schönes zu Hause mit Eltern haben, daß sie in die Schule gehen dürfen, daß sie getauft sind."

Begeistert erzählt sie mir hier in ihrem gemütlichen Heim von den Kindern, die ihr ans Herz gewachsen sind. Sie möchte ihnen so viel für ihr Leben mitgeben. Die Zeit drängt, wie sie auch in der Schule erlebt: “Hier gibt es jeden Freitag Schülergottesdienste. Vor sieben, acht Jahren, kamen fast alle Kinder, freiwillig. Jetzt werden es immer weniger." Ein guter Religionsunterricht in der Volksschule sei daher so wichtig. Da könne noch etwas bewegt werden. Ich spüre, wie wichtig es ihr ist, ihren Glauben weiterzugeben.

Nun aber zu ihrem Engagement für Teenstar: Aus ihren Erfahrungen mit Jugendlichen habe sie gemerkt, wie stark Themen wie Liebe, Freundschaft, Sexualität die jungen Leute beschäftigen, wieviele Fragen sie dazu haben - und daß es offensichtlich kaum jemanden gibt, mit dem die Teenager über all das reden können. Sie überlegt, wie sie den Heranwachsenden helfen könnte, damit sie nicht nur die üblichen, oberflächlichen Klischees, sondern wahre, gesunde Antworten finden können. Und sie gibt diese Frage, wie immer, an Gott weiter.

Und da ergibt sich folgendes: Seit dem Wiener Familienkongreß 1988 bezieht sie VISION 2000 und liest dort eines Tages die Ankündigung einer “Teenstar"-Ausbildung in Kärnten. Teenstar, so erfährt sie, komme aus den USA und werde dort von Dr. Hannah Klaus, einer Missionsärztlichen Schwester und Gynäkologin entwickelt, um der Jugend in zeitgemäßer Form die Sexuallehre der Kirche nahezubringen (sieheVISION 5/06).

Zunächst ist Helga die einzige, die sich dort anmeldet. Also mobilisiert sie einige Bekannte, sich ebenfalls einzuschreiben und so kann das Seminar starten: der Beginn von Helgas Teenstar-Laufbahn. Es folgen weitere Seminare mit Dr. Klaus, bei denen das Wissen vertieft wird.

2002 erfolgt der nächste Schritt: Helga leitet in Graz zum erstenmal selbst ein Ausbildungsseminar, an dem 20 Personen, die sich ebenfalls engagieren wollen, teilnehmen. Wann denn mit den Kursen in den Schulen begonnen wurde, frage ich “Das ist parallel geschehen," erklärt mir Helga. “Es waren ja etliche Lehrer, die sich als Mitarbeiter ausbilden ließen. Sie haben nachher Teile der Seminare in ihren Unterricht einfließen lassen. So ist das langsam gewachsen. Auch ich habe ja in dieser Zeit 14- bis 16jährige unterrichtet und nach meinem ersten Seminar Elemente dieser Ausbildung im Unterricht verwendet."

Wie hat sich die Geschichte von TeenStar weiterentwickelt? Ein gemeinnütziger, nicht kirchlicher Verein - so hat man zu verschiedenen Organisationen und Schulen Zugang - wird gegründet (der, nebenbei bemerkt, auf Spenden angewiesen ist, um seine wichtige Aufgabe voranzutreiben), das Programm vielen Bischöfen persönlich vorgestellt. Im vorigen Schuljahr wurden Kurse in 13 Schulen mit rund 700 Schülern abgehalten. Mehr als die Hälfte dieser Schulen haben auch für das laufende Jahr um Kurse angesucht.

Um die Schulen und außerschulische Kurse regional betreuen zu können, gilt es jetzt, Mitarbeiter in möglichst vielen Bundesländern zu gewinnen. So werden heuer 100 Interessierte ausgebildet, von den hoffentlich viele versuchen werden, jungen Leuten einen verantwortungsvollen Umgang mit ihrer Sexualität nahezubringen. Als Hauptverantwortliche für Österreich investiert Helga nun enorm viel Zeit. Das brachte sie in ein Dilemma: Arbeit für den Lebensunterhalt oder Engagement für TeenStar. Auch hier hat die Vorsehung eine Lösung geschaffen: Eine Sponsorin hat es Helga ermöglicht, in diesem Schuljahr die Zahl ihrer Schulstunden zu reduzieren und zusammenarbeit mit Mitarbeitern im deutschsprachigen Raum das TeenStarprogramm für die 14- bis 18jährigen didaktisch weiter zu ver bessern und für eine möglichst weite Verbreitung zu sorgen.

Für welches Alter das Teenstar-Angebot denn am geeignetsten sei, frage ich und erfahre, daß es verschiedene Programme gibt: für 11- bis 14jährige, für 14- bis 18jährige, aber auch für junge Erwachsene und Teenagereltern. In einem Polytechnikum hat eine 15jährige Schülerin Helga einmal gesagt: “Es ist eigentlich zu spät bei uns. Bitte fangen sie damit bei den Kleinen an. Bei uns ist schon alles gelaufen."

“Es stimmt," meint Helga, “von den 15jährigen haben schon manche mit sexueller Aktivität begonnen. Die jungen Leute dann zum Umdenken zu bewegen, ist viel schwieriger als sie vorher abzufangen, damit sie gar nicht anfangen. Und noch etwas Wesentliches: Wenn im Bereich Sexualität vieles schiefgelaufen ist, geht auch die Antenne für Gott verloren. Sie haben dann den Kopf mit der Sexualität voll und ziehen die Antenne zu Gott ein."

Und sie ergänzt: “Auch auf anderen Gebieten gehen Kapazitäten - die man ausbauen könnte - verloren. Die Jungen brauchen religiöses Futter. Da kann man sie gar nicht so leicht überfordern. Auch auf dem Gebiet von Freundschaft und Sexualität kann man weitaus höhere Forderungen an sie stellen, als gemeinhin angenommen wird. Und sie sind dankbar dafür. Das ist ja auch ein Zeichen, daß man sie ernst nimmt," erklärt Helga dezidiert.

Ja, wieviel Unglück durch zu früh eingegangene, gescheiterte Beziehungen, ungewollte Schwangerschaften, verlorengegangene Gottesbeziehung, brachliegende Begabungen könnten durch diese Kurse vermieden werden, wenn viele Eltern, Jugendverantwortliche, Lehrer und Schulen sich für dieses Programm engagieren würden.

Es ist mittlerweile Abend geworden. Ich staune über Helgas wirklich gute, lockere Art, das Thema Sexualität anzuschneiden. Schon bei mehreren Sendungen, die wir mit ihr bei Radio Maria zu diesem Thema gemacht haben, hatten wir ja festgestellt, wie unkompliziert, ohne jede Peinlichkeit und sehr lebendig sie über diese Fragen sprechen kann. Ich kann mir gut vorstellen, daß ihre Art bei jungen Leuten gut ankommt. Bei einer warmen Suppe klingt der Abend gemütlich aus. Vieles hat mich nachdenklich gemacht, für vieles bin ich dankbar, was ich hier erfahren habe, gerne werde ich sie weiter unterstützen. Wenn ich an Helgas schwierige Startbedingungen im Leben denke, bin ich erstaunt, was diese junge Frau mit großer Dynamik auf die Beine gestellt hat.

Helga jedenfalls weiß, warum dem so ist: “Ich habe immer eine starke Führung Gottes in meinem Leben gespürt, aber es ist für mich eine reine Gnade, daß ich Gott überhaupt begegnet bin."

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